Full text : Die konsumgenossenschaftliche Gütervermittlung, ihre Technik und wirtschaftliche Bedeutung

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Die  Konsumgenossenschaft  „Produktion"  bezweckt  also  mit  dem
Bau  von  Häusern  nicht  allein  die  Beschaffung  von  Verteilungsstellen
und  Wohnungen,  sondern  sie  erzielt  dadurch,  daß  sie  ganze  Häuserblocks ­
  für  ihre  Mitglieder  errichtet  und  evtl.,  wie  es  in  der  Praxis  der
Fall  ist,  noch  anliegende  Häuser  hinzumietet  und  so  eine  vollständige
Konzentration  des  Bedarfs  auf  einem  möglichst  engen  Raum  hervorruft, ­
  gleichzeitig  eine  rationellere  Gestaltung  der  Bedarfsdeckung.
Ein  Problem,  das  in  den  letzten  Jahren  viel  erörtert  worden  ist,
ist  die  Errichtung  von  Verteilungsstellcn  außerhalb  des  eigentlichen
Stadtkreises:  Die  Entwicklung  zum  B  e  z  i  r  k  s  k  o  n  s  u  m  v  e  r  e  i  n.
Als  Bezirkskousumvereine  hat  man  Vereine  bezeichnet,  „die  sich  über
fünf  und  mehr  Orte  ausdehnen,  und  bei  denen  der  in  den  Außenorten
erzielte  Umsatz  einen  wesentlichen  Teil  des  Gesamtumsatzes  ausmacht."^) ­

Ich  kann  dem  nicht  zustimmen,  denn  „fünf"  ist  eine  willkürlich
herausgegriffene  Zahl,  die  nicht  begründet  werden  kann.  Ein  Konsum-Verein,
  der  sich  auf  drei  größere  Städte  erstreckt,  würde  nach  obiger
Definition  gar  nicht  zu  den  Bezirkskonsumvereinen  gehören.  Als  Bezirkskonsumverein ­
  möchte  ich  alle  Vereine  bezeichnen, ­
  die  sich  auf  mehrere  Orte  erstrecken.  Handelt  es  sich
um  nur  wenige  Orte,  vielleicht  drei  oder  vier,  so  umfaßt  der  Verein
allerdings  einen  nur  wenig  ausgedehnten  Bezirk.  Aber  ein  Bezirkskonsumverein ­
  ist  es  doch.
Drei  Möglichkeiten  gibt  es  für  die  E  n  t  st  e  h  u  n  g  von  Bezirkskonsumvereinen: ­

1.  Zusammenschluß  kleinerer  Vereine  zu  einem  großen.
2.  Angliederung  kleiner  Konsumvereine  an  einen  großen  Verein.
3.  Neuerrichtung  von  Verteilungsstcllen  außerhalb  des  Ortsgebiets. ­

Die  Tendenz  zur  Entstehung  von  Bezirkskonsumvereinen  tritt  erst
in  den  letzten  zehn  Jahren  deutlich  hervor.^)  1887  nahm  der  Konsum-Verein
  „Ermunterung"  in  Chemnitz  noch  folgenden  Passus  in  seine
Statuten  auf:
Die  Mitgliederzahl  ist  auf  225  festgesetzt,  die  alle  in  Chemnitz")  wohnen
müssen,  verheiratet  oder  Witwen  sind;  jedoch  kann  die  Zahl  durch  Generalversammlungsbeschluß ­
  erhöht  werden.

s)  F.  Bieth  i.  d.  Kons.  Rundschau  Nr.  9  1913.
i«)  Die  grundlegenden  Darstellungen  von  F.  Bieth  haben  zur  Ausbreitung ­
  viel  beigetragen.
")  Paul  Göhr  e,  der  diese  Statuten  in  seinem  Werk  abdruckt?  bemerkt,
daß  nur  die  Stadt  Chemnitz,  nicht  auch  die  Vororte  gemeint  sind.
            
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