Full text : Einführung in die Kriegswirtschaftslehre

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Gedankengang  hervorgehoben,  um  zu  zeigen,
welche  Dimensionen  internationale  Pläne  annehmen ­
  können.  Bei  uns  ist  man  wenig  gewöhnt,
derartige  Ideen  zu  verfolgen,  da  wir  selbst  nur
geringe  internationale  Interventionsmöglichkeiten
haben.  In  England  sind  weit  gewaltigere  Pläne,
offizielle  und  nichtoffizielle,  an  der  Tagesordnung.
Auch  Rußland  beschäftigt  sich  immer  mehr  mit
derartigen  Kombinationen  größten  Stils.
Es  fragt  sich  nun,  wie  kann  ein  Staat  erobertes ­
  Gebiet  oder  Interessensphären  ausnützen  ?
I  Er  kann  seinen  Bürgern  weitgehendste  Vorteile
verschaffen.  Eine  bekannte  Bevorzugung  kommt
bei  der  Vergebung  von  Eisenbahnkonzessionen
vor.  Gerade  in  dem  eben  erwähnten  Gebiet
Kleinasiens  geht  der  Kampf  der  Mächte  um  die
Eisenbahnkonzessionen.  Rußland  hat  ein  Grenzgebiet ­
  der  Türkei  gegen  fremde  Eisenbahnkonzessionen ­
  sperren  lassen.  Würde  Rußland  in
einem  Kriege  besiegt,  so  wäre  das  Recht,  an  der
russisch-türkischen  Grenze  Eisenbahnen  zu  bauen,
auch  ein  Kampfpreis.
Aber  die  Eroberungen  müssen  sich  nicht  unmittelbar ­
  auf  kommerzielle  Ausnützungsobjekte
beziehen.  Oft  genügt  es,  gewisse  wichtige  Positionen ­
  in  die  Hand  zu  bekommen;  ich  erinnere
nur  an  die  Besetzung  Maltas,  Gibraltas,  Zyperns
durch  die  Engländer,  an  die  zahlreichen  Positionen,
welche  die  Engländer  sich  längs  der  arabischen
Küste  verschafft  haben.  Der  persische  Meerbusen
ist  heute  ganz  von  englischen  Stationen  eingerahmt, ­
  während  die  Scheichs  des  arabischen
Hinterlandes  zum  Teil  eine  Art  Vasallen  Englands
sind,  das  ihnen  Gewehre  usw.  liefert.  Der  Besitz
oder  Verlust  dieser  Positionen  bedeutet  sehr  viel
in  kommerzieller  Beziehung.
Es  handelt  sich  bei  all  diesen  Dingen  um
die  Aufteilung  der  Erde  unter  einige  große  Mächte.
So  sollen  bereits  Verhandlungen  im  Gange  sein,  die
darauf  abzielen,  Afrika  gänzlich  unter  Deutschland,
Frankreich  und  England  aufzuteilen,  soweit  nicht
Italien  bereits  sich  festgesetzt  hat.  Man  hört  von
Bemühungen,  die  darauf  abzielen,  einen  Teil  der
portugiesischen  Kolonien  für  Deutschland  zu  gewinnen. ­
  Der  Anteil,  den  die  Naturvölker  an  diesen
Vorgängen  nehmen,  ist  sehr  untergeordnet,  weil
sie  schwer  patriotische  Neigungen  für  den  einen
oder  den  anderen  europäischen  Staat  empfinden
können.  Dies  ist  auch  die  Ursache,  daß  die  Er-|
  oberer  selbst  wenig  Sinn  für  die  unterjochten
Stämme  haben.  Es  gibt  genug  leitende  Politiker  in
Deutschland,  welche  von  einer  Eingeborenennutzung
im  selben  Sinne  denken,  wie  von  der  Bodennutzung.
Es  ist  das  Empfinden  den  Negern  gegenüber  oft
nicht  viel  von  dem  verschieden,  das  man  früher
den  Sklaven  entgegenbrachte.
Um  die  kommerzielle  Bedeutung  der  Einflußsphären ­
  verfolgen  zu  können,  empfiehlt  es
sich,  häufiger  als  dies  heute  geschieht,  Karten  zu
entwerfen,  welche  die  Einflußsphären  verschiedenen ­
  Grades  zum  Ausdruck  bringen.  Die  überaus
wichtige  Frage  der  Interessenspähren  wird  überhaupt ­

