Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

418  Flußläufe  und  Flußschiffahrt.

Tendenz  läßt  sich  sowohl  für  die  Fluß-  als  für  die  Seeschiffe  verfolgen,  und  hieraus
sind  jene  mächtigen  Unternehmungen  hervorgegangen,  deren  Endzweck  eine  Regulierung
und  namentlich  eine  Vertiefung  der  befahrenen  Flußstrecken  ist.  Diese  Arbeiten  sollen
mit  Rücksicht  auf  ihre  große  technische  und  volkswirtschaftliche  Bedeutung  in  einem
besonderen  Abschnitte,  Stromkorrektionen,  besprochen  werden.
Über  die  Entwickelung  des  Verkehrs  auf  den  deutschen  Wasserstraßen  geben  die
Vierteljahrshefte  zur  Statistik  des  Deutschen  Reiches  ein  übersichtliches  Bild.  Der  Verkehr ­
  betrug  in  den  angegebenen  Jahren  im  Durchschnitt  in  Tonnen  ausgedrückt:
1873/75  1876/80  1881/85  1886/90  1893  1895
auf  dem  Rheine.  .  .  .  2  372  000  3  128  000  4  320  000  5  242  000  6  767  000  7  928  000
„  der  Elbe  bei  Hamburg  694  000  1  172  000  2  274  000  2  771  000  3  039  000  3  566  000
„  der  Spree  bei  Berlin  2  750  000  2  948  000  2  959  000  4  150  000  4  473  000  4  641  000
„  der  Oder  bei  Breslau  —  —  478  000  1  293  000  —  1409  000
Der  gesamte  Wasserstraßenverkehr  Deutschlands  betrug
1873:  9  541000  t,  1895:  34  277  000  t,
woraus  sich  eine  Steigerung  um  etwa  350  Prozent  ergibt.
Um  an  dieser  Stelle  einen  Vergleich  zwischen  den  Wasserstraßen  und  Eisenbahnen
zu  ermöglichen  und  die  Rolle  beider  für  den  Gütertransport  erkennen  zu  können,  folgen
nachstehend  die  für  die  Eisenbahnen  gültigen  Zahlen.
1873:  120000000  t,  1895:  248000  000  t.
Der  Transport  auf  den  Eisenbahnen  war  somit
1873:  dreizehnmal,  und  1895:  nur  siebenmal
so  groß  als  die  Güterbewegung  auf  den  Wasserstraßen.  Hierbei  ist  zu  bemerken,  daß
sich  das  Eisenbahnnetz  in  dem  angegebenen  Zeitraume  von  22  Jahren  etwa  verdoppelt
hat,  während  die  Verlängerung  der  Wasserstraßen  dagegen  unbedeutend  war.  Mithin
war  die  Anziehungskraft  der  Wasserstraßen  im  Verhältnis  eine  bedeutend  größere  als
die  der  Eisenbahnen.
Die  außerordentliche  Berkehrsentwickelung  der  Wasserstraßen  dokumentiert  sich  auch
in  den  folgenden  Zahlen.  Nach  Symphers  Schrift:  „Der  Verkehr  auf  den  deutschen
Wasserstraßen",  resp.  nach  Kurs  wurden
1875  pro  Kilometer  Kanal  befördert:  290  000  Tonnenkilometer,
1885:  480  000,  1891:  556  000  Tonnenkilometer.
Die  betreffenden  für  die  Eisenbahn  geltenden  Zahlen  sind:
1875:  410000,  1885:  430000,  1891:  534000  Tonnenkilometer.
Auch  hinsichtlich  der  durchschnittlichen  Beförderungslänge  überflügeln  die  Wasserstraßen ­
  immer  mehr  die  Eisenbahnen.  Dieselbe  betrug:
auf  den  Eisenbahnen,  auf  den  Wasserstraßen
1875  125  lern  280  km
1885  166  „  350  „
Als  Ursachen  dieses  außerordentlichen  Aufschwunges  der  Wasserstraßen  sind  anzugeben: ­
  Die  gegen  früher  bedeutend  größere  Billigkeit,  Schnelligkeit,  Sicherheit  und
Regelmäßigkeit  des  Wassertransports,  die  ihrerseits  wieder  in  der  Vertiefung  und  Verbesserung ­
  des  Fahrwassers,  in  der  Herstellung  von  Hafenanlagen  mit  guter  Ausrüstung
für  den  Umladeverkehr  ihren  Grund  haben.  Die  Vertiefung  des  Fahrwassers  einer
größeren  Anzahl  Wasserläufe  hat  die  Verwendung  tiefer  gehender  Schiffe  als  früher
ermöglicht  und  eine  bedeutende  Herabsetzung  der  Frachtsätze  gestattet.  Die  folgenden
Daten  sind  besonders  geeignet,  die  Bedeutung  des  Berliner  Wasserverkehrs  in  das  rechte
Licht  treten  zu  lassen.  Der  Durchgangsverkehr  ist
von  689  285  t  auf  754  376  t
gestiegen.  Das  Gesamtgewicht  betrug  in  Tonnen:
1887  1891  1895  1896  1897  1898  1899
a)  durchgehende  Schiffe  344707  427587  480687  689285  754376  857908  811049
b)  angekommene  Schiffe  4228170  4777073  4640787  4795772  4782831  5060427  5031320
c)  abgegangene  Schiffe  335595  396668  482310  483552  443196  571971  626082
            
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