Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

26  Einleitung:  Entwickelung  des  Verkehrswesens.
und  zwang  mit  ihrem  Beirate  den  Wanderer,  Genugthuung  zu  leisten.  Gab  sich  derselbe
nicht  zufrieden,  so  sollte  er  als  Räuber  bestraft  werden.  Vereinzelt  gab  es  Herbergen.
Eine  der  ältesten  Anstalten  dieser  Art  war  das  Hospiz  von  Lyon,  welches  von  dem
König  Childerich  errichtet  worden  ist.
Seit  dem  14.  Jahrhundert  gab  es  bereits  in  Deutschland  in  manchen  Städten,  so
z.  B.  in  Mainz,  ein  eigentliches  Hotelwesen.
Die  deutschen  Hauptverkehrsstraßen  in  diesem  Zeitraume  waren  die  folgenden:
Von  Norden  nach  Süden  erstreckten  sich  vier  bis  fünf  Hauptrouten;  zwei  derselben  gingen
den  Rheinufern  entlang.  Die  östliche  Route  wandte  sich  über  Höchst  der  Bergstraße  zu,
deren  Namen  bereits  im  Jahre  1002  vorkommt;  sie  ging  weiter  über  Cannstatt  nach
Ulm.  Die  westliche  Straße  ging  über  Worms,  Speier,  Straßbnrg,  Breisach  nach  Basel.
Vom  Wesergebiete  ging  die  Hauptstraße  von  Minden  aus.  Die  Route  ging  in  südöstlicher ­
  Richtung  über  Fritzlar  nach  Würzburg.  Von  Würzburg  ging  die  Straße  weiter
über  Rothenburg  ob  der  Tauber  und  Nördlingen  und  vereinigte  sich  bei  Donauwörth
mit  der  Nürnberger  Heerstraße.  Den  nördlichen  Endpunkt  der  Nürnberger  Linie  bildete
zur  Zeit  Karls  des  Großen  Bardowiek;  Braunschweig,  Goslar  waren  bedeutende  Etappen
dieser  Route.  Von  Erfurt  führte  die  Straße  nach  Suhl  und  über  Mellrichstadt  nach
dem  Main  und  über  Bamberg  nach  Nürnberg.  Die  Donau  erreichte  diese  Straße  bei
Regensburg.  Links  der  Elbe  war  Leipzig  ein  wichtiger  Knotenpunkt,  der  von  Schwerin
und  Magdeburg  über  Dessau  erreicht  wurde,  während  die  Straße  von  Stettin  über
Berlin  ging.  Die  Fortsetzung  dieser  Route  spaltete  sich  bei  Hof,  südwestlich  ging  es  nach
Nürnberg,  südöstlich  nach  Regensburg.  Später  erhielt  die  Route  Stettin,  Frankfurt  a.  O.,
Kottbus,  Bautzen  größere  Bedeutung.  Von  Bautzen  ging  es  nach  Prag  und  über  Zittau
und  Reichenberg  nach  dem  Inneren  von  Böhmen.  Sehr  alte  Linien  waren  auch  Salzburg, ­
  Ulm,  Cannstatt,  Pforzheim,  Straßbnrg,  Nancy.  Für  Schlesien  war  besonders  die
große  Mainz-Leipziger  Straße  von  Bedeutung.  Die  Route  Köln-Elbe  ging  über  Altena,
Iserlohn,  Soest,  Lippstadt,  Paderborn,  Höxter,  Einbeck,  Gandersheim,  Wolfenbüttel.
Was  die  Zeitdauer  des  Transports  anbetraf,  so  betrug  diese  beispielsweise  von
Utrecht  nach  Köln  etwa  fünf  Tage,  von  Köln  nach  Braunschweig  acht  Tage.  Ebenso
lange  dauerte  mindestens  der  Transport  von  Köln  nach  Heilbronn,  derjenige  von  Heilbronn ­
  nach  Augsburg  erforderte  etwa  fünf  Tage.  Für  die  Route  Augsburg-Straßburg
sind  acht  Tage  anzusetzen.  Vom  Inn  bis  Wien  betrug  die  Transportdauer  sechs  Tage.
Von  Magdeburg  ausgehende  Waren  langten  in  Hamburg  oder  Lübeck  in  sechs  Tagen  an.
Der  Osten  Europas  wurde  teils  durch  den  von  Byzanz  aus  geübten  Einfluß  in  die
Kulturwelt  einbezogen,  teils  waren  es,  und  zwar  vom  12.  Jahrhundert  an,  Germanen,
insbesondere  der  Schwert-  und  Deutschherrenorden  und  die  Hansa,  welche  von  den
Ostseeufern  aus  die  abendländische  Bildung  den  slawischen  Stämmen  zuführten.  Riga
und  Nowgorod  erhoben  sich  als  Verkehrszentren  zu  großer  Bedeutung,  wozu  hinsichtlich
Rigas  die  Schaffung  von  Straßen  und  die  Einrichtung  einer  Staatspost  durch  den
Deutschherrenorden  manches  beitrug.  Die  bereits  seit  dem  9.  Jahrhundert  bekannte
Stadt  Nowgorod  war  insbesondere  für  den  hanseatischen  Handel  von  Wichtigkeit.  Die
Waren  gingen  von  hier  nicht  nur  auf  dem  Landwege  ab,  sondern  auch  per  Schiff  und
zwar  nach  dem  Ladogasee  und  durch  die  Newa  nach  der  Seeküste;  den  gleichen  Weg
schlugen  die  importierten  Waren  ein.  Bon  Nowgorod  erstreckte  sich  die  Straße  bis  nach
Wjätka  und  nach  der  Hauptstadt  des  silber-  und  pelzreichen  Fürstentums  Perm,  einem
Stapelorte  des  Pelzhandels  des  Kamagebietes.  Im  Wolgabecken  stritten  Twer  an  der
Wolga  und  Wlademir  um  den  Vorrang  miteinander.  Um  die  Mitte  des  l2.  Jahrbunderts
  wurde  Moskau  von  Kiew  aus  gegründet  und  erlangte  infolge  seiner  günstigen
Lage  eine  immer  größere  Bedeutung.  An  der  unteren  Hälfte  der  Wolga  entstanden  die
beiden  hervorragenden  Plätze  Bolgar,  die  bulgarische  Reichshauptstadt,  und  Sarai,  die
mongolische  Residenz  der  Tatarenchane.  Als  östlichster  Sammelpunkt  für  den  Warenaustausch ­
  zwischen  dem  unteren  Wolga-  und  Dongebiet  und  dem  byzantinischen  Reich,
sowie  als  Seehandelsplatz  der  Republiken  Genua  und  Venedig  bildete  sich  Tana  am
Asowschen  Meer,  das  heutige  Asow  aus.  Auf  der  Krim  wurde  Kertsch  und  besonders
            
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