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E. Breuninger, „Zum Großfürsten“,
Stuttgart.
Eduard Breuninger gründete die Firma im Jahre 1881 in Stuttgart in der Münz
straße Nr. i mit 5 Angestellten und beschäftigt heute neben zahlreichen Heimarbeitern gegen
700 Personen. Mit der fortschreitenden Entwicklung und Vergrößerung des Geschäftes war
der Inhaber bestrebt, für das Wohl seiner Angestellten zu sorgen und sie an dem Ergebnis
ausgiebig zu beteiligen. Der Erfolg blieb
nicht aus, und die im J ahre 1905 gegründete
GESCHÄFTS-SPARKASSE weist heute
einen Bestand von über 400 000 M. auf,
wovon ein großer Teil aus freiwilligen
Zuwendungen und als Tantiemen, Prä
mien usw. von der Firma herrührt, die
sie nicht ausbezahlen, sondern gutschrei
ben läßt. In den letzten Jahren vergütete
die Sparkasse regelmäßig neben 5 % %
Zinsen 2 % Dividende.
PENSIONS- UND UNTERSTÜT
ZUNGSFONDS-STIFTUNG. Im Jahre
1902 ist von dem Chef eine Stiftung für
einen Pensions- und Unterstützungsfonds
errichtet worden, dem jedes Jahr ein Teil
des Gewinnes zufließt. Der Fonds soll
aktiven und ausgetretenen verdienten
Gliedern der Firma in Form von Unter-
stützungs- oder Pensionsbeiträgen und
einzelnen Angestellten für hervorragende
Leistungen im Dienste der Firma als Prä
mien zugute kommen.
Unterm 3. Oktober 1903 ist zur Er
innerung an die silberne Hochzeit des
Firma-Inhabers und seiner Gattin folgende
STIFTUNG FÜR TREUGELEISTETE
DIENSTE von dem Chef der Firma ge
machtworden. Es findet die Überreichung
eines Ehrendiploms an alle Angestellten
ohne jede Rücksicht auf Stellung oder
Gehalt statt:
a) für 10jährige Dienstzeit; damit ist eine einmalige Zuwendung von 200 M. und
eine im folgenden Jahre erstmals eintretende jährliche Extrazulage von 100 M.
an den betreffenden Angestellten verbunden;
b) für 20jährige Dienstzeit; damit ist eine einmalige Zuwendung von 300 M. und
Erhöhung der jährