Spurweiten. g 1
Ein eigens zur Prüfung dieser Frage 1845 eingesetzter Parlamentsausschuß erkannte
zwar die Richtigkeit des Bruneischen Hauptgedankens: daß die Breitspur eine größere
Fahrgeschwindigkeit ermögliche als die enge Spur, an, gab aber aus technischen und
wirtschaftlichen Gründen der letzteren den Vorzug, „da sie den Ban von Eisenbahnen er
leichtere und weniger Kosten verursache". Das Parlament nahm daraufhin ein Gesetz an,
daß alle zukünftigen Bahnen Englands und Schottlands mit der engen Spur herzustellen
seien. In Irland, wo eine ganze Anzahl verschiedener Spurweiten zur Ausführung ge
kommen waren, wurde ein einheitliches Maß von 5' 3" — 1600 mm vorgeschrieben. Mit
Ausnahme der Great.Western-Bahn wurden die anderen breiten Spurweiten in England
auf das hinfort als normale Spur geltende Maß von 1435 mm umgebaut, und die
Brunelsche Spur blieb auf die erstere Bahnlinie beschränkt. Die Verwaltung derselben
57. Pie Festiiii-gtuchn in Mutes. Spurweite 59 um.
sah sich später gezwungen, ihr Netz auch den normalspurigen Fahrzeugen anzupassen. Es
wurde zu dem Zwecke in die Breitspur eine dritte Schiene eingelegt (Abb. 117 im Abschnitt
„Oberbau"), so daß auf diesem dreischienigen Oberbaue breit- und schmalspurige Fahr
zeuge laufen konnten.*) Im Jahre 1892 wurde die Breitspur endgültig beseitigt, so daß
seitdem die Bahnen Englands und Schottlands einheitliches Spurmaß besitze». Durch
Lieferung englischer Lokomotiven (zumeist aus der Stephensonschen Fabrik) an die ersten
belgischen und deutschen Bahnen kam jenes Maß von 1435 mm auch auf dein Festlande
zur Geltung — leider, wie wir heute bekennen müssen, denn, wie im Abschnitt „Lokomotiven"
näher dargelegt, ist es heute infolge der durch diese enge Spur begrenzten Konstruktions
breite äußerst schwierig, die Leistungsfähigkeit der Lokomotive den fortwährend wachsenden
Verkehrsanforderungen anzupassen. Unsere stärksten Lokomotiven zeigen zur Zeit bereits
Kesselabmessungen, die in zweckmäßiger Weise kaum noch gesteigert werden können.
*) Nach Mitteilung der Bahnverwaltung an den Verfasser im Jahre 1891 zeigten die auf
der doppelspurigen Strecke verkehrenden Züge auch in der Neuzeit noch zu gnnsten der Breit
spur einen kleinen Unterschied in der Fahrgeschwindigkeit.
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