fullscreen: Weltporto-Reform

Kapitel IX. 
Einnahmeausfälle und Mehrausgaben. 
Mit genauen Ausfallberechnungen für 50 Länder. 
A. Die fachmännischen Finanzeinwände. 
Die Einführung des Weltpennyportos stösst eigentlich 
immer nur auf einen einzigen Einwand der Postverwaltungen: die 
finanziellen Mindereinnahmen infolge der Portoherabsetzung. 
Der britische G-eneralpostrneister sprach sich wiederholt in 
diesem Sinne aus und erklärte erst kürzlich wieder im englischen 
Unterhause, dass ein 10 Centimes-Porto zwischen England und 
Frankreich bei der gegenwärtigen Finanzlage nicht möglich 
wäre, weil alsdann auch eine gleiche Portoermässigung mit den 
übrigen Ländern Europas notwendig würde, woraus sich ein 
Einnahmeausfall von 10 Millionen Franken ergäbe. 1 ) Das ist 
natürlich sehr reichlich und ohne Berücksichtigung des voraus 
sichtlichen Mehrverkehrs gerechnet, da die theoretische Minder 
einnahme nach der Statistik für 1907 sich bloss auf 350 000 £ 
belaufen würde, das sind etwa 8,75 Millionen Franken, während 
infolge der voraussichtlichen Verkehrszunahme der wirkliche 
Ausfall vielleicht nur 5 Millionen Franken oder 4 Millionen Mark 
betrüge. 
Auch in Deutschland werden stets die finanziellen Bedenken 
dagegen geltend gemacht. Der Staatssekretär des Reichspost 
amts Kraetke äusserte dieselbe Befürchtung ansehnlicher Ein 
nahmeausfälle 1 2 ), und die halbamtliche „Deutsche Verkehrszeitung“ 
1 ) „Deutsche Verkehrszeitung“ 1909, S. 295. 
2 ) z. B. 1907 im Reichstage, vgl. „Archiv für Post und Telegraphie“ 
1907, S. 324.
	        
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