Full text : Bankpolitik

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II.  Der  Geldmarkt.

sie  arbeitet  heute  mehr  mit  Eigenkapital  und  Einlagen  aus  der  Umgebung, ­
  relativ  weniger  mit  Bankkredit.  Auch  der  Handel  wird  sich
durch  billiges  Geld  nur  dann  zur  Anhäufung  stärkerer  Lager  veranlaßt
sehen,  wenn  er  Preissteigerungen  in  naher  Zeit  für  wahrscheinlich  hält.
Oie  optimistische  Zukunftsbetrachtung  pflegt  sich  aber  erfahrungsgemäß
nicht  in  der  Zeit  der  niedrigsten  Rate,  sondern  erst  einige  Zeit  später
einzustellen.  Unmittelbar  aber  wirkt  der  niedrige  Latz  auf  die  Londoner
Börse,  zuerst  auf  die  Rentenwerte,  die  bisher  noch  immer  in  solchen
Tagen  sich  im  Kurs  gehoben  Habens  wenn  auf  eine  Aktiengruppe  das
Interesse  besonders  stark  hingelenkt  werden  kann,  sind  alle  Vorbedingungen ­
  für  die  Entstehung  eines  boom  gegeben,  nicht  etwa  wegen  der
besonderen  Lpekulationslust  der  Engländer  —  der  Kontinent  spekuliert
in  London  nicht  weniger  als  die  Engländer  selbst  —  sondern  wegen  der
für  alle  Arten  von  Effekten,  auch  spekulativster  Art,  disponiblen  großen
Kredite.  Auf  dem  Kontinent  sind  stark  spekulative  lverte  vom  offiziellen ­
  Börsenhandel  ausgeschlossen  und  der  Zins  für  Vorschüsse  auf
solche  Effekten  sinkt,  von  Paris  zeitweise  abgesehen,  auf  allzutiefes
Niveau  nicht  herab.  In  London  dagegen  sind  in  Oepressionszeiten
billigste  Raten  für  Minen-  oder  Oilshares  erhältlich,  zumal  die  englische
Bankpraxis  die  beiden  Teile  des  Geldmarkts,  den  lvechsel-  und  den
Effektenmarkt,  als  gleichartig  behandelt,  während  der  Kontinent  für
den  Effektenlombard  höhere  Konditionen  verlangt.  Vas  kleine  Nominale ­
  der  Aktien  und  die  starke  lverbetätigkeit  der  outsiäe  Brokers
erhöht  die  Anziehungskraft  der  Londoner  Börse  und  verleiht  ihr  genügende ­
  Elastizität  zur  Aufnahme  neuer  Kapitalien,  die  in  der  andern
Sphäre  des  Geldmarkts  augenblicklich  nicht  Verwendung  finden.
Bagehot  sah  zu  Beginn  der  siebziger  Jahre  einen  Hauptgrund
der  Weltstellung  der  dity  in  der  Ueberlegenheit  der  ihr  zur  Verfügung
stehenden  Mittel.  Oer  Vorsprung  hat  sich  seither  vermindert:  nur  die
Dezentralisation  des  Bankwesens  in  Amerika  verhütete  das  vorrücken
New  Ports  auf  den  ersten  Platz.  Berlin  und  Paris  haben  infolge
des  Aufbaues  der  Depositenbanken  die  ihnen  zur  Verfügung  stehenden
Mittel  relativ  weit  stärker  gesteigert  als  London,-  dennoch  steht  die  dity
noch  immer  an  erster  Stelle.  Die  Depositen  der  englischen,  schottischen ­
  und  irischen  Banken  betrugen  zu  Ende  1912  1084  Millionen
Pfund.  Bringt  man  hievon  rund  150  Millionen  Pfund  für  Kasse,
schätzungsweise  100  Millionen  für  bewilligte,  aber  noch  nicht  verwendete
Kredite  und  ca.  80  Millionen  für  Doppelzählungen  (Guthaben  einer
Bank  bei  einer  andern)  in  Abzug,  so  bleiben  rund  750  Millionen  Pfund
■für:  den  Geldmarkt  im  weiteren  Sinn,  wozu  noch  die  Guthaben  der
            
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