Full text : Die konsumgenossenschaftliche Gütervermittlung, ihre Technik und wirtschaftliche Bedeutung

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noch  0,8o/o.  Am  ungünstigsten  stand  im  vorigen  Jahre  der  Thüringer
Unterverband  mit  1,5  o/o,  am  günstigsten  der  rheinisch-westfälische  Unrerverband
  mit  0,2o/o.  Im  Allgemeinen  Verbände  betragen
die  Außenstände  bei  den  Mitgliedern  für  auf  Kredit  gegebene  Bedarfsgüter ­
  seit  mehreren  Jahren  nur  0,5  o/a;  das  kommt  wohl  daher,  daß
im  Allgemeinen  Verbände  eine  verhältnismäßig  große  Zahl  von  Konsumenten ­
  aus  den  mittleren  Schichten  organisiert  ist,  im  Gegensatz
zum  Zentralverband,  der  hauptsächlich  nur  die  Arbeiterschaft  umfaßt?)
Interessant  wäre  es,  diesen  Zahlen  eine  Statistik  der  Kreditgewährung
in  Erwerbsgeschäften  gegenüberzustellen;  die  wenigen  Detailhandelsbetriebe, ­
  die  dort  das  Prinzip  der  Barzahlung  bisher  streng
durchführten,  gehen  teilweise  wieder  davon  ab.  Im  allgemeinen
dürfte  aber  auch  bei  den  Erwerbsgeschäften  die  Barzahlung  zunehmen,
was  nicht  zum  wenigsten  ein  Verdienst  der  Rabattsparvereine  ist.
V.  Die  Arten  der  Verteilungsgüter  in  den  Konsumvereinen.
Paul  G  ö  h  r  e  berichtet  von  einem  der  ältesten  deutschen  Konsumvereine, ­
  der  „Ermunterung"  in  Chemnitz,  daß  er  mit  der
Vermittlung  von  Zigarren,  Seife  und  Soda  begann.  Nach  einem
Protokoll  der  Rochdaler  Pioniere  vom  12.  Dezember  1844
vermittelten  diese  anfangs  nur  Mehl,  Butter,  Zucker  und  Hafergrütze?)
Dieses  erste  Stadium  genossenschaftlichen  Güterverkehrs  liegt  weit
zurück.  Ein  großer  Teil  der  Konsumvereine  vermittelt  heute
nicht  nur  Lebens-  und  Genußmittel,  sondern  auch  alle  Textil-  und
Lederprodukte,  Holz-  und  Metallprodukte,  überhaupt  alles,  was  zum
Wirtschaftsbedarf  gehört.  Die  Ausdehnung  der  konsumgenossenschaftlichen
  Gütervermittlung  auf  alle  Branchen  wird  allerdings  in  verschiedenen ­
  deutschen  Bundesstaaten  durch  Umsatz  st  euergesetze
sehr  gehemmt,  sodaß  die  Konsumvereine  in  Preußen  z.  B.  im  allgemeinen ­
  nur  eine  der  dort  für  die  Besteuerung  maßgebenden  Bedarfsartikelgruppen ­
  führen  können.  Ob  es  den  Konsumvereinen  gelingen
wird,  so  zu  erstarken,  daß  sie  die  Warenhaussteuern  ertragen  können,
kann  mau  heute  noch  nicht  beurteilen.  Eine  Möglichkeit  zur  Umgehung ­
  wäre  gegeben,  wenn  man  besondere  Konsumgenossenschaften

8 )  In  Prozenten  der  Gesamtzahl  der  Mitglieder  der  Konsumvereine  des
Zentralverbandes  betrug  die  Zahl  ber  gegen  Gehalt  oder  Lohn  beschäftigten
Personen  in  gewerblichen  und  landwirtschaftlichen  Betrieben  79,7<y 0 ;  im  Allgemeinen ­
  Verband  war  der  Prozentsatz  37°/°.  Beides  im  Jahre  1912.  (Jahresbericht ­
  des  Zentralverbandes  für  1913,  S.  494  f.)
*)  Holyoake  a.  a.  O.  S.  27.
            
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