Full text : Bankpolitik

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III.  Der  Kapitalmarkt.

in  selbständige  ausländische  Aktiengesellschaften  umgewandelt,  deren
Kapital  überwiegend  an  ausländische  Aktionäre  abgestoßen  wird.
In  größerem  Umfang  finden  internationale  Kapitalwanderungen
bei  planmäßiger  Vergleichung  der  Ertragsaussichten  nur  auf  dem
organisierten  Kapitalmarkt  statt.  Bei  Hausse  auf  dem  heimischen  Kapitalmarkt ­
  pflegen  die  Besitzer  großer  vermögen  Aktien  ausländischer
Plätze,  auf  welchen  höhere  Rentabilität  herrscht,  zu  erwerben,  lväre
dieses  Vorgehen  allgemein,  würden  alle  Kapitalbesitzer  und  Verwalter
zur  fteien  internationalen  Disposition  berechtigt  sein  und  würden  alle
Effekten  an  allen  Märkten  gehandelt  werden,  so  würde  sich  Zins-  und
Rentabilitätsrate  international  ausgleichen.  Die  Besitzer  mittlerer
und  kleinerer  vermögen  pflegen  aber  ausländische  Aktien  —  nicht
Renten  —  bei  steigenden  Kursen  und  sinkender  Rentabilität  zu  erwerben- ­
  Sparkassen,  Versicherungsgesellschaften,  Stiftungen  sind  zu
nationaler  Anlage  verpflichtet;  nur  Werte  großen  Kapitalbetrags
sind  international  verkehrsfähig.  Diese  drei  Momente  setzen  der  Ausgleichung ­
  der  Rentabilitätsrate  große  Hindernisse  entgegen,  während
bei  der  Zinsrate  die  Tendenz  zum  internationalen  Ausgleich  sich  entschiedener ­
  durchsetzt.
52.  Die  Wirkungen  des  Verkehrs  unter  den  Kapitalmärkten.
Die  Diskussion  über  die  Bedeutung  der  Kapitalanlage  im  Ausland
wird  seit  Jahrzehnten  mit  steigender  Leidenschaft  aber  ohne  deutliche
wissenschaftliche  Ergebnisse  durchgeführt.  Die  englische  Enquete  von
1840  und  die  französische  in  den  sechziger  Jahren  des  vorigen  Jahrhunderts ­
  hat  sich  ausführlich  mit  diesen  Fragen  befaßt  und  namentlich
den  Zusammenhang  zwischen  Kapitalanlage  im  Ausland  und  Krise
untersucht.  Seit  geraumer  Zeit  beschäftigt  sich  auch  die  neuere  deutsche
und  ftanzösische  Literatur  mit  diesem  Gegenstand.  Sie  hat  zu  wirtschaftspolitisch ­
  bedeutsamen  Konsequenzen  geführt.
Ausgangspunkt  der  Kritik  war  stets  die  Verschlechterung  der  Zahlungsbilanz, ­
  die  durch  Begebung  von  Kapital  ins  Ausland  herbeigeführt
wird.  Die  neumerkantile  Richtung,  welche  die  moderne  Wirtschaftspolitik ­
  beherrscht,  hat  in  den  Kapitalanlagen  die  einzige  durch  die  Regierung ­
  direkt  beeinflußbare  Post  der  Zahlungsbilanz  erkannt.  Man
kann  heute  nicht  mehr  wie  ehedem  —  außer  in  Kriegszeiten  —  den
Untertanen  die  Reise  ins  Ausland  verbieten,  dagegen  haben  sich  die
Grundsätze  der  neueren  Schutzpolitik  gegen  Kapitalanlagen  im  Ausland
in  der  Praxis  immer  stärker  durchgesetzt.
            
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