Full text : Wissenschaftlicher Sozialismus, Kommunismus, Anarchismus und Bolschewismus

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schen  Eedankengängen  annähern.  So  sagt  er  z.  B.  in  seinem  „Also  sprach
Zaratustra"  vom  Staat:  „Staat  heißt  das  kälteste  aller  Ungeheuer  .  .  .
Wo  es  noch  Volk  gibt,  da  versteht  es  den  Staat  nicht  und  haßt  ihn,  haßt  ihn
als  bösen  Block  und  Sünde  an  Sitten  und  Rechten."  Und  weiter  berührt  er
sich  mit  Stirner  in  gewisser  Weise  durch  seine  Betonung  des  Millens  des
Einzelnen,  durch  seine  Verherrlichung  des  „llebermenschen".  Aber  wie  Diehl
mit  Recht  hervorhebt,  fremd  ist  ihm  die  Hauptprogrammforderung  des
theoretischen  Anarchismus,  die  restlose  Beseitigung  des  Staates  überhaupt
und  jeglicher  Rechtsordnung  durch  Einführung  von  Egoistenvereinigungen.
Auf  eine  ausführliche  Kritik  der  Lehren  des  Anarchismus  muß  hier
verzichtet  werden.  Rur  das  sei  hervorgehoben:  in  ihrer  blinden  maßlosen
Verherrlichung  des  absolut  souveränen  Willens  des  empirischen  Individuums
würden  sie  letzten  Endes  einen  Krieg  aller  gegen  alle  entfesseln  und'  jede
menschliche  Kultur  unmöglich  machen.  Denn  alle  menschliche  Kultur  kann
nun  einmal  erfahrungsgemäß,  wie  es  der  Ablauf  einer  jahrtausendelangen
Entwickelung  deutlich  gelehrt  hat,  nur  in  größeren  auf  einem  gewissen
Rechtszwang  beruhenden  Verbänden,  sich  entfalten.  Die  Rechtsordnung  ist
die  Klammer  und  der  Mörtel,  der  die  ganze  Gesellschaftsordnung  und  Kultur ­
  zusammenhält,  ohne  Rechtszwang  keine  menschliche  Gesittüng!  Der  Gedanke ­
  des  möglichen  Wegfalls  des  Staates  und  der  Rechtsordnung  überhaupt ­
  ist  eine  grandiose  Utopie,  wir  können,ihn  uns  als  vollziehbar  ebensowenig ­
  vorstellen  wie  den  Wegfall  der  Schrift  und  Sprache,  denn  alle  diese
Kultursundamente  sind  nichts  künstlich  Gemachtes,  sondern  etwas  organisch
Gewordenes.
            
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