Full text : Die konsumgenossenschaftliche Gütervermittlung, ihre Technik und wirtschaftliche Bedeutung

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eine  Molkerei  in  Legden,  wo  die  von  Bauern  gelieferte  Milch  gereinigt,
  pasteurisiert  und  gekühlt  wird.  Sie  gelangt  dann  mittels
besonderer  Wärmeschutzwagen  nach  Essen,  wo  sie  von  etwa  40  Milchverteilern ­
  den  Mitgliedern  zugestellt  wird.  Die  Milchverteiler  werden
nach  tariflichen  Sätzen  entlohnt  und  erhalten  Ferien  unter  Fortbezahlung ­
  des  Lohnes.  Es  gibt  keinen  gleichgearteten  Milchvertrieb,  der
unter  ähnlichen  mustergültigen  Bedingungen  arbeitet.  Der  Essener-Verein
  ist  für  die  Milchversorgung  vorbildlich.  —  Der  Konsumverein
Mühlhausen  i.  Elf.  (Zentralverband)  liefert  ebenfalls  die  Milch  in  die
Häuser  der  Mitglieder  durch  eigene  tariflich  entlohnte  Milchverteiler.
Besonders  gut  entwickelt  ist  die  Milchverteilung  im  Basler
Konsumvereins)  Sie  ist  anders  als  in  den  deutschen  Städten.  Die
Mitglieder  der  Basler  Konsumgenossenschaft  hat  man  daran  gewöhnt,
ihre  Milch  zum  größten  Teil  in  den  Abgabestellen  zu  holen.  Es
hat  dies  für  die  Mitglieder  den  Vorteil,  daß  sie  die  Milch  in  beliebigen ­
  Mengen  holen  können  und  nicht  an  eine  bestimmte  Zeit
gebunden  sind.  Die  Milch  wird  offen  in  den  Lokalen  ausgemessen.
Außerdem  besteht  noch  die  „Hausspedition",  durch  welche  etwa  ein
Viertel  der  Milch  vermittelt  wird.  Am  Wagen  kostet  dia  Milch
einen  Centime  mehr  als  in  den  Verteilungsstellen,  da  natürlich  durch
die  Hauslieferung  erhebliche  Kosten  entstehen.  Der  Milchfuhrmann
verteilt  mit  seinem  Wagen  durchschnittlich  800  Liter  pro  Tag.  Die
Ausgaben  betragen  für  ihn  ungefähr  14  Franken.
Mit  der  Hauslieferung  von  Milch  ist  auch  die  Lieferung  von
Rahm,  Käse  und  Butter  verbunden.  Die  Fuhrleute  werden  mit  dem
Betrage  der  übergebenen  Produkte  belastet;  jeden  Abend  müssen  sie
das  eingenommene  Geld  an  der  Milchkasse  abliefern.  Damit  sie  die
Mitglieder  nicht  übervorteilen,  werden  sie  in  bezug  auf  die  richtige
Abgabe  des  Maßes  kontrolliert.  Gutgewicht  wird  ihnen  bei  Milch
nicht  gewährt.
Da  beim  Milchgeschäfte  peinlichste  Sauberkeit  herrschen  muß,
so  verursacht  die  Reinigung  der  Milchgefäße  viel  Arbeit.  Die  Spülmaschinen ­
  sind  fast  ununterbrochen  in  Tätigkeit.
Von  den  100  000  Litern  Milch,  die  in  Basel  täglich  gebraucht
werden,  liefert  der  Allgemeine  Konsumverein  ungefähr  55  000  Liter,
was  einem  jährlichen  Gesamtumsatz  von  7  Millionen  Franken  und
einem  Umsatz  pro  Mitglied  von  200  Frankens  (Jahr  1912)  entspricht.

*)  Nach  einem  Referat  auf  dem  10.  ordentlichen  Genossenschaftstag  des
Zentralverbandes  in  Dresden  1913.
°)  Der  verhältnismäßig  sehr  hohe  Umsatz  ist  wohl  darauf  zurückzuführen,
            
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