Full text : Der Weltverkehr und seine Mittel

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Die  Weltwirtschaft.

wirtschaftlicher,  teils  gewerblicher  Natur,  so  daß  unter  den  Hörigen  eine  gewisse  gewerbliche
Spezialisierung  sich  herausbildet,  die  ebenso  wie  die  betreffende  Abgabe  mit  dem  Besitze
der  einzelnen  Landstelle  erblich  verbunden  ist.  Im  Gegensatz  zu  dem  römischen  Latifundium, ­
  das  den  Bauer  durch  seine  Sklavenherden  ersetzte,  finden  wir  somit  in  der
mittelalterlich-germanischen  Fronhofverfassung  zwar  einen  in  sich  selbst  geschlossenen,  wohlgeglieverten
  Organismus,  doch  ist  die  Verwendung  unfreien  Gesindes  auf  das  Notwendigste ­
  beschränkt  und  dem  einzelnen  Hörigen  die  Führung  einer  eigenen  Landwirtschaft
für  seine  engere  Familie  und  damit  eine  gewisse  persönliche  Unabhängigkeit  gesichert.
Es  entstehen  innerhalb  der  geschlossenen  Hauswirtschaft  des  Fronhofes  eine  Art  kleiner
Sonderwirtschaften.
Soweit  aber  auch  die  geschlossene  Hauswirtschaft  durch  Angliederung  fremder
Arbeiter  vervollkommnet  werden  mag,  eine  für  alle  Zeiten  ausreichende  Befriedigung  der
sich  entwickelnden  Bedürfnisse  ist  durch  sie  nicht  zu  erzielen.  Es  bleiben  Lücken  in  der
Deckung  des  Bedarfes,  anderseits  bleiben  Überschüsse  unverbraucht,  bereitstehende  Arbeitskräfte ­
  unverwendet.  Zu  dem  herkömmlichen  Leihen  und  Aushelfen  gesellen  sich  daher
bald  wirkliche  Tauschvorgänge  zwischen  den  einzelnen  Hauswirtschaften.  Sie  beschränken ­
  sich  zunächst  auf  Dinge,  die  nicht  überall  vorkommen,  wie  Salz,  Eisen,  Metalle.
In  ähnlicher  Weise  werden  aber  allmählich  auch  andere  Überschüsse,  die  sich  im  Wirtschaftsbetriebe ­
  ergeben,  durch  Tausch  nutzbar  gemacht,  und  hiervon  ist  nur  noch  ein  kleiner
Schritt  zur  absichtlichen  Hervorbringung  landwirtschaftlicher  oder  gewerblicher  Erzeugnisse
über  den  eigenen  Bedarf  hinaus.  Dieser  Schritt  vollzog  sich  um  so  leichter,  als  die  Erzeugung ­
  solcher  Überschüsse  zu  dem  Zwecke,  sie  auf  den  Märkten  gegen  die  Erzeugnisse
anderer  Gegenden  oder  Stämme  auszutauschen,  längst  hergebracht  war.  Neben  den
Tanschverkehr  mit  der  Fremde  tritt  auf  diese  Weise  allmählich  ein  Tauschverkehr  der
benachbarten  Hauswirtschaften  untereinander.  Charakteristisch  für  die  geschlossene ­
  Hauswirtschaft  aber  bleibt  es,  daß  trotz  dieses  Eindringens  des  Tauschverkehrs
für  die  Wirtschaftsführung  in  erster  Linie  der  eigene  Bedarf  des  Hauses  richtunggebend
ist,  nicht  wie  heute  der  Bedarf  des  Marktes,  das  ist  der  anderen.  Der  Tausch  bleibt  trotz
der  gesteigerten  Ausdehnung,  in  der  er  mit  der  Zeit  auftritt,  eine  Ausnahme,  etwas
der  ganzen  Wirtschaftsorganisation  Wesensfremdes,  dessen  Eindringen  sie  möglichst  lange
widerstrebt,  und  von  dem  sie  schließlich  auch  zerstört  wird.  In  ihrer  anfänglich  reinen
Form  kennt  die  geschlossene  Hauswirtschaft  nur  die  Produktion  für  den  eigenen  Verbrauch,
und  wo  diese  zur  Bedarfsdeckung  nicht  ausreicht,  den  Eintausch  aus  der  Fremde,  Geschenke ­
  und  Gegengeschenke,  Leihen  von  Gebrauchsgegenständen  und  Raub.
Gegenüber  der  vorangegangenen  Entwickelungsstufe  des  Wirtschaftslebens  ist  die
Organisation  der  Produktion  und  Konsumtion  eine  andere  geworden.  Ihre
Grundlage  bildet  nicht  mehr  die  wirtschaftliche  Selbständigkeit  des  Individuums,  sondern
die  der  Familie,  des  Hauses,  das  ist  einer  größeren  oder  kleineren  Gruppe  von  Personen,
die  durch  persönliche  Herrschafts-  und  Abhängigkeitsverhältuisse  verschiedenster  Art  zu
einer  wirtschaftlichen  Einheit  zusammengefaßt  sind.  Die  Struktur  des  Verkehrslebens ­
  ist  dieselbe  geblieben.  Sie  erleidet  erst  Veränderungen,  wenn  die  geschlossene
Hauswirtschaft  selbst  durchlöchert  und  zersprengt  zu  werden  beginnt.
Unserer  heutigen,  gerade  durch  die  Entwickelung  des  Verkehrs  charakterisierten
Wirtschaftsverfassung  gegenüber  zeichnet  sie  sich  durch  das  vollständige  Fehlen  der  meisten
für  uns  maßgebenden  wirtschaftlichen  Begriffe  und  Erscheinungen  aus.  Für  viele  dieser
Begriffe  fehlen  den  alten  Sprachen  sogar  die  unterscheidenden  Ausdrücke.  Es  gibt,  wie
Bücher  treffend  sagt,  in  der  Periode  der  geschlossenen  Hauswirtschaft  keine  volkswirtschaftliche ­
  Arbeitsteilung,  und  darum  keine  Berufsstände,  keine  Unternehmungen,  kein
Kapital  im  Sinne  eines  zu  Erwerbszwecken  dienenden  Gütervorrates;  es  gibt  keine
Waren,  keinen  Preis,  keinen  Güterumlauf,  keine  Einkommensverteilung,  demgemäß  keine
Arbeitslöhne,  keinen  Unternehmergewinn,  keine  Zinsen  als  besondere  Einkommensarten.
Nur  die  Grundrente  beginnt  sich  bereits  abzuscheiden  in  Form  der  Zinse  und  Fronden,
die  der  Kolone  oder  hörige  Bauer  dem  Grundherrn  leistet.
            
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