Full text: Schutz dem Arbeiter!

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Aehnliche Bestrebungen, durch Festsetzung von Minimal-Preisen, 
durch eine Reduction der Production rc., den gegenseitigen Unterbietungen 
und damit gegebenen Schleuderpreisen — die dann natürlich auf den 
Arb e its mar kt noch mit verstärkter Wucht zurückwirken — ein Ziel zu 
şetzen, sind in Deutschland in fast allen Jndustriegruppen zu ver 
zeichnen; nur sind dieselben selten von dauerndem Erfolg gewesen, 
Keil die Vereinbarungen — nicht gehalten wurden. Der individuelle 
Eigennutz war größer als das Gefühl der Standesehre und des Gemein 
sinnes. Jeder sucht dem Andern den Absatzmarkt rücksichtslos abzujagen, 
ohne zu bedenken, daß die Interessen solidarisch sind. Gerade in Zeiten 
ber Ueberproduction sind die Fabricanten versucht, durch rücksichts- 
ļuse Herabdrückung der Löhne und durch Ausdehnung der 
Arbeitszeit (zur Minderung der Productionskosten) sich noch einen 
Absatz auf Kosten der Bernfsgenossen gegen Schleuderpreise zu erobern. 
Alle solche Cartell -B e streb un gen aber beweisen, daß eine gewisse 
Mäßigung und Stetigkeit der Production, wie sie mit dem ge 
setzlichen Maximal-Arbeitstag gegeben sein wird, auch im Interesse 
ber Industrie dringend z u wünschen wäre. 
Von diesen Erwägungen aus könnte man zu dem Vorschlage kommen, 
ben Berufs gen os se nsch asten, welche zunächst zum Zwecke der Un- 
sall-Ver si cher un g in's Leben gerufen sind, auch die Regelung der 
Arbeitszeit zu übertragen. An eine 
Festsetzung der Arbeitszeit durch die Berufsgenossenschaften 
Wie man um so mehr denken können, wenn denselben auch die Alters-, 
Invaliden-, Wittwen- undWaisenversicherung übertragen worden 
^are. Der Maximal-Arbeitstag würde sich als eine Maßnahme zur 
Verhütung von Krankheit, Siechthum, Invalidität und vorzeitigem 
"tob des Familien-Ernährers darstellen, und ebenso wie die Unfall 
verhütung zur Minderung der Kosten führen. Der Herr Reichskanzler 
Fürst Bismarck hat schon in der Beantwortung der Interpellation 
don Hertling's diesem Gedanken Ausdruck gegeben, und seitdem ist 
Bevölkerung nur 309, und daß zudem die Sticker in weit höherem Procentsatz im Alter 
b °n 20—30 Jahren wegstürben, wurden sie aufmerksam; ihre eigene Beobachtung überzeugte 
ş'e von der Verderblichkeit allzu langer Arbeit. Sie bildeten einen Verband, der die Ar 
beitszeit auf elf Stunden mit Einschluß der üblichen Pausen für Zwischen-Mahlzeiten fest- 
Mte. Seit dieser Zeit (Sommer 1885) hat sich der Zustand der Sticker allgemein gebessert, 
von allen Seiten berichtet wird, namentlich bei den Einzelstickern, welche früher, 
°vrch kein Gesetz beschränkt, länger arbeiteten. Nach der Mittheilung des Vorstandes einer 
'^it verbreiteten Sticker-Krankenkasse hatten früher die Eiuzelsticker 75—80% der Kranken, 
îrotzdem sic nur 48% der Mitglieder ausmachten; jetzt ist die Zahl ihrer Krankheitstage 
Uln ca. 25°/o gesunken."
	        
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