Full text : Bankpolitik

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II.  Der  Geldmarkt.

noch  bedeutsamer  aber  wurde  ihre'  beispielgebende  Stellung  dadurch,
datz  sie  die  Notenbank  des  Reiches  war,  das  bis  um  die  Mitte  des  19.  Jahrhunderts ­
  allein  die  freie  Goldwährung  hatte.  Bei  ihr  traten  all  die
Schwierigkeiten  der  Aufrechthaltung  der  Liquidität  in  einer  Zeit  auf,
in  der  sich  die  andern  Notenbanken  noch  kaum  entwickelt  hatten.
Oer  erste  Liquiditätsgrundsatz,  der  sich  bei  der  Bank  von  England
im  18.  Jahrhundert  feststellen  läßt,  bestand  darin  ein  Drittel  aller
Verpflichtungen  in  Gold  zu  halten.  Von  dieser  Regel  wich  aber  die
Bank  wiederholt  ab.  Zur  Zeit  des  Abfalls  der  vereinigten  Staaten
fiel,  nach  dem  erst  ein  halbes  Jahrhundert  später  veröffentlichten  Status
vom  30.  August  1783,  die  Deckung  der  Noten  allein  auf  9%.  Das
Publikum  nahm  die  Noten  ruhig  an,  aber  die  Lankleitung  bekam  Angst
und  nahm  ein  von  Losanquet  vertretenes  Prinzip  an,  bei  Goldabflutz,
gleichviel  aus  welchen  Gründen  er  erfolgte,  die  Notenausgabe  einzuschränken. ­
  Die  Anwendung  dieses  Prinzips  in  den  ersten  Jahren  des
Kriegs  mit  Frankreich,  vornehmlich  1792/93,  hatte  verhängnisvolle
Konsequenzen.  Als  infolge  der  politischen  Beunruhigung  starke  Goldthesaurierungen ­
  erfolgten,  verminderte  die  Bank  von  England,  ihrem
Prinzip  entsprechend,  gerade  in  einem  Zeitpunkt  die  Notenemission,
in  welchem  der  verkehr  die  Note  am  stärksten  benötigte  und  führte
dadurch  eine  Geldkrise  herbei;  als  von  den  400  Provinzbanken,  die
damals  bestanden,  über  100  zugrunde  gegangen  waren,  beschloß  die
Regierung  durch  Ausgabe  von  Schatzwechseln  in  Appoints  zwischen
100  und  20  £  dem  Markt  zu  Hilfe  zu  kommen  und  tat  dies  mit  starkem
Erfolg.  Auch  vier  Jahre  später,  1797,  als  bei  Verschärfung  des  politischen ­
  Konflikts  mit  Frankreich  eine  starke  Panik  eintrat,  verhielt  sich
die  Bank  sehr  zurückhaltend.  Sie  konnte  aber  infolge  des  starken  Goldabflusses
  es  doch  nicht  verhüten,  datz  die  Notendeckung  im  Februar  1797
auf  11%  sank,  und  die  Einführung  des  Zwangskurses  sowie  die  Erlaubnis ­
  zur  Emission  von  ein  und  zwei  Pfund-Noten  erwiesen  sich
als  unvermeidlich.
Während  der  Zeit  des  Zwangskurses  verfiel  die  Direktion  der
Notenbank  in  das  entgegengesetzte  Extrem:  Befreit  von  der  Liauiditätspflicht
  glaubte  sie  ihre  Notenemission  in  genügenden  Grenzen  zu  halten, ­
  wenn  sie  sie  nur  auf  Grund  der  Diskontierung  guter  Wechsel  vornahm, ­
  da  der  Wechsel  ein  schon  vollzogenes  Geschäft  bekunde  und  die
Bank  es  nur  eskomptiere.  Oer  Betrag  der  im  Jahresdurchschnitt  diskontierten ­
  Wechsel  stieg  zwischen  1795  und  1810  von  3  auf  20  Millionen  £.
Nls  sich  ein  immer  stärkeres  Agio  einstellte,  wurde  ein  parlamentarisches ­
  Eomit6  mit  der  Untersuchung  betraut,  das  Bullionovinmittee,
            
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