Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Einleitung:  Entwickelung  des  Verkehrswesens.

eigener  Anschauung  fremde  Verhältnisse  und  Einrichtungen  kennen  zu  lernen  und  Persönliche ­
  Beziehungen  anzuknüpfen.  Ohne  Eisenbahnen  würde  die  Verbreitung  der  Zeitungen
in  dem  heutigen  Maße  nicht  ausführbar  gewesen  und  deren  in  geistiger  Beziehung  nicht
gering  anzuschlagender  Einfluß  nicht  zur  Wirksamkeit  gekommen  sein.  Die  modernen
Verkehrsmittel  haben  jedoch  nicht  nur  in  geistiger,  sondern  auch  in  sozialer  und  politischer
Beziehung  eine  ganz  eminente  Umwälzung  in  den  Verhältnissen  herbeigeführt.  Die
wirtschaftliche  Lage  der  unteren  Volksklassen  hat  unleugbar  sowohl  durch  die  vermehrte
Arbeitsgelegenheit  wie  nicht  minder  durch  die  möglich  gewordene  reichlichere  und  billigere
Bedarfsversorguug  eine  große  Besserung  erfahren.  Hungersnöte,  diese  so  häufigen  traurigen ­
  Erscheinungen  früherer  Zeiten,  gehören  heute  in  vielen  Ländern  zu  den  überwundenen
Dingen.  Das  entwickelte  Verkehrswesen  hat  die  entferntesten  Länder  zu  Versorgungsstätten
  der  an  Nahrungsmitteln  ärmeren  Gebiete  umgeschaffen.  Wie  die  Eisenbahnen
gleichsam  eine  Allgegenwart  der  staatlichen  Zentralgewalt  im  Gefolge  gehabt,  so  haben
sie  auch  eine  Beteiligung  der  Völker  an  der  Bearbeitung  der  Staatsangelegenheiten
ermöglicht.  Der  Einfluß  der  Eisenbahnen  macht  sich  jedoch  nicht  nur  auf  allen  Gebieten
des  Völkerlebens  in  friedlichen  Zeiten  geltend,  sondern  dieses  gewaltige  Verkehrsmittel
übt  auch  auf  den  furchtbarsten  Zustand,  in  welchem  sich  die  Völker  befinden  können,  auf
den  Krieg  und  dessen  Führung,  seine  Macht  aus.  In  Verbindung  mit  der  Vervollkommnung ­
  der  Kriegswaffen  trägt  die  Eisenbahn  zur  Abkürzung  der  Kriege  ganz  wesentlich
bei,  da  die  durch  sie  möglich  gewordene  rasche  Zusammenziehung  ganz  ungeheuer  großer
Menschenmengen  mit  Notwendigkeit  eine  schnelle  Entscheidung  bedingt.
Die  Einwirkungen  des  Eisenbahnbaues  lassen  jedoch  auch  noch  nach  anderer  Richtung
hin  die  Eisenbahn  als  einen  außerordentlich  mächtigen  Kulturfaltor  erscheinen.  Man
kann  annehmen,  daß  der  bisherige  Eisenbahnbau  mindestens  1  Million  Arbeiter  beschäftigt
hat.  Die  Eisenbahnbauten  haben  überall  zu  dem  Wohlstände  der  betreffenden  Gegenden
beigetragen.  Ihr  Einfluß  auf  die  Bodenrente  läßt  sich  nach  3  Richtungen  hin  verfolgen.
Die  für  den  Bahnkörper  nötigen  Grundankäufe  bewirken  im  allgemeinen  eine  Wertsteigerung, ­
  der  sogenannte  tote  Boden  gewinnt  nicht  selten  durch  die  Ausnutzung  als
Sand-  und  Lehmlager  Wert,  und  die  Forstrente  erfährt  in  der  Regel  durch  den  Bezug
von  Gerüst-,  Bau-  und  Geräteholz,  sowie  der  Bahnschwellen  einen  Preisaufschwung.
Einen  ganz  besonders  starken  Einfluß  üben  die  Eisenbahnen  auf  den  Geldmarkt  aus,
und  diesem  Einfluß  kommt  eine  große  volkswirtschaftliche  Bedeutung  zu.  Recht  bezeichnend
für  die  Bedeutung  der  Eisenbahnen  ist  der  Ausspruch:  „Die  Menschheit  hat  durch
Stephenson  erst  gehen  gelernt."
Mit  außerordentlicher  Schnelligkeit,  wenn  auch  unter  Überwindung  mancher  sich
entgegenstellender  Hindernisse  hat  die  Eisenbahn  sich  die  Welt  erobert.  Bei  der  Bedeutung
der  Eisenbahnen  erscheint  es  erklärlich,  daß  sie  als  ein  Maßstab  für  den  Kultnrstand  der
einzelnen  Staaten  betrachtet  werden,  und  der  Entwickelung  des  Eisenbahnwesens  bei  den
verschiedenen  Völkern  ist  daher  besondere  Beachtung  zuzuwenden.  Der  einst  von
Stephenson  bei  einem  Mittagsessen  mit  seinem  Sohne  und  dem  Mitinhaber  seiner
Patente,  John  Dixon,  gethane  Ausspruch  ist  zur  Wahrheit  geworden.  Jene  Äußerung
lautete:  „Ich  glaube,  ihr  erlebt  den  Tag,  wo  Eisenbahnen  alle  anderen  Beförderungsarten
im  Lande  ersetzen  werden,  wo  die  Postkutschen  auf  den  Schienen  gehen  und  die  Eisenbahn
die  Hauptstraße  für  König  und  Unterthan  sein  wird.  Die  Zeit  wird  kommen,  wo  man
billiger  mit  dem  Dampswagen  als  zu  Fuß  reisen  kann.  Ich  weiß  es  wohl,  man  wird
fast  unübersteiglichen  Hindernissen  begegnen,  doch  was  ich  gesagt  habe,  kommt,  so  wahr
ich  lebe.  Ich  wünschte  nur,  ich  erblickte  jenen  Tag,  ob  ich  es  gleich  nicht  hoffen  darf,  denn
ich  weiß,  wie  langsam  menschliche  Fortschritte  sich  vollziehen  und  mit  welchen  Schwierigkeiten ­
  ich  zu  kämpfen  gehabt  habe,  ehe  ich  es  dahin  brachte,  meine  Lokomotiven  trotz  ihrer
mehr  als  zehnjährigen  erfolgreichen  Verwendung  in  Killingworth  weiter  benutzt  zu  sehen."
Mit  dem  vom  6.  bis  8.  Oktober  1829  stattgefundenen  Lokomotivwettrennen  zu
Rainhill  und  der  Eröffnung  der  Liverpool-Manchester-Bahn  im  Jahre  1830  begann
der  Siegeslauf  des  neuen  Verkehrsmittels,  dessen  allmähliche  technische  Ausgestaltung  au
einer  anderen  Stelle  dieses  Werkes  geschildert  ist.  Die  Abb.  13  bis  15  geben  einige
            
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