Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Die  Eisenbahnen:  Linienführung.

Name  des  Tunnels

Bauzeit

Länge  in
Metern
rund

Gesanukosten  in  Mark
für
den  ganzen  j  „  ^
Tunnel

Art  der  Tunnelbohrung

Mont  Cenis.  .  .

1861-1871

12  200

60  000  000

4  900

Preßluft

St.  Gotthard  .  .

1872—1881

15  000

48  000  000

3  200

Preßluft

Arlberg  ....

9>!o  Jahre
1880-1884

10  250

32  440  000

3165

Auf  einer  Seite  Preßluft,
auf  der  anderen  Preßwasser.

Simplon  ....

1898-1904?
öpe  Jahre

19  800

55  600  000

2  800*)

Preßwasser

Der  Mont  Cenistunnel  ist  der  erste  durch  Mnschinenkraft  erbohrte  Tunnel.  Bis
dahin  kannte  man  nur  die  viel  weniger  leistungsfähige  und  weit  kostspieligere  Handbohrung.
Der  Herbst  1898  in  Angriff  genommene  Simplontunnel  im  Zuge  der  Eisenbahn  von
Brig  (Wallis)  nach  Domo  Dossola  (Italien)  soll  vertragsmäßig  in  5ftz  Jahren  fertiggestellt ­
  werden,  was  eine  ganz  ungewöhnlich  kurze  Banzeit  ist.  Für  jeden  Tag  früherer
Vollendung  erhält  der  Unternehmer  4000  Mark  Prämie,  welche  Summe  er  anderseits
der  Jura-Simplon-Eisenbahngesellschaft  für  jeden  Tag  späterer  Fertigstellung  zu  zahlen
hat.  Vertraglich  ist  ferner  als  Bausumme  einschließlich  aller  Nebenkosten  der  Betrag  von
rund  2800  Mark  für  das  laufende  Meter  Tunnellänge  festgesetzt.  Das  ist  noch  weniger
als  beim  Arlberg-Tunnel  und  obgleich  am  Simplon  die  Transportlängen  fast  doppelt  so
groß  sind.  Man  arbeitet  demnach  heute  dreimal  so  schnell  und  gleichzeitig  43  °/ 0  billiger
als  wie  vor  30  Jahren  am  Mont  Cenis!  Dabei  muß  am  Simplon  über  1  Million
Kubikmeter  Gestein  losgebrochen  und  auf  durchschnittlich  5  km  Länge  fortgeschafft  werden.
Diese  Riesenarbeit  wird  unter  Zuhilfenahme  von  Preßwasser  für  den  Betrieb  der  zuerst
beim  Pfaffensprungtunnel  der  Gotthardbahn  benutzten  Brandtschen  Gesteinsbohrmaschinen,
von  Dynamit  für  das  Sprengen,  sowie  von  Preßluft  für  den  Transport  der  Gesteinsmengen ­
  bewältigt  werden,  während  Preßluft  auch  in  das  Tunnelinnere  geleitet  wird,  um  zu
lüften.  Man  rechnet  in  der  Nähe  der  Tunnelmitte  auf  eine  Wärme  von  mindestens  40°  6.
Hierbei  würde  sich  elektrische  Glühlichtbelenchtung,  wie  sie  zur  Zeit  auch  im  Eigertunnel
eingerichtet  ist,  besonders  vorteilhaft  erweisen.  Sie  verdirbt  nicht  die  Luft  durch  Brenngase
und  Erhitzung  und  bietet  eine  wesentlich  größere  Helligkeit.  Ihrer  Anwendung  statt  der
zur  Zeit  noch  benutzten  Öllämpchen  soll  die  leichte  Beschädigung  der  Zuleitungskabel
entgegenstehen.  Es  ist  ein  großer  Gegensatz  in  den  äußeren  Verhältnissen  der  Arbeitsstelle ­
  vor  Ort,  wie  sie  früher  noch  im  Gotthardtunnel  durch  die  knatternden  Ferrouxbohrmaschinen
  und  die  trübseligen  Öllampen  der  Mineure  geschaffen  waren  und  wie  sie
jetzt  im  Eiger  und  Simplon  vorliegen.  Hier  herrscht  während  der  Bohrarbeit  Ruhe
(Simplon)  und  Helligkeit  (Eiger),  und  es  war,  verglichen  mit  dem  Gotthard,  ein  wahres
Vergnügen,  sich  im  Eigertunnel  „vor  Ort"  inmitten  der  Bohrmaschinen  aufzuhalten
und  zuzuschauen,  wie  die  Stahlbohrer  in  das  seit  Erschaffung  der  Welt  unberührte  Felsgestein
  eingetrieben  werden,  um  Raum  zu  schaffen  für  die  Sprengmittel,  diese  gewaltigen
Energieträger,  die  der  menschliche  Geist  geschaffen  hat  und  deren  plötzliche  Arbeitsentwickelung ­
  das  härteste  Gestein  zu  Falle  bringt.  Bei  den  wirkungsvollen  Hilfsmitteln,
die  der  Ingenieur  am  Eiger  und  am  Simplon  in  seine  Dienste  gestellt  hat,  steht  zu  hoffen,
daß  beide  Unternehmungen  erfolgreich  durchgeführt  werden  —  wenn  nur  für  die  erstere
auch  das  Geld  stets  zur  Stelle  ist.
Wie  stolz  war  doch  vor  130  Jahren  der  Erzbischof  von  Salzburg  auf  die  Fertigstellung ­
  des  bekannten  Tunnels  („Neuthor")  jener  Stadt,  den  er  in  den  Jahren  1765
bis  1767  durch  die  Nagelflue  des  Mönchbergs  brechen  ließ.  Er  glaubte  in  diesem  kurzen

*)  Die  Bausumme  ist  für  zwei  eingleisige  Tunnel  veranschlagt.  Zunächst  wird  ein  solcher
Tunnel  hergestellt  und  gleichzeitig  in  17  m  Abstand  davon  ein  durch  Querschläge  mit  ihm  verbundener
Stollen  vorgetrieben,  durch  den  u.  a.  den  Arbeitsstrecken  die  nötige  Frischluft  zugeführt  wird.
Hierfür  sind  insgesamt  43,8  Millionen  Mark  vorgesehen,  während  der  spätere  Ausbruch  des  Stollens
auf  den  vollen  Tunnelquerschnitt  für  12  Millionen  Mark  durch  die  Unternehmung  bewirkt  werden
muß.  Als  Vollenduugstag  des  ersten  Tunnels  ist  der  13.  Mai  1904  festgesetzt.
            
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