Full text: Einführung in die Kriegswirtschaftslehre

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apanische Regieruug, daß Aktien von Eisenbahnen, 
Banken und industriellen Unternehmungen von 
Ausländern erworben würden. Man wollte offen 
bar verhindern, daß die inländischen Unterneh 
mungen in fremde Abhängigkeit geraten. Aehn- 
liches kann auch bei Schuldenaufnahmen Vor 
kommen. Wir sehen, daß die Regierungen heute 
dahin tendieren, die Kreditverhältnisse entscheidend 
zu beeinflussen. 
Da Anleihen auf lange Zeiträume aufgenom 
men werden, ist das Risiko nicht gering. Ganz 
abgesehen von der wechselnden Zahlungsfähig 
keit eines Staates, ändert sich der Zinsfuß und 
die Kaufkraft des Geldes in längeren Zeiträumen 
recht erheblich. Ist das Risiko groß, so muß die 
Regierung meist eine höhere Verzinsung bewil 
ligen. Sie kann aber den Absatz der Anleihe auch 
durch Privilegien erleichtern, indem sie z. B. verfügt, 
daß bei Kautionen die Anleihen zum Nominale an 
genommen werden, oder daß bestimmte Gelder 
ganz oder zum Teil in Renten angelegt werden 
müssen. Freilich wird auf diese Weise der Industrie 
und Landwirtschaft nicht selten Geld entzogen. 
Wenn die Regierung eine Anleihe emittiert 
hat, ist sie zunächst am Kursstand der Anleihen 
nicht immer interessiert, am meisten dann, wenn 
sie neue Anleihen beabsichtigt. Es kommt nicht 
selten vor, daß sie Banken beauftragt, den Kurs 
der Anleihen zu halten. Dies geschah z. B. wäh 
rend des russisch-japanischen Krieges seitens 
Rußlands. Die russischen Renten waren zuweilen 
geringeren Kursschwankungen ausgesetzt, als die 
Renten anderer Staaten, weil einige Bankhäuser 
intervenierten. Man könnte nun meinen, daß dies 
Kurshalten keinen Gewinn bringe, da doch der 
Kurs nur dadurch gehalten werde, daß man die 
Renten selbst zu einem höheren Kurse kauft. Dies 
ist aber deshalb nicht richtig, weil ja eine relativ 
geringe Quantität von aufgekauften Renten häufig 
ausreicht, den Kurs der übrigen zu stützen. Sehen 
die Rentenbesitzer, daß sich der Kurs hält, so 
verzichten sie auf die Veräußerung der Renten, 
während ein geringes Sinken des Kurses oft 
rasche Kursstürze zur Folge hat, wenn überhaupt 
einmal Mißtrauen auf dem Markte Platz gegriffen 
hat. Einige, die das Sinken der Kurse beobachten, 
verkaufen rasch, um nicht noch mehr zu verlieren. 
Durch diese Verkäufe selbst wird der Kurs weiter 
sinken, was wieder neue Verkäufe zur Folge hat. 
Umgekehrt treibt das Publikum zuweilen auch 
die Kurse in die Flöhe. 
Wir sehen schon aus diesen flüchtigen Be 
merkungen, daß man aus der Tatsache der Kurs 
veränderung nur wenig schließen kann, ebenso 
wenig aus der Höhe des Zinsfußes, mit dem ein 
Staat seine Anleihen ausstatten muß, um Geld 
zu bekommen. Wenn der Rentenkurs niedrig ist, 
so glauben viele, daß dies nur daraus zu erklären 
sei, daß der Kredit des Staates unterhöhlt ist und 
die Zeiten schlecht sind. Dies ist manchmal 
richtig, aber keineswegs immer. Der Kurs der 
Renten kann gerade deshalb niedrig stehen, weil 
ein allgemeines Blühen und Gedeihen einsetzt 
welches den Industriellen große Gewinne sichert. 
Nehmen wir an, im ersten Zeitpunkt in Tabelle 
XVII trage die Staatsrente 4 K jährlich, der Zins 
fuß, zu dem Einlagen verzinst werden, sei mit 
4% angesetzt. Das heißt 100 K tragen mir in der 
Bank ebensoviel, wie eine Staatsrente; wenn ich 
nun mein Geld ebenso gerne in Staatsrenten, wie 
als Einlage verzinse, so werde ich eine Staats 
rente, die mir 4 Kronen trägt mit 100 Kronen 
zu kaufen bereit sein. Nun steige die Ver 
zinsung in der Bank auf 8 %, die Gründe 
können verschiedene sein. Es kann dies damit 
Zusammenhängen, daß man sehr schwer Geld be 
kommt, aber möglicherweise auch damit, daß die 
Dividenden der Aktiengesellschaften im Steigen 
begriffen sind. Die Banken müßten fürchten, ihre 
Einleger zu verlieren, da sie ihr Geld lieber zum 
Aktienankauf verwenden, als es in die Bank zu 
legen, falls der Zinsfuß nicht in die Höhe geht 
und dazu anreizt, Geld in die Bank zu tragen. 
Die Banken können aber in solchen Zeiten wieder 
höhere Zinsen ihren Einlegern Zusagen, weil sie 
ja selbst Aktien kaufen und daher an den er 
höhten Gewinnen partizipieren. Dies Steigen des 
Zinsfußes, das mit einem Gedeihen der Industrie 
zusammenfällt, bewirkt sofort ein Fallen des 
Rentenkurses auf die Hälfte. Ein Papier, das mir 
4 Kronen trägt, würde ich nur mit 50 Kronen be 
zahlen, wenn ich in der Bank für 100 Kronen 
8 Kronen Zinsen bekomme. Wir sehen an diesem 
Beispiel, daß zuweilen ein niedriger Rentenkurs 
eine Folge allgemeinen Aufschwunges sein kann. 
Umgekehrt wie der steigende Zinsfuß, wirkt der 
fallende Zinsfuß. Der fallende Zinsfuß selbst kann 
wieder verschiedene Ursachen haben. Er kann auf 
eine abnehmende Geldknappheit hinweisen, aber 
auch auf ein Stagnieren in den Unternehmungen, 
die sich nur niedrig verzinsen. 
Tabelle XVII. 
Abhängigkeit der Rentenkurse vom Zinsfuß 
Zeit 
punkt 
Staatsrente 
trägt 
jährlich 
Einlagen 
zinsfuß 
Kurs 
der 
Staatsrente 
t, 
4 K 
4°/o 
100 K 
*2 
4 K 
8°/ 0 
50 K 
t 3 
4 K 
2°/ 0 
200 K 
Wir müssen uns eben in allen solchen Fällen 
vor allzu schnellen Urteilen hüten. 
Das gilt insbesondere auch von der Höhe 
des Zinsfußes. Der hohe Zinsfuß kann auf 
große Dividenden hindeuten, er kann aber auch 
der Ausdruck äußersten Mißtrauens sein. Nehmen
	        
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