Full text : Bankpolitik

27.  Die  Einschränkung  der  Goldansprüche  an  die  Notenbank  usw.  115
ferung  an  den  Anblick  von  Goldmünzen  gewöhnt  ist-  die  Stärkedemonstration ­
  der  Notenbank  zur  kritischen  Zeit  ist  leicht  und  mit  intensiver
Wirkung  durchzuführen.  Bei  Goldzirkulation  dagegen  sieht  sich  die
Notenbank  gerade  im  Zeitpunkt,  in  dem  stärkste  Bereitschaft  dem  Ausland ­
  gegenüber  notwendig  ist,  erheblichen  Einlösungsansprüchen  aus
dem  innern  Verkehr  gegenüber.  Die  Diskonterhöhung  erweist  sich
in  solchen  Tagen  nicht  als  ausreichendes  Mittel  zur  Gewinnung  von
Gold,  da  die  internationale  Bewegung  kurzfristiger  Napitalien  in  kritischen ­
  Zeiten  Störungen  unterliegt  und  die  Heranziehung  von  Gold  aus
dem  innern  Verkehr  infolge  des  so  stark  entwickelten  Ueberweisungswesens
  nur  durch  sehr  empfindliche  Einschnürung  der  Nreditgewährung
  möglich  ist,-  diese  Maßnahme  würde  aber  inmitten  einer  allgemeinen ­
  Beunruhigung  auf  die  Wirtschaft  gefährlich  einwirken.  Oie
rasche  Einführung  von  Noten  in  die  Zirkulation  erregt  aber  bei  auch
nur  einigermaßen  beunruhigter  Stimmung  leicht  Mißtrauen  —  für
Ersetzung  der  Goldzirkulation  durch  Papier  müssen  Zeiten  ruhiger
Entwicklung  gewählt  werden,  soferne  man  nicht,  wie  in  Nriegszeiten,
durch  Verhängung  des  Zwangskurses  den  Eingang  der  kleinen  Noten
in  den  Verkehr  erzwingt.
Ze  mehr  eine  Wirtschaft  rasch  folgende  Perioden  der  Hochkonjunktur ­
  oder  Zeiten  politischer  Schwierigkeiten  durchzumachen  hat,  desto
stärker  werden  diese  Momente  wirksam  werden,  die  zur  Vereinigung
des  Goldvorrats  bei  der  Notenbank  hindrängen.  Gold  bei  der  Notenbank ­
  zentralisiert  ist  von  ganz  anderer  Wirksamkeit  als  die  gleiche  Summe,
in  unzählige  Taschen  zerstreut,-  an  die  Notenbank  wendet  sich  der  Begehr ­
  nach  Gold,  nach  dem  Goldbestand  der  Zentralbank  wird  in  kritischen ­
  Tagen  die  internationale  Kreditfähigkeit  des  Landes  beurteilt.
Oie  Bankgeschichte  der  vereinigten  Staaten  bietet  das  deutlichste  Beispiel ­
  für  die  Notwendigkeit  der  Goldzentralisation:  dort  waren  bis  zur
jüngsten  Bankreform  außerordentlich  große  Goldbestände  vorhanden,
es  fehlte  aber  an  einem  Zentralorgan,  bei  dem  man  sich  das  Gold  im
Bedarfsfall  holen  konnte.  Oie  Nonsequenz  dieser  Erfahrung  führt
aber  nicht  blos  zur  Forderung  der  Schaffung  von  Zentralnotenbanken,
sondern  der  Zentralisierung  des  Goldes  überhaupt.
Manche  Staaten  haben  die  Goldzentralisierung  durch  Beibehaltung ­
  des  Zwangskurses  verschärft  —  ein  System,  dem  die  Anhänger
der  Goldzentralisierung  seit  einem  Jahrhundert  zugetan  sind.  Solange
England  nicht  Zwangskurs  einführt,  ist  es  für  die  großen  mit  England
konkurrierenden  wirtschaftsreiche  unmöglich  eine  andere  Haltung  einzunehmen, ­
  da  ihre  Wechsel  im  Ausland  mit  der  Devise  London  nicht  den
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