Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Die  Eisenbahnen:  Einteilung.

erfordern  (neben  einheitlicher  Spurweite)  kräftigeren  Unterbau,  festere  Gleise  und  leistungsfähigere ­
  Betriebsmittel  als  Strecken,  die  täglich  nur  von  wenigen  leichten  Zügen  langsam
befahren  werden  oder  die  lediglich  einem  schwachen  Güterverkehr  dienen.  Derartige
Bahnen  untergeordneter  Bedeutung  erhalten  vielfach  auch  der  Kostenersparnis  wegen  eine
kleinere  Spurweite  als  die  ersteren,  die  Vollbahnen.  Auch  ihr  Oberbau  wird  leichter
gehalten  und  ruht  häufig,  statt  auf  einem  besonderen  Bahnkörper,  auf  dem  Fahrdamm
der  Landstraßen.
Wir  unterscheiden  daher  nach  diesen  Gesichtspunkten:  Hauptbahnen  sPrimärbahnen),
Nebenbahnen  (Sekundärbahnen),  Kleinbahnen  (Tertiärbahnen)  und  nach  dem  Verkehrszwecke: ­
  Personen-  und  Güterbahnen,  Personenbahnen  (Touristenbahnen),  Güterbahnen
(Schlepp-,  Industrie-,  Feld-,  Waldbahnen  u.  s.  w.).  Auch  die  reinen  Militärbahnen  (Festungsbahnen ­
  u.  s.  w.)  gehören  hierher.
Nach  der  Größe  der  Spurweite  zerfallen  die  Bahnen  in  solche  mit  Breit-,  Normaloder ­
  Schmalspur,  nach  der  Art  der  Triebkraft*)  in:  a)  Dampf-,  Luft-,  Gas-,  Druckwasserund
  elektrische  Bahnen,  b)  Bakmen  durch  die  Muskelkraft  des  Menschen  oder  der  Tiere
(Ochsen,  Pferde,  Maultiere)  bewegt,  o)  durch  die  Schwerkraft  betrieben;  nach  der  Kraftausnutzung ­
  in  Reibungs-  (Adhäsions-),  Zahn-  und  Seilbahnen,  und  nach  der  Zahl  der
Fahrschienen  in  ein-,  zwei-  und  mehrschienige  Bahnen  (Langesche  Schwebebahn,  Bahn
von  Lartigue,  Meigs,  Enos,  Behr  u.  s.  w.);  endlich  nach  dem  Besitzer  in  Staats-  und
Privatbahnen.
Als  G.  Stephenson  seine  erste  Lokomotive  für  englische  Kohlenbahnen  baute,  hatte
er  sie  der  Spurweite  der  bestehenden  Gleise  anzupassen.  Diese  betrug  4'  8'/g"  engl.
=  1435  mm,  ein  Maß,  das  er  auch  der  von  ihm  erbauten  Stockton-Darlingtoner
Bahn  —-  der  ersten  dem  öffentlichen  Verkehre  dienenden  Lokoinotiveisenbahu  —  gab.  Es
wurde  auch  für  alle  von  ihm  später  erbauten  englischen  Bahnen  beibehalten  und  ist  somit
rein  zufällig**)  entstanden.  Jsambart  Brunel,  der  berühmte  Erbauer  des  ersten  Themsetunnels, ­
  durch  den  sich  jetzt  ein  lebhafter  Zugverkehr  unter  der  Themse  abspielt,  schlug
1833  eine  Spurweite  von  7'  engt.  =  2135  mm  vor,  für  die  er  verschiedene  Vorteile
ins  Feld  führte.  Sie  wurde  für  die  von  ihm  erbaute  Great  Western-Bahn  angenommen
und  zur  Unterscheidung  von  der  Stephensonschen  Spur  Broadgauge  (Breitspur)  genannt.
Auch  auf  einigen  anderen  Linien  wurde  sie  angewendet.  Verschiedene  Spurweiten  auf
den  Hauptbahnen  eines  Landes  führen  aber  zu  argen  Unzuträglichkeiten.  Die  Fahrzeuge
können  nicht  von  einer  Linie  auf  die  andere  übergehen,  ein  Durchgangsverkehr  ist  also
unmöglich.  Dies  ist  nicht  nur  für  Handel  und  Verkehr  lästig  und  kostspieliger  wegen  des
mehrfachen  Umladens  der  Güter,  sondern  auch  in  militärischer  Hinsicht  (Landesverteidigung)
nachteilig.  In  der  mehrjährigen  lebhaften  Preßfehde  über  die  Zweckmäßigkeit  der  Brunelund ­
  der  Stephenson-Spurweite,  the  fight  of  gauges  genannt,  blieb  die  letztere  Siegerin.

*)  An  dieser  Stelle  sei  die  in  der  Entscheidung  des  deutschen  Reichsgerichts  vom  17.  März  1879
enthaltene  Erklärung  über  den  Begriff  „Eisenbahn"  wiedergegeben:  „Eine  Eisenbahn  ist  ein  Unternehmen, ­
  gerichtet  auf  wiederholte  Fortbewegung  von  Personen  oder  Sachen  über  nicht  ganz
unbedeutende  Raumstrecken  auf  metallener  Grundlage,  welche  durch  ihre  Konsistenz,  Konstruktion
und  Glätte  den  Transport  großer  Gewichtsmassen,  bezw.  die  Erzielung  einer  verhältnismäßig
bedeutenden  Schnelligkeit  der  Transportbewegung  zu  ermöglichen  bestimmt  ist  und  durch  diese
Eigenart,  in  Verbindung  mit  den  außerdem  zur  Erzeugung  der  Transportbewegung  benutzten
NatUrkräften  (Dampf,  Elektrizität,  tierischer  oder  menschlicher  Muskelthätigkeit,  bei  geneigter  Ebene
der  Bahn  auch  schon  der  eigenen  Schwere  der  Transportgesäße  und  deren  Ladung  u.  s.  w.),  bei
dem  Betriebe  des  Unternehmens  auf  derselben  eine  verhältnismäßig  gewaltige,  je  nach  den  Umständen ­
  nur  in  bezweckter  Weise  nützliche  oder  auch  Menschenleben  vernichtende  und  die  menschliche ­
  Gesundheit  verletzende  Wirkung  zu  erzeugen  fähig  ist."  Der  Ingenieur  sagt  dagegen  etwas
einfacher:  „Eine  Eisenbahn  ist  eine  Spur-  oder  Gleisbahn,  auf  der  Fahrzeuge  zum  Zweck  der
Personen-  oder  Güterbeförderung  durch  eine  Triebkraft  bewegt  werden."
**)  Die  in  der  neueren  Litteratur  zu  findende  Angabe,  die  Kohlenbahnen  hätten  eine  Spur
von  4'  6 11  besessen,  und  Stephenson  hätte  das  um  2 x / 2 "  größere  Maß  gewählt,  „weil  er  sich  in
dem  Raume  zur  Unterbringung  der  Dampscyliuder  beengt  sah",  ist  schon  deshalb  haltlos,  weit  bis
zum  Jahre  1828,  also  fast  noch  drei  Jahre  nach  der  Eröffnung  der  eben  genannten  Bahn,  alle
bis  dahin  von  Stephenson  gebauten  Lokomotiven  ihre  zwei  Dampfcylinder  oben  auf  dem  Kessel
und  zwar  hintereinander  trugen.
            
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