Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

804  Posten  und  Postwejen.

kehrsbedürfnissen  entgegen,  daß  sich  behaupten  läßt,  sie  wird  zur  Wohlthäterin  auf  dem
gesamten  Verkehrsgebiete.  Der  namentlich  durch  den  Postanweisungsdienst  bei  den  Postanstalten ­
  hervorgerufene  beträchtliche  Umsatz  von  baren  Geldmitteln  hat  zuerst  in  England
auf  den  Gedanken  geführt:
Postsparkassen  einzurichten.  Dort  waren  diejenigen  Personen,  welche  ihre  kleinen
Ersparnisse  zinsbar  anlegen  wollten,  bis  zum  Jahre  1860  lediglich  auf  Privatsparkassen
angewiesen.  Die  Unzuverlässigkeit  verschiedener  dieser  Institute  und  die  dadurch  für  die
Sparer  herbeigeführten  Verluste  gaben  zu  dem  Vorschlage  Anlaß,  unter  der  Garantie
des  Staates  für  das  ganze  Land  eine  allgemeine  Sparkasse  zu  gründen  und  als  Annahme- ­
  und  Auszahlungsstellen  derselben  die  Postanstalten  zu  bestimmen.  Die  Vorteile
einer  solchen  Einrichtung  waren  einleuchtend;  sie  bestanden  vornehmlich  in  der  Sicherheit
der  Spareinlagen,  da  der  Staat  unbedingt  für  dieselben  haftet,  ferner  in  der  Bequemlichkeit
des  Verkehrs  mit  der  Sparkasse,  welche  bei  der  großen  Zahl  der  durch  die  Postanstalten
repräsentierten  Annahme-  und  Auszahlungsstellen  und  der  leichten  Zugänglichkeit  derselben ­
  zu  jeder  Tageszeit  sich  bietet,  endlich  in  der  leichten  Übertragbarkeit  der  Spareinlagen ­
  von  einem  Orte  auf  den  anderen,  die  insbesondere  für  die  wandernde  Arbeiterbevölkerung ­
  von  nicht  zu  unterschätzendem  Werte  ist.  Der  Vorschlag  fand  denn  auch  an
maßgebender  Stelle  sogleich  eine  günstige  Aufnahme  und  gelangte  im  Jahre  1861  zur
Ausführung.  Die  mit  der  neuen  Einrichtung  in  England  erzielten  bedeutenden  Erfolge
veranlaßten  die  Postverwaltungen  einer  Reihe  anderer  Staaten  z.  B.  Belgien,  Frankreich, ­
  Italien,  Niederlande,  Österreich,  Schweden  u.  a.  in  gleichem  Sinne  vorzugehen.
Überall  hat  die  Maßregel  zu  günstigen  Ergebnissen  geführt.  So  betrug

die  Zahl  der
Sparbücher

das  Gutbaben  der  Sparer

1898  in  Großbritannien  und  Irland

8  000  000

123  000  000  Pfd.  Sterb,

„  „  Frankreich

3  087  000

875  021  000  Frank,

„  „  den  Niederlanden  .  .  ■

693  000

70  012  000  Gulden,

1897  „  Belgien

1  377  000

532  08  l  000  Frank,

„  „  Schweden

495  000

58107  000  Kronen,

1896  „  Italien

2  909  000

478  596  000  Lire,

„  „  Oesterreich

1  174  000

49  691  000  Gulden.

In  Deutschland  haben  wir  uns  der  Segnungen  einer  solchen  Veranstaltung  bis  jetzt  leider
noch  nicht  zu  erfreuen;  daran  trägt  aber  nicht  die  ja  sonst  so  rührige  Reichspostverwaltung ­
  die  Schuld,  vielmehr  ist  es  in  diesem  Falle  merkwürdigerweise  die  Volksvertretung, ­
  welche  sich  den  bezüglichen  Anträgen  der  Regierung  gegenüber  ablehnend
verhält.  Es  ist  ja  nicht  zu  verkennen,  daß  die  dabei  in  Betracht  kommenden  Verhältnisse
in  Deutschland  ganz  anders  liegen  als  in  England  und  auch  wohl  in  anderen  Staaten,
und  daß  den  gegen  die  Einführung  der  Postsparkassen  bei  uns  erhobenen  Bedenken,
deren  nähere  Darlegung  uns  hier  zu  weit  führen  würde,  eine  gewisse  Berechtigung  nicht
abzusprechen  ist.  Immerhin  sind  dieselben  nicht  schwerwiegend  genug,  um  die  großen
Wohlthaten,  welche  die  Postsparkassen  den  unteren  Bevölkerungsklassen  gewähren  müssen,
diesen  noch  länger  vorzuenthalten.  Niemand  wird  leugnen  wollen,  daß  die  Vermehrung
der  vorhandenen  Sparstellen  in  Deutschland  durch  den  Hinzutritt  von  etwa  13  000  Postanstalten ­
  sowie  der  bequeme  Verkehr  mit  den  letzteren  den  Sparsinn  in  der  Bevölkerung
mächtig  anregen  und  sowohl  in  sittlicher  als  auch  in  volkswirtschaftlicher  Beziehung  von
den  heilsamsten  Folgen  begleitet  sein  würde.  In  dieser  Erkenntnis  sollte  man  den
Widerstand  gegen  die  durchaus  volkstümliche  Einrichtung  fallen  lassen  und  auch  unser
Vaterland  der  unbestreitbaren  Vorteile  der  Postsparkassen  recht  bald  teilhaftig  werden  lassen.
Unter  Posttaxen  versteht  man  die  an  die  Post  für  ihre  Leistungen  zu  entrichtenden
Gebührensätze.  Diese  wurden  in  früheren  Zeiten  für  jeden  neu  eingerichteten  Postkurs
besonders  festgesetzt.  Soweit  es  sich  um  Versendnngsgegenstände  handelte,  kamen  dabei
deren  Gattung,  Gewicht  oder  Wert,  sowie  die  Beförderungsstrecke  in  Betracht.  Je  mehr
die  Postkurse  sich  im  Laufe  der  Zeit  ausbreiteten,  desto  größer  wurde  natürlich  die  Zahl
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.