Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

Ruder.  Schiffswiderstand  und  Maschinenkrast.

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segel  fahren,  in  Dreiinastgaffelschoner  oder  Vollschiffe  (Abb.  655).  Zwischen  beiden
rangiert  das  Barkschiff  mit  einem  mit  Raasegeln  vollgetakelten  Fock-  und  Großmast  und
einem  mit  Schratsegeln  besetzten  Besanmast  (Abb.  654).  Tragen  Fock-  und  Großmast  nur  eine
Stenge  und  dementsprechend  weniger  Raasegel,  so  heißt  die  Takelung  Schonerbark.
Um  das  Schiff  steuern  und  mit  demselben  unterSegel  manövrieren  zu  können,  verwendet
man  das  Ruder.  Dasselbe  besteht  aus  einer  ebenen  Fläche,  der  Ruderfläche,  welche  am
Hintersteven  des  Schiffes  gelagert  ist  und  um  eine  vertikale  oder  geneigte  Achse,  die  Ruderspindel, ­
  mit  Hilfe  eines  Hebels,  der  Pinne,  gedreht  werden  kann.  Das  Ruder  bildet
ein  wichtiges  Element  des  Schiffes,  da  ohne  dasselbe  die  zur  Zeit  gewaltigen  Schiffsgefäße ­
  steuerlos  und  Wind  und  Wellen  vollkommen  preisgegeben  sind.  Auf  eine  sachgemäße
und  dauerhafte  Konstruktion  des  Ruders  ist  daher  ein  besonderer  Wert  zu  legen.
Die  Wirkung  des  Ruders  beruht  auf  dem  Druck  der  Wasserfäden  auf  die  gegen  die
Fahrtrichtung  des  Schiffes  geneigt  gestellte  Ruderfläche.  Ist  AU  ein  Wasserlinienschnitt,
BC  die  Projektion  der  Ruderfläche,  welche  um  den  Winkel  CBD  zur  Seite  gedreht  ist,
so  kann  man  sich  den  Druck  der  Wasserfäden  normal  auf  die  Ruderfläche  in  dem  Schwerpunkt ­
  des  Ruders  durch  die  Kraft  B  vereinigt  denken.  Ist  ferner  G  der  Systemschwerpunkt
des  Schiffes,  so  wirkt  die  Kraft  B  auf  das  Ruder,  an  dem  Hebel  GN  zum  Drehen  des
Schiffes  nach  der  Pfeilrichtung,  da  man  im  allgemeinen  annehmen  kann,  daß  die  Drehung
des  Schiffes  um  eine  durch  den  Systemschwerpunkt  gehende  vertikale  Achse  erfolgt.  Der
Winkel,  um  welchen  das  Ruder  von  der  Mittellage  gedreht  >vird,  schwankt  zwischen  35
und  50  Grad.  Bei  größerem  Ruderfür ­

  das  Drehmoment  kleiner,  anderseits ­
  wirkt  dann  das  Ruder  mehr
auf  Fahrtverminderung,  als  auf
Drehung.

JV
664.  Schwerpunkt  des  Uuders.

Über  die  beste  Form  sowie  die

Größe  der  Ruderfläche  sind  die  Ansichten ­
  etwas  geteilt,  sie  richten  sich  in  der  Hauptsache  nach  der  Schiffsform.  Liegt  die
Ruderfläche  ausschließlich  hinter  der  Drehachse,  so  heißt  das  Ruder  ein  gewöhnliches  Ruder,
liegt  ein  Teil  der  Ruderfläche  vor  der  Drehachse,  so  nennt  man  das  Ruder  ein  Balanceruder; ­
  es  bietet  den  Vorteil,  daß  die  Kraft  zum  Legen  des  Ruders  geringer  ausfällt.  Bei
den  Torpedofahrzeugen  hat  man  meist  neben  dem  Heckrudcr  am  Hintersteven  ein  Bugruder
im  Gebrauch,  welches  im  Bug  eingebaut  und  so  gelagert  ist,  daß  es  in  den  Schiffsrumpf
hineingezogen  werden  kann.  Das  Bugruder  wird  mit  dem  Heckruder  zugleich  gelegt,
doch  stellt  sich  sein  Blatt  entgegengesetzt  dem  Heckruder  ein.  Es  begünstigt  die  Drehung
einesteils  durch  die  Fahrthemmung,  so  daß  dieselbe  gewissermaßen  um  das  Bugruder  als
Drehachse  erfolgt,  anderenteils  auch  durch  das  Drehmoment  der  Bugruderfläche.  Die
Bewegung  des  Ruders  erfolgt  nun  entweder  mit  der  Hand  durch  die  Pinne  oder  das
Steuerrad  in  Verbindung  mit  Ketten  oder  Reepleitungen  oder  bei  den  größeren  Schiffen
durch  einen  Dampfsteuerapparat,  da  die  Kraft  zum  Legen  des  Ruders  zu  groß  wird  und
zuviel  Zeit  beansprucht.

Schiffswiderstand  und  Maschinenkraft.

Die  seit  Einführung  des  Dampfes  sich  stetig  steigernden  Schiffsgeschwindigkeiten,
welche  bei  Fortbewegung  der  Schiffe  durch  Segel  13  Seemeilen  pro  Stunde  selten  überstiegen, ­
  legten  den  Schiffbauern  den  Gedanken  nahe,  den  Widerstand  eines  Schiffes  im
Wasser  näher  zu  erforschen  und  diejenige  Schiffssorm  zu  ergründen,  welche  den  geringsten
Widerstand  verursacht.  Von  den  wissenschaftlichen  Arbeiten  über  den  Schiffswiderstand
waren  diejenigen  von  Scott  Rüssel,  Rankine  und  Froude  am  bahnbrechendsten.  Scott
Rüssel  hat  zuerst  in  seiner  Wellentheorie  die  Aufmerksamkeit  auf  den  Wellenwiderstand
und  seine  Beziehungen  zur  Länge  des  Vor-  und  Hinterschiffes  aufmerksam  gemacht.  Rankine
behandelte  mit  Hilfe  der  Stromlinientheorie  vorzugsweise  die  Oberflächenreibung  des
Schiffes  im  Wasser,  und  Froude  vereinigte  beide  Probleme  zu  seiner  nunmehr  allgemein
            
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