680 Schiffbau.
Die Gliederung des Schiffsrumpfes in wasserdichte Abteilungen hat neuerdings durch
die Einführung von Petroleum-Tankdampfern zum Transport von Petroleum ohne Ge
binde besondere Bedeutung insofern gewonnen, als die Ausführung von öldichtem Werk
besondere Bauweisen nötig gemacht hat, da das Petroleum durch Auflösen des Rostes
und der Dichtungsmaterialien die für Wasser gebräuchlichen Dichtungen beseitigt. Es
muß daher bei Tankdampferu darauf geachtet werden, daß die Scheidewände der Behälter,
welche meist aus einem Mittellängsschott und einer größeren Zahl von Querschotten
bestehen, nicht durch andere Bauteile durchbrochen werden. Auch wird die Außenwand
wegen der fortfallenden Raumbalken durch Rahmenspanten und hohe Seitenstringer derart
versteift, daß die Außenhautnieten für die Längsfestigkeit möglichst entlastet werden und
die Öldichtigkeit gewahrt bleibt. An die Endquerschotten schließt sich meist ein schmaler
Sicherheitsraum an, welcher mit Wasser gefüllt gefahren wird, um etwaiges Lecköl,
namentlich von dem im Hinterschiff gelegenen Kesselraume abzuhalten.
Zu den vorstehend erörterten Verbandteilen des Schiffsrumpfes treten nun bei Dampf
schiffen die Maschinen- und Kesselfundamente, die Wellenlager und die Wellentunnel für
Schraubenschiffe solvie die Radkästen mit den Radkastenbalken für Radschiffe hinzu, welche
dazu dienen, die Gewichte der Maschinen- und Kesselanlage gleichmäßig auf den Schiffs-
ruinpf zu übertragen und die Reaktionen der hin- und hergehenden Massen der Maschine auf
zunehmen. Bei den flachgehenden Hinterraddampfern für Flüsse werden zur Erhöhung des
Längsverbandes, da die schweren Gewichte von Kessel und Maschine meist an den Enden
wirken, besondere Sprengewerke auf dem Deck an beiden Bordseiten aufgestellt (Fig. 696).
Während die vorstehend erörterten Verbandteile des stählernen Schiffsrumpfes
durchweg aus Walzmaterial und zwar aus Blechen, Winkel- und Profilstählen gebaut
und durch Nietung zu einem Ganzen vereinigt werden, zeigen die Steven des Schiffes
insofern eine besondere Bauweise, als sie entweder aus einem durch Schweißung her
gestellten größeren Schmiedestück oder aus einem Stahlgnßstück bestehen. Der Hinter
steven bildet vor allem ein besonders kompliziertes Werkstück und ist insofern von be
sonderer Wichtigkeit, als er dazu bestimmt ist, die Schiffswelle mit Schraube zu lagern
und zu tragen, sowie das Ruder in seinen Befestignngsteilen zu stützen. Bei Einschrauben-
schiffen verwendet man zwei Steven, den Schraubensteven und den Hintersteven, welche
durch Stege zu einem Rahmen, dem Schranbenrahmeu, zusammengeschweißt werden. Der
Schraubensteven erhält in der Wellenachse eine Anschwellung zur Durchführung des
Stevenrohres nebst Welle, während der Rudersteven entsprechende Ansätze — Ösen — für
die Ruderfingerlinge besitzt. Der Hintersteven sowie der Kielsteg werden mit der Außenhaut
und den Decks durch Nietung bezw. Schrauben verbunden.
Bei den Zweischraubenschiffen bietet die solide Lagerung der Wellenenden mit den
Schrauben in den Schraubenböckeu besondere Schwierigkeit, da einesteils beim Versacken