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im Jahre 1810 auf ungefähr 14.000 ansteigen
machte. In 20 Jahren hatte sich die Anzahl ver
fünffacht. Auch die nordfranzösische Tuchindustrie
florierte während der Kontinentalsperre. Es gab
damals Nationalökonomen, die sich dieser Wir
kungen voll bewußt waren; sie erklärten mit
aller Präzision, die man nur wünschen kann,
Frankreich habe durch die Kontinentalsperre eine
eigene Industrie bekommen und Mitteleuropa sei
industriell von England unabhängig geworden.
Napoleon soll zu einem Textilfabrikanten die
Aeußerung gemacht haben: «Wir beide führen
gegen England Krieg.» Während der Kontinental
sperre entstanden, wie ich schon erwähnte, zahl
reiche Rübenzuckerfabriken. Wie rasch sich die
selben entfaltet haben müssen, kann man daraus
entnehmen, daß nach der Aufhebung der Konti
nentalsperre in Frankreich allein deren 200 zu
grundegehen konnten.
Während der Napoleon'ischen Kriege hat
aber Frankreich auch schwere Verluste erlitten.
Es büßte fast den ganzen Kolonialhandel ein,
den Handel mit Zucker, Kaffee, Baumwolle, Indigo.
Zum Teil wurde freilich gerade dadurch die Ent
wicklung der Zuckerindustrie gefördert. Schwere
Verluste erlitt auch die deutsche Exportindustrie,
die zu Beginn des 19. Jahrhunderts ohnedies
nicht sehr entwickelt war. Vor allem war es die
Sonneberger Spielwarenindustrie, die Schaden zu
verzeichnen hatte, ebenso die schlesische Leinen
industrie, die Portugal, Spanien usw. mit ihren
Produkten versorgte. Auch Hamburg, als ein
Zwischenhandelszentrum, hatte große Verluste.
Ebenso die ostdeutsche Landwirtschaft, die nach
England Getreide, Holz, Hanf und Flachs expor
tierte.
Wie sehr der Zwischenhandel durch Kriege
leiden kann, zeigen die Ziffern der Tabelle XXVI
für 1869 und 1870.
Tabelle XXVI.
Import nach Hamburg
Ware
Quantitäts
bezeichnung
1869
1870
Baumwolle
Paket
253.000
187.000
Kaffee
Pfund
130,000.000
78,600.000
Zedernholz
Quadratfuß
986.000
451.000
Reis
Säcke
283.000
172.000
Dieser Rückgang der Warenziffern entspricht
dem Rückgang der Schiffahrt, der freilich in einem
Weltkriege noch ganz andere Dimensionen an
nehmen dürfte. Tabelle XXVII gibt eine Uebersicht
für Hamburg und Bremen. Noch instruktiver sind
Zusammenstellungen, welche die Veränderungen
monatsweise geben.
Tabelle XXVII.
Lähmung der Schiffahrt durch den Krieg:
Hafen
Jahr
Angekommene
Abgefahrene
Seeschiffe ca.
Hamburg
1869
. 5200
5200
«
1870
4100
4100
Bremen
1869
3000
3200
«
1870
2400
2400
Es gibt nun Leute, welche die Anschauung
vertreten, daß jener, der eine Kontinentalsperre
verhänge, sich selbst ebensosehr schädige, wie den
Gegner. Man kann zwar ohneweiters zugeben, daß
durch derartige Eingriffe in den internationalen
Handel im allgemeinen beide beteiligten Parteien
zu leiden haben ; ob aber beide gleich viel
leiden, das ist eine durchaus konkrete Frage; eine
allgemeine Antwort läßt sich auf dieselbe nicht
geben. Norman Angell hat in seinem Buche die
«Große Täuschung», diese Behauptung aufgestellt,
ohne daß es ihm aber gelungen wäre, sie zu be
weisen. Seine sehr lesenswerten Ausführungen
zeigen nur, daß die Komplikation des heutigen.
Weltmarktes eine isolierte Beeinflussung in einer
einzigen Richtung schwer, ja unmöglich macht.
Daß aber der Vorteil durch den Nachteil immer
kompensiert wird, das zu beweisen ist Norman
Angell begreiflicherweise nicht imstande. Es wird
zweifellos Fälle geben, in denen derjenige, der den
anderen schädigen will, selbst sogar den größeren
Schaden erleidet.
Wenn wir von den Schädigungen sprechen,
die ein Weltkrieg der Zukunft nach sich ziehen
kann, empfiehlt es sich, einen Blick auf die Ziffern
des internationalen Handelsverkehrs zu werfen.
Denken wir uns einen Zusammenprall zwischen
Tripelentente und Dreibund.
Welche Handelsentwicklung Deutschlands Ruß
land gegenüber steht auf dem Spiele, welche Vor
teile kann eventuell England dadurch erringen,
daß Deutschland zeitweilig ausgeschaltet wird?
Tabelle XXVIll gibt uns davon einen, wenn auch
nur ungefähren, Begriff. Die zunehmende Beteili
gung Deutschlands am russischen Außenhandel
trägt natürlich nicht dazu bei, einen Krieg mit
Rußland besonders wünschenswert erscheinen zu
lassen, zumal Deutschlands Politik überhaupt da
rauf aus ist, es sich mit Rußland nicht ganz zu ver
derben. In einem Weltkrieg kann England unter
Umständen Deutschlands Seehandel völlig lahm
legen und Rußland allein mit Waren versorgen.
Zwar wissen wir, daß auch kleine Flotten Erfolge
erzielen können, wie dies bei Lissa der Fall war