fullscreen: Die Staatsausgaben von Großbritannien, Frankreich, Belgien und Italien in der Vor- und Nachkriegszeit

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Ergiebigkeit der Einnahmequellen sei es möglich, den steigenden Anforderungen aller Art ohne Schwierig- 
keit Genüge zu tun, die sich aus der Vermehrung der Bevölkerung, der Entwicklung und-Vervollkommnung 
der öffentlichen Verwaltungen, den immer einschneidenderen Eingriffen des Staates auf dem Gebiete der 
Volksbildung und der Einrichtungen zu gegenseitiger Hilfe und sozialer Fürsorge ergäben. 
d. Der Regierungsentwurf zum Voranschlage für 1913. 
Als Vergleichsjahr für die Gegenüberstellung von Vorkriegs- und Nachkriegsausgaben des Staates wurde 
der Etat für das Jahr 1913 der Aufarbeitung zugrunde gelegt. Er unterscheidet sich in seiner Zusammen- 
setzung nicht wesentlich von den Etats der vorhergegangenen Jahre. Der Finanzminister erklärte in seiner 
Vorrede zum Etat, auch in diesem Jahre setze sich die allgemeine Ausdehnung der staatlichen Ausgaben 
für das Unterrichtswesen, die Arbeiterfürsorge, das Wohnungswesen und das Verkehrswesen fort, ohne 
daß ein Abschluß der betreffenden Aufwendungen vorauszusehen wäre, 
Die Zusammensetzung des Staatshaushalts nach den einzelnen Ausgabezwecken, wie sie sich an Hand der 
Aufarbeitung des Etats für 1913 herausstellt, läßt als wichtigsten Posten die Ausgaben für die Finanz- 
verwaltung erscheinen. Der Grund dafür ist in den hohen Zinsverpflichtungen Belgiens zu suchen. 
Die Entstehung der belgischen Staatsschuld, besonders im. Vergleich mit den anderen Ländern, wurde 
oben geschildert. Der Anteil der Finanzverwaltung an der Gesamtsumme der Staatsausgaben betrug 
1913 35,9 vH. 
Als nächstwichtiger Zweig der Staatsfinanzwirtschaft erscheint das Heerwesen, dessen Ausgaben 24,6 vH 
der Gesamtsumme in Anspruch nehmen; ihre anteilmäßige Bedeutung ist damit geringer als in - den 
übrigen Staaten. Hierbei ist zu berücksichtigen, daß in das Rechnungsjahr 1913 einmalige größere Auf- 
wendungen für die Artilleriewaffe und die Befestigungen an der niederländischen und deutschen Grenze 
fallen, die etwa 10 vH der Ausgaben für Rüstungszwecke beanspruchen, so daß der Anteil an der Gesamt- 
summe der Staatsausgaben sich in diesem Jahre etwas über den normalen Stand erhebt. 
Die Ausgaben für Unterrichtswesen erscheinen im Jahre 1913 noch sehr gering (11,6 vH der Gesamt- 
ausgaben), da die für 1914 geplante Neuordnung des gesamten Schulwesens in ihnen noch nicht zum Aus- 
druck kommt. Die Aufwendungen für Schulwesen gehen bis zu diesem Jahre zum größeren Teil nicht über 
den Staatsetat. Der Staat trug von den gesamten Lasten des Volksschulunterrichts im Jahre!) 
1800 2510447 er NH 
180 ee S7yl 
890 40,9 » 
YO hr 14,0 » 
WEN 44.2 » 
In der Zusammensetzung nach den Ausgabearten unterscheidet sich der belgische Staatsaufwand in- 
sofern von den übrigen Staaten, als der Schuldendienst einen verhältnismäßig bedeutenderen Anteil am 
Gesamtaufwand hat. Zu beachten ist dabei, daß es sich bei diesen Leistungen des belgischen Staates 
in viel geringerem Umfange um Abwicklung von Verpflichtungen früherer Finanzpolitik zu Lasten der 
späteren handelt als bei den übrigen drei Staaten (vgl. oben S. 83ff über die Entstehung der belgischen 
Staatsschuld). 
E Das Jahr 1913 brachte auch auf der KEinnahmeseite des Budgets keine wesentlichen Änderungen gegen- 
über den vorhergehenden Jahren. Die Schätzung der Steuererträge beruhte durchweg auf der Annahme, 
daß sich die Eingänge der bestehenden Steuern in demselben Maße weiter entwickeln würden, wie es etwa 
in den letzten 5 oder 6 Jahren der Fall gewesen war. Es gelang zwar auch im Jahre 1913, wie in allen vor- 
hergehenden Jahren, das Ktatgleichgewicht herzustellen, doch ist eine Zuspitzung der Lage unverkennbar, 
die auch in der immer stärker werdenden Kritik der belgischen Finanzpolitik zum Ausdruck kommt. 
IL. Die belgische Finanzwirtschaft während des Krieges. 
Der Ausbruch des Krieges unterbrach diese Entwicklung der belgischen Staatsfinanzwirtschaft, die auf 
der Ausgabeseite zu einer wesentlichen Erweiterung der staatlichen Aufwendungen, auf der Seite der 
Staatseinnahmen zu der Notwendigkeit einer Steuerreform hätte führen müssen. Die Kriegsereignisse 
des Jahres 1914 stellten den Staat jedoch vor völlig andere Aufgaben. 
Die Besonderheit der finanzpolitischen Lage Belgiens während des Krieges hat ihren Grund in der fast 
vollständigen Besetzung des Landes durch deutsche Truppen und in der völligen Unterbindung aller Außen- 
1) nach Griece, a.a. 0.
	        
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