23. Oie Bedeutung der Jahreszeit für den Geldmarkt. 87
Verhältnis zwischen Bedarf an kurzfristigem internationalen Kreöit
und den dem Geldmarkt zugewendeten Mitteln — deren höhe von
der Beurteilung der politischen Lage in hohem Matz abhängig ist —
entscheidend.
Der heimische lrreditbedarf hat für den Londoner Geldmarkt mehr
hinsichtlich des Angebots als hinsichtlich der Nachfrage von Napital
Bedeutung. — Zu Monatsende, wo die Depositenbanken im Interesse
ihres Monatsausweises die Ausleihungen einschränken, pflegen die
Sätze des offenen Marktes in die höhe zu gehen. — Die Bewegungen
in London unterscheiden sich von jenen der kontinentalen Märkte vor
nehmlich dadurch, datz der Privatsatz (infolge der Steuererhebungen)
im ersten Zahresviertel relativ hoch, im zweiten relativ niedrig steht.
Während auf den kontinentalen Märkten in der Regel der Februar
die niedrigsten Leihsötze zeigt, wird in London das Minimum des Privat
satzes gewöhnlich im Mai und Juni erreicht.
Die Bank von England hat für den heimischen Zahlungsdienst mit
weit weniger variablen Anforderungen zu rechnen als die kontinentalen
Institute. Bei der weiten Verbreitung des Systems der Scheckzahlungen
sind die Barzahlungen auf ein enges Gebiet eingeschränkt. Dement
sprechend schwanken die Beträge der ausgegebenen Noten — deren
kleinstes Appoint bis zu Nriegsbeginn 5 £ betrug — in den einzelnen
Iahreszeiten relativ wenig,- selbst in dem kritischen Zahr kdO? betrug die
Notenzirkulation am 2k. August 29.6 Millionen £, am 18. September
" 29.1, am 16. (Oktober 29.5,13. November 29.3 und 11. Dezember 29.0Mil
lionen £. Dagegen kommen die Goldabflüsse für den innern Zahlungs
verkehr stark zur Geltung, jedoch nicht in gleichem Matz wie in Deutsch
land, da die Zahlungstermine — von dem schottischen Herbstzahltag ab
gesehen — ungleich weniger konzentriert sind. Eine genaue Erfassung
des Matzes der Goldabflüsse in das Inland an den stärkeren Zahltagen
ist deshalb nicht möglich, weil die Ausweise der englischen Notenbank
nicht an einem bestimmten Monatstag, sondern jeweils am Donnerstag
abgeschlossen werden: die wenigen Ausweise, die gerade auf einen
Zahltag fallen (zum Beispiel jener vom 31. Dezember 1902) zeigen
relativ grotzen Goldabflutz. Noch wichtiger sind die Schwankungen,
die sich im Goldbestand der Bank aus der Goldbilanz dem Ausland
gegenüber ergeben. Bei der autzerordentlichen Mannigfaltigkeit der
Momente, welche die jeweilige englische Zahlungsbilanz bestimmen,
lätzt sich eine Negelmätzigkeit überwiegender Goldzufuhr nach den
Jahreszeiten nicht konstatieren, von dem starken Goldabflutz des herbstes
abgesehen, den der grotze Import aus Ländern mit starkem Goldbedarf