168
Bei Brennmaterialien, Kartoffeln und Getränken
liegt die Sache anders. Aus verschiedenen Gründen bezieht ein
großer Teil der Konsumenten diese Bedarfsgüter auf Vorrat. Es
handelt sich also um größere Mengen, die geliefert werden müssen.
Für die einzelnen Konsumenten würde es da zu umständlich sein, die
Spedition selbst zu übernehmen, weshalb der Lieferant die Hauslieferung
organisiert hat.
Das Moment, seinen Kunden „entgegenzukommen", hat natürlich
zur Einführung aller Hauslieferungen wesentlich beigetragen.
In der konsumgenossenschaftlichen Gütervermittlung, wo man
alles auf die einfachste ökonomische Formel zu bringen sucht, haben
sich auch in bezug auf die Hauslieferungsfrage Besonderheiten herausgebildet,
die ich in folgendem bei der Behandlung der einzelnen
Artikel noch streifen werde. Dort werde ich auch vou den Schwierigkeiten
der konsumgenossenschaftlichen Hauslieferungen zu sprechen
haben.
Die Milch Verteilung. Die Vermittlung von Milch haben
erst wenige Konsumvereine in eigene Regie genommen?) Milch ist
bekanntlich ein schwer zu behandelnder Artikel, der leicht verdirbt.
Weitere Schwierigkeiten erwachsen aus dem schwankenden Milchertrag
der Kühe, weshalb es nötig ist, besondere Regulierstellen,
Molkereien, einzurichten, wozu kleine Vereine naturgemäß nicht imstande
sind?) Dazu konimt, daß den Prinzipien der Konsumgenossenschaften
gemäß nur hygienisch einwandfreie Milch geliefert werden
darf und außerdem Schaffung humaner Arbeitsbedingungen eine der
ersten Pflichten konsumgenossenschaftlicher Tätigkeit ist. Gerade die
beiden letzten Momente haben viele große Vereine von der Milchlieferung
bis jetzt noch ferngehalten?)
Die Verteilung der Milch wird von einzelnen Vereinen selbst
übernommen, andere Vereine überlassen die Verteilung den Lieferanten.
Das letztere trifft z. B. auf den Bielefelder Konsumverein
zu. Von denjenigen, die die Verteilung selbst übernehmen, kann es
direkt oder durch die Verteilungsstellen oder ans beide Arten geschehen.
Der Konsumverein „Eintracht" in Essen kennt nur die direkte Milchlieferung,
und zwar in die Häuser der Mitglieder. Dieser Verein hat
*) Am weitesten geht darin die Konsumgenossenschaft „Produktion" in
Hamburg, die einen Teil der Milch auf ihrem Landgute selbst produziert.
2 ) Vgl. S. 38.
3 ) Die Konsumvereine Mannheim und Frankfurt a. M. suchen durch Beteiligung
an „Milchzentralen" einen Einfluß auf die Milchlieferung zu gewinnen.