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Wir sehen also, daß auch Konsumvereine latente Bedürfnisse zu
wecken suchen. Doch geschieht das nur insoweit, als es im Interesse
der Konsumenten oder vielleicht auch der Arbeitnehmer liegt. Wenn
es sich also darum handelt, hygienisch oder ökonomisch zu
wirken, oder mit Rücksicht auf die Arbeitnehmer soziale Wirkungen
auszuüben, so übernimmt auch die Konsumgenossenschaft die Funktion
der Weckung latenter Bedürfnisse.
Viel weiter gehen hierin bekanntlich die Erwerbsgeschäfte. Bei
der starken Konkurrenz ist der private Produzent gezwungen, den
Bedarf für immer neue Gegenstände zu wecken. Das hat der Volks
wirtschaft auf der einen Seite eminente Vorteile gebracht, auf der
anderen aber ungeheure Nachteile. Der private Produzent kennt nur
ein Interesse: Sein Interesse. Nur so ist es zu erklären, daß heute
so viel unnütze, ja sogar schädliche Dinge auf den Markt gebracht
werden. Eine Kontrolle der privaten Produzenten durch den Konsu
menten oder durch dessen Sachverständige: Hygieniker, Aesthetiker usw.
wäre deshalb wünschenswert. Wären unsere Industriellen, Land
wirte, Händler usw. auf ihr Standesinteresse genügend bedacht, so
würden sie sogar selber danach strebend) Scheinbar haben sie aber
ein Interesse daran, den jetzigen Zustand aufrechtzuerhalten.
Bei dem Bestreben, eine möglichst große Zahl von Abnehmern
an sich zu ziehen, spielt die Weckung latenter Bedürfnisse eine ge
ringere Rolle als diejenigen Maßnahmen, die das Publikum veran
lassen sollen, seine bereits vorhandenen Bedürfnisse in einem
bestimmten Unternehmen zu decken. Die Konsumgenossenschaft kennt
nur wenige, dafür aber desto wirksamere Mittel, die übrigens ver
hältnismäßig wenig Kosten verursachen, um dieses Ziel zu erreichen.
Paul Göhre sagt treffend von der Reklame der Konsumvereine:
„Sic ist anders geartet als die eines Privatgeschäfts. Sie ist weniger
blendend, als letztere gemeinhin zu sein pflegt und immer mehr sein muß,
wenn sie wirksam sein will; weniger gewaltsam als letztere, die darauf aus
geht, den Käufer unter allen Umständen in den Laden und zu einem Kauf
zu bringen; weniger kostspielig und zugleich weniger materiell gerichtet. Viel
mehr arbeitet sie vorwiegend mit objektiven Faktoren und mit geistigeren
Potenzen."")
Unter den Reklamemitteln kann man örtliche und zentrale
unterscheiden. Ich nenne hier nur diejenigen Einrichtungen und Maß-
4) Vgl. dazu -die Ausführungen von Benno Jaroslaw in verschiedenen
Numniern der Zeitschrift „Der Kaufmann und das Leben", herausg. von
Prof. Ur. Arthur Schröter: im besondern siehe den Artikel: Ueber eine
-Entwicklungsmöglichkeit des Detailgeschäfts. Nr. 6. 1913/14.
6 ) Paul G ö h r e a. a. O. S. 364.
Schloesser, Die konsumgenossenschastliche Gütervcrmittlung. 7