21. Oie Begründung und Ktiti! der Diskontpolitik. 71
1857 stark unterfaßt. Die Ban! von Frankreich, die von 1820 bis 1847
ungeachtet der drei englischen Krisen den Diskont auf 4% gehalten
hatte, mutzte bis auf 10%, die preußische Bank, die auf gleiches Dor-
gehen zurückblickte, bis auf 7]/ 2 % hinaufgehen. Don 1858—65 er
höhte die Bank von Frankreich den Satz 53 mal, 1863 8 mal, 1864 11 mal
und zwar bis auf 8%. Die preußische Staatsbank ging bis zu 7%
hinauf.
Ls ist verwunderlich, daß Industrie und Handel in England die
jähe Wendung von gleichmäßigem zum monatlich schwankenden Zins
so ruhig ertragen und die Politik der Bank als eine unabänderliche
Tatsache hingenommen haben. Preußens Industrie war damals noch
wenig entwickelt; in Frankreich aber erhoben sich, aufgereizt durch die
Gruppe des Oroäit wobilivr, Industrie und Handel in stürmischer Oppo
sition gegen die Bank, als sie zum zweitenmal in zehnjähriger Periode
den Diskontsatz bis auf 8 % hinaufriß. Und wenn auch die in der Mitte
der sechziger Iahre einberufene französische Enquete äußerlich ergebnis
los verlief, so hat sich doch von da an eine Aenderung in dem Dor-
gehen der kontinentalen Notenbanken langsam und vielfach unbewußt
vorbereitet. Enthielt das englische Gesetz und die dortigen Enqueten
eine Begründung, so enthielt die französische Enquete eine Kritik der
Diskontpolitik. — .
2\. Sie Begründung und Kritik der Diskontpolitik.
Seit Einführung des Sgstems der gesetzmäßigen proportionalen
Deckung der Noten durch Metall mußte die Notenbank bei Der-
schlechterung ihres Status danach trachten, den Notenumlauf einzu
schränken oder den Goldzufluß zu erhöhen. Die englische Bankpraxis
nahm an, daß die Diskonterhöhung zur Erreichung beider Ziele das
geeignete Mittel sei, und die hiefür geltend gemachten Argumente
werden auch in der Gegenwart in Theorie und Praxis vielfach als
maßgebend angesehen. Nach dieser Anschauung wirkt die Diskont
erhöhung in dreifacher Richtung:
1. Sie schränkt den wirtschaftlichen Verkehr ein und bewirkt da
durch ein Rückströmen von Noten und Gold zur Zentralbank.
2. Sie veranlaßt die Effekten- und Warenhändler, ihre Hausse
spekulation aufzugeben und rasch zu verkaufen; durch die Wirkung auf
die Warenhändler werden die preise gedrückt, der Import auswärtiger
Güter erschwert, der Export erleichtert, die Handelsbilanz somit ver
bessert und entweder Goldzufluß erreicht oder doch der Goldabfluß