Full text : Bankpolitik

25.  Maßnahmen  zur  Herbeiführung  der  zeitlichen  Ausgleichung  usw.  101
gierung  in  Bombag,  Madras  und  Kalkutta.  Oie  Lank  van  England
besorgt  den  verkauf  der  Wechsel  und  Anweisungen  kommissionsweise
und  veröffentlicht  die  Quantitäten  der  angebotenen  Wechsel  und  die
Tiefstsätze.  Für  die  Währungsreform  haben  die  Council  bills  eine  große
Bedeutung  gehabt  —  es  zeigten  sich  damals  besonders  auch  die  Grenzen
der  Wirksamkeit  dieser  Maßnahmen.  —
Ueber  Anregung  Bischoffsheims  wurde  die  Devisenpolitik  in  den
Wirkungskreis  der  belgischen  Nationalbank  bei  ihrer  Gründung  (1852)
aufgenommen:  die  Bank  sollte  die  Gelder,  die  ihr  aus  der  Kassenführung
für  den  Staat  zuflössen,  in  Auslandswechseln  anlegen.  Sie  hatte  seither
sich  im  Devisengeschäft  rege  betätigt:  durch  die  Verwendung  der  staatlichen ­
  Gelder  ist  aber  ihre  Kaufkraft  auf  dem  Devisenmarkt  wesentlich
vom  Ab-  und  Zuströmen  dieser  Guthaben  abhängig,  so  daß  ihr  wirksame ­
  Devisenpolitik  nur  möglich  war,  wenn  sie  im  Bedarfsfall  auch  ihre
privaten  Guthaben  zur  Anlage  in  Auslandswechseln  in  starkem  Maß
heranzog.  Die  Einführung  des  Devisenkaufs  geschah  in  Belgien  im
Interesse  eines  stabilen  Diskonts:  in  Zeiten  der  Geldflüssigkeit  sollten
die  Mittel  der  Bank  in  das  Ausland  abgelenkt  und  so  übermäßig  niedriger ­
  Zins  vermieden  werden.
Zn  der  französischen  Enquete  der  sechziger  Zahre  wurde  von  der
Direktion  des  Comptoir  ä'Bscompte  und  andern  Experten  die  Aufnahme ­
  der  Devisenpolitik  lebhaft  angeregt,  doch  ohne  Erfolg  für  dis
Praxis  der  Bank  von  Krankreich.  Eine  Frucht  dieser  Anregungen  war
aber  der  verkauf  von  Regierungswechseln  in  den  französischen  Kolonien
in  Afrika  in  analoger  weise  wie  es  bei  den  indischen  Council  bills  der
Kall  war.  weit  günstigeren  Boden  fanden  aber  die  Anregungen  der
Enqußte  bei  der  österreichisch-ungarischen  Bank,  und  die  Beachtung,
welche  die  systematische  pflege  des  Geschäftszweigs  durch  diese  Bank
in  her  Literatur,  vornehmlich  bei  Knapp,  gefunden  hat,  hat  zur  starken
Aufnahme  des  Devisenkaufs  durch  die  Reichsbank  (vornehmlich  seit
1908)  und  die  neue  Schweizer  Nationalbank  geführt.  Mit  Ausnahme
der  Lank  von  Frankreich  pflegen  derzeit  alle  größeren  kontinentalen
Notenbanken  das  Devisengeschäft.
Ueber  die  Bedeutung  dieses  Geschäftszweigs  sind  in  neuerer  Zeit
stark  übertriebene  Urteile  in  der  deutschen  Literatur  verbreitet  worden.
Man  wird  jedoch  gut  daran  tun  die  Wirkung  der  Pflege  des  Devisengeschäfts ­
  durch  die  Notenbanken  nicht  zu  überschätzen  und  die  Grenzen
der  Wirksamkeit  dieser  Maßnahmen  zu  beachten.
vorweg  muß  man  den  verkauf  von  Regierungswechseln  durch  die
indische  oder  algerische  Regierung  von  der  pflege  der  Devisenpolitik
            
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