  bis  jetzt  viel  zu  wenig  systematisch  erforscht. ­
  Man  bevorzugt  ungebühriich  die  formell
fixierten  politischen  Verhältnisse  gegenüber  den
faktisch  bestehenden.
Aber  der  Staat,  der  ein  Gebiet  erobert  oder
sich  eine  Interessensphäre  schafft,  kann  seinen
Bürgern  auch  noch  andere  Vorteile  verschaffen.
Er  kann  ihnen  die  Beamten-  und  Offiziersstellen
geben,  wie  dies  z.  B.  seitens  Rußlands  in  den
polnischen  Landesteilen  geschieht.  Oesterreich-Ungarn
  hat  seine  Position  in  Bosnien  zugunsten
seiner  Bürger  ausgenützt;  nur  langsam  konnten
die  einheimischen  Bosniaken  in  Landesämter  einrücken. ­
  England  nützt  in  dieser  Weise  seine  Macht
vor  allem  in  Indien  aus,  das  die  hohe  Schule
vieler  Militärs  und  Beamten  ist.  Es  ist  wohl  nicht
nötig,  auf  derartige  Fälle  weiter  hinzuweisen.
Norman  Angell  und  seine  Anhänger  werden  auf
derartige  Argumente  erwidern,  die  insbesondere
auch  durch  den  Balkankrieg  eine  Stütze  erfahren,
daß  die  Unmöglichkeit,  durch  Kriege  einen  wirklichen ­
  wirtschaftlichen  Erfolg  zu  erzielen,  nur  für
Völker  gelte,  die  vollkommen  kultiviert  sind.  Es
fragt  sich  nur,  für  welche  Völker  dann  die  Angell
Normansche  Annahme  eigentlich  Geltung  hat?
Für  einen  Weltkrieg  schon  nicht,  denn  Rußland
und  Deutschland  würden  sich  wohl  nicht  scheuen,
mit  Expropriationen  vorzugehen;  haben  wir  doch
in  Friedenszeiten  in  Preußisch-Polen  entsprechende
Beispiele  dafür,  daß  der  moderne  Staat  die  Expropriation ­
  unter  sein  politisches  Rüstzeug  aufgenommen ­
  hat.
Daß  kommerzielle  Vorteile  mit  dem  Sieg
verbunden  sind,  kann  man  aus  einer  Reihe  von
Friedensverträgen  mit  aller  Deutlichkeit  entnehmen. ­
  Ich  verweise  nur  auf  den  russisch-japanischen ­
  Frieden.  Rußland  gesteht  auf  Grund  desselben ­
  den  Japanern  ausdrücklich  in  Korea  vorwiegende ­
  militärische  und  wirtschaftliche  Interessen
zu.  Die  russische  Regierung  erklärte  weiter,  daß  sie
keineterritorialenBegünstigungeninderMandschurei
besitze,  noch  sonstige  Konzessionen,  welche  das
Hoheitsrecht  von  China  berühren.  Auch  wurden
den  Japanern  längs  der  russischen  Küste  Fischfangrechte ­
  eingeräumt,  um  die  fast  ein  neuer
Krieg  heraufbeschworen  worden  wäre.  Die  Russen
haben  keinen  so  entwickelten  Fischfang,  wie  die
Japaner,  welche  die  Fische  nicht  nur  als  Nahrungsmittel, ­
  sondern  auch  zur  Düngung  verwenden. ­
  Der  Fischfang  ist  daher  von  hoher  agrarischer ­
  Bedeutung  für  Japan.  Derartige  Beispiele
ließen  sich  leicht  vermehren.
2.  Beute  und  sonstige  Kriegserfolge. ­

Daß  durch  Okkupation  und  Schaffung  von
Interessensphären  der  siegreiche  Staat  seinen
Bürgern  erhebliche  Vorteile  verschaffen  kann,
haben  wir  zur  Genüge  gesehen;  das  ist  auch  im
allgemeinen  bekannt.  Weniger  klar  pflegt  man
sich  darüber  zu  sein,  daß  kriegerische  Erfolge  oder
militärische  Pressionen  auch  unmittelbar  dazu
führen  können,  daß  Gegenstände  dom  Feindo  weg-
            
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