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einmal Gelegenheit festzustellen. Wir besitzen
eben keine kriegswirtschaftliche Zentralstelle,
welche die wichtigsten Vorkommnisse der Gegenwart
evident hielte und die Vergangenheit
durchforschen könnte. Dies ist mit eine Ursache,
weshalb die kriegswirtschaftliche Organisation,
die Ordnung des Verkehrswesens und
der Produktion für den Kriegsfall so schwer
durchzuführen ist.
Diese wenigen Hinweise auf den inneren
Markt und die innere Verkehrslage mögen genügen.
Es seien mir nun noch einige Bemerkungen
über den internationalen Markt
gestattet. Der Krieg verändert häufig die Absatzwege
bestimmter Warengruppen. Aber es werden
nicht nur die Wege verschoben, vielfach werden
bestimmte Konsumenten überhaupt ausgeschaltet.
Um nur ein Beispiel hervorzuheben. Frankreich
verkauft Konfektionswaren an die ganze Welt.
Als der Deutsch-französische Krieg dazu führte,
daß Paris eingeschlossen wurde, nahmen die Bestellungen
Hollands, Italiens, Rußlands usw. ihren
Weg nach Berlin statt nach Paris und die militärischen
Erfolge hatten unmittelbare Einkommensvermehrung
hervorgerufen. Damals ging auch der
französische Champagnerhandel zurück, während
Deutschland für seinen Champagner neue Absatzgebiete
eroberte. In ähnlicher Weise kann der
Handel dritter Staaten durch einen Krieg beeinflußt
werden.
Ich komme nun zu Problemen von noch
größerer Tragweite. Ein Krieg von längerer Dauer
kann, wenn sich die Produktion an die geänderten
Verhältnisse anzupassen vermag, ähnlich wie
ein Schutzzoll wirken. Derartige Wirkungen von
einiger Erheblichkeit dürfte im allgemeinen nur
ein Weltkrieg, wie jener vor hundert Jahren, ausüben.
Was für Vorkommnisse den Weltkrieg
charakterisieren werden, wissen wir nicht genau.
Sehr wahrscheinlich ist es, daß der Boykott eine
erhebliche Rolle spielen wird, wie er z. B. in der
Türkei und in Serbien gegen österreichisch-ungarische
Waren zeitweilig geübt wurde. Der Boykott
verengt den Absatz des Gegners, er fördert den
Absatz der eigenen Industrie, die nun nicht mehr
mit jener des Auslandes konkurrieren muß. Der
Boykott wirkt wie ein Prohibitivzoll, nur daß er
nicht formell von der Regierung ausgeht. Freilich
dürfte man in Zukunft für einen Boykott der
Privatpersonen die Regierungen verantwortlich
machen. Es wäre denkbar, daß man, im Falle man
die Macht dazu hat, sie zur Abnahme bestimmier
Warenquanten zwingt, die sie dann an die Bevölkerung
nach ihrem Ermessen weiter veräußern
kann. Derartige und andere Pressionen gegenüber
Regierungen wird man umso leichter anwenden,
als in der Mehrzahl der Fälle ein großzügig organisierter
Boykott von der Regierung zumindest
geduldet, wenn nicht gefördert zu sein pflegt.
Wir leben heute in einem Zeitalter, das
schutzzöllnerischen Gedankengängen stark anhängt.
Es ist dies eine von Zeit zu Zeit wiederkehrende
Denkweise. Wenn ein Zeitalter dem
Staat keine Eingriffe gestattete und infolge der
ungezügelten Konkurrenz schwere Schäden sich
bemerkbar machten, pflegte man in der Forderung
nach Regierungshilfe und Schutzmaßnahmen aller
Art keine Grenze finden zu können; wenn dann
durch übermäßige Kontrolle der Unternehmungsgeist
gelähmt und vielfach Unfähige privilegiert
werden, wendet sich der Zorn aller gegen die
Aufsicht der Regierung. Da die Menschen wenig
aus der Geschichte zu lernen pflegen, begnügt
man sich meist nicht mit der Beseitigung der
Schäden, sondern geht von einem Extrem ins
andere über. Die schrankenlose Gewerbefreiheit
wird durch eine Gewerbeordnung abgelöst, der
zufolge eine Konditorei ohne besondere Konzession
zwar kalte, nicht aber warme Limonaden verkaufen
darf, weil letzteres nur einem Kaffeehaus
zukommt. Den Schutzzoll verteidigen viele als
Erziehungszoll. Sie weisen darauf hin, daß der
unentwickelten Industrie geholfen werden müsse.
Daß sie hilfsbedürftig sei spreche nicht gegen
ihre tatsächlichen Fähigkeiten. Ein dreißigjähriger
Schwächling könne mit Leichtigkeit einen fünfjährigen
Athleten erdrosseln. Es war bekanntlich
der Schutzzoll, der Deutschlands Industrie
der englischen gegenüber konkurrenzfähig gemacht
hat. Es gibt aber freilich Schutzzölle, die nicht
dazu beitragen, die Produktion zu vergrößern und zu
vervollkommnen, sondern einer kleinen Gruppe von
energischen Männern die Möglichkeit geben,
Waren minderer Qualität zu hohen Preisen zu
verkaufen, ohne die Konkurrenz des Auslandes
fürchten zu müssen. In Zeiten, die dem Freihandel
gewogen sind, wird man für die schutzzöllnerische
Wirkung des Krieges kein rechtes
Verständnis haben. Der Krieg ist für Freihändler,
wie ich schon einmal erwähnte, nur eine Störung
der Produktion, während der Schutzzöllner
in ihm unter Umständen eine Anregung zur Produktion
sieht. Freilich muß dafür Sorge getragen
werden, daß Fabriken, die während eines Krieges
errichtet wurden, nach dem Kriege nicht schutzlos
dem Auslande preisgegeben werden, wie dies
nach den Napoleonischen Kriegen zum Teil der
Fall war, als die Kontinentalsperre aufgehoben
wurde, ohne durch entsprechende Schutzzölle ersetzt
zu werden, die als Uebergang hätten dienen
können.
Wir besitzen eine ausgezeichnete Schilderung
der Kontinentalsperre von Peetz und
Dehn. Napoleon wollte den englischen Handel
treffen, soweit er Industrie- und Kolonialartikel
betraf; merkwürdigerweise verhinderte er nicht
die Zufuhr von Getreide nach England, was wohl
eine der ersten Taten eines modernen Napoleon
gewesen wäre. Auch in einem modernen Weltkriege
würde eine Kontinentalsperre der Industrie
manche Förderung, aber auch manche Lähmung
bringen. Die Lyoner Seidenindustrie beschäftigte
im Jahre 1788 ungefähr 9000 Webstühle; deren
Zahl ging infolge der Revolution auf ungefähr
3000 zurück, während die Kontinentalsperre sie