Anhang.
Upton Sinclairs „The Jungle“.
Im Frühjahr 1906 veröffentlichte ein bisher unbekannter ameri
kanischer Schriftsteller namens Upton Sinclair in Chicago unter dem
litel; „Ihe Jungle“ einen Roman über die Zustände in amerikanischen
Großschlächtereien, der weit über die Grenzen der Vereinigten Staaten
hinaus Aufsehen erregte, da er schwere Anklagen gegen die Regierung
erhob. Da die Angelegenheit auch in Deutschland Entrüstung er-
regte, ist es nötig, ausführlich darauf einzugehen. Den Kernpunkt
der Enthüllungen bildete der Vorwurf, daß die von Bundes wegen
in den Schlachthäusern ausgeübte Fleischbeschau außerordentlich
nachlässig gehandhabt würde und so zu den größten Bedenken in
gesundheitlicher Hinsicht Anlaß geben müsse. Der Verfasser schil
derte in seinem Buche ekelerregende Zustände und Verhältnisse in
einzelnen Schlachthäusern der Stadt Packingtown, d. h. Chicago. 1°
Zolascher Weise kritisiert Sinclair die unersättliche Gewinnsucht des
Fleischtrusts und zeigt die großen Gefahren, die in der Ansammlung
des Kapitals in den Händen einiger wenigen und in dem Mißbrauch
liegen, den diese Großkapitalisten mit der ihnen durch das Geld ver
liehenen Macht ausüben.
Wenn auch der Sinclairsche Roman als solcher wenig Be-
deutung verdient, so gab er doch die Veranlassung, daß man den
Chicagoer Packhäusern eine größere Aufmerksamkeit zuwendete.
Man hielt anfangs die Schilderungen für übertrieben; auch der Präsi
dent Roosevelt befand sich unter denjenigen, die ihre Mißbillig 1 ’ 11 #
aussprachen. Aber Sinclair unterbreitete dem Präsidenten so schlagende
Beweise für die Richtigkeit seiner Darlegungen, daß dieser sofort
zwei Vertraute nach Chicago abordnete, um die Zustände der dortige”
Schlachthäuser genau zu untersuchen. Deren Berichte, sowie die
jenigen Abgesandter des englischen Kriegsministeriums ließen er
kennen, daß die abstoßenden Schilderungen Sinclairs zum Teil auf
Tatsachen beruhten. Es wurden in einzelnen Betrieben geradezu