Full text : Die Fabriksparkasse

18

nahmen  sind  aber,  wie  insbesondere  die  letztjährigen  Erhebungen ­
  der  Gewerbeaufsichtsbeamten  gezeigt  haben,  auf
dem  Papiere  geblieben.  Eltern  und  Arbeitgeber  müssen
ratlos  Zusehen,  wie  das  Geld  in  unsinniger  Weise  vergeudet ­
  wird  und  eine  große  Schar  von  Jugendlichen
körperlich  und  sittlich  zugrunde  geht.  Jeder  Versuch
mit  irgendwelchen  Machtmitteln  muß  scheitern,  solange
der  Jugendliche  in  der  Lage  ist,  einen  anderen  Betrieb
oder  einen  anderen  Ort  aufzusuchen,  an  dem  man  ihm
keine  Vorschriften  macht  und  keine  Schranken  auferlegt.
Um  diesem  Übelstand  einigermaßen  zu  begegnen,  hat
eine  Reihe  von  Betrieben  besondere  Jugendsparkassen
eingerichtet.  In  der  Regel  handelt  es  sich  um  Zwangssparkassen, ­
  die  bestimmte  Pflichtbeiträge  erheben  und  die
Einlagen  etwa  bis  zum  21.  oder  24.  Lebensjahre  sperren.
Mustergültig  ist  die  Jugendsparkasse  der  Württembergischen
  Metallwarenfabrik  in  Geislingen  St.
Als  in  den  90  er  Jahren  der  damalige  Düsseldorfer  Regierungspräsident ­
  von  Rheinbaben  die  von  der  Bergischen
  Stahlindustrie  auf  ähnlicher  Grundlage  geschaffene
Einrichtung  den  Arbeitgebern  zur  Nachahmung  empfahl,
wandte  sich  Eranz  Brandts  in  einem  Vortrag  im  Linksrheinischen ­
  Verein  für  Gemeinwohl  gegen  die  Einführung
des  Sparzwanges  für  jugendliche  Arbeiter.  Er  führte
hauptsächlich  drei  Gründe  an:  der  Sparzwang  könne  von
einem  großen  Teile  der  Arbeiter  als  Eingriff  in  die  natürlichen ­
  Rechte  der  Eltern  wie  der  direkt  Beteiligten  angesehen ­
  werden;  ferner  gehe  die  erzieherische  Seite  des
Sparens  fast  ganz  verloren,  wenn  man  sich  nicht  an  die
Einsicht  und  den  guten  Willen  wende,  sondern  mit  Zwang
vorgehe;  endlich  müßten  ohnehin  eine  Reihe  von  •  Eällen
wegen  Bedürftigkeit  der  Eltern  oder  aus  anderen  Gründen
wegfallen.  Das  erste  Argument  würde  gegen  alle  Wohlfahrtseinrichtungen ­
  mit  Zwangscharakter  geltend  gemacht
werden  können,  und  außerdem  ist  es  fraglich,  ob  nicht
die  Eltern  in  großer  Zahl  den  Zwang  zum  Sparen  bei
ihren  Kindern,  auf  die  sie  selbst  oft  in  diesen  Dingen  nur
wenig  Einfluß  mehr  haben,  geradezu  begrüßen.  Die  erziehliche ­
  Seite  kann  durch  einen  Ausbau  des  Systems  nach
dem  Muster  der  Württembergischen  Metallwarenfabrik
voll  zur  Geltung  gebracht  werden.  Was  endlich  die  Besonderheiten ­
  einzelner  Eälle  angeht,  so  müssen  diese  selbstverständlich ­
  berücksichtigt  werden.  Jedenfalls  sind  zahl ­
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.