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Zyklus der Konjunktur wird die Sache dann ganz klar. Einerseits
wird durch die Preissenkung, die das immer wachsende Angebot
der neuen Produkte hervorruft, und durch die Steigerung der
Kosten der Unternehmergewinn eliminiert, sodaß ein Anreiz
zu neuen Taten bei dem Unternehmer nicht mehr besteht.
Andererseits ist aber auch durch das Tun der Unternehmerschar
in die Daten ziemliche Unordnung, große Unsicherheit hinein-
getragen worden, sodaß auch die Leiter‘ der neuen Betriebe
veranlaßt werden, an denselben herumzukorrigieren, dieselben
einzuordnen, also die allgemeine Anpassungstendenz mitzu-
machen!). In der neuen, zweiten Auflage seiner „Theorie der
wirtschaftlichen Entwicklung“ bekennt. sich Schumpeter,
gerade im Hinblick auf den ihm gemachten Vorwurf, daß er über-
haupt nicht versucht habe, die Periodizität der Wechsellagen
zu erklären, ausdrücklich zu dieser Auffassung: „Die Be-
dingungen, unter denen Unternehmer auftreten können — ab-
gesehen von den allgemeinen wirtschaftlichen und sozialen Be-
dingungen der Konkurrenzwirtschaft — ergeben sich aus dem
zweiten Kapitel und lassen sich kurz und unvollkommen formu-
lieren als: Vorhandensein privatwirtschaftlich vorteilhafter
„neuer Möglichkeiten‘“ — eine Bedingung, die immer erfüllt
sein muß — beschränkte Zugänglichkeit derselben infolge der
dazu nötigen Eignungen — hier könnte man ruhig hinzufügen:
und äußere Umstände — und eine Lage der Volkswirtschaft,
die halbwegs verläßliche Kalkulation gestattet. Warum die
Unternehmer unter diesen Bedingungen auftreten, ist, wenn
man die in unserem Begriff des Unternehmers liegenden Vor-
aussetzungen festhält, nicht problematischer als daß der „Wirt
schlechtweg‘ nach einem Gewinn greift, wenn dieser ihm un-
mittelbar vor Augen steht‘?).
Wir würden diese Begründung des „Scharenweisen‘“ Auf-
tretens neuer Unternehmungen in der Aufschwungsperiode
nicht schlankweg ablehnen, wenn unsere Voraussetzung, näm-
lich daß die Unternehmer ein wenn auch sehr wenig bekanntes
Datum des statischen Systems darstellen, akzeptiert würde.
So sagen aber doch Schumpeters Ausführungen nichts darüber
1) Schumpeter, Entwicklung, S. 347, 355ff. %) ebda., S. 320 (die
Unterstreichung stammt von Schumpeter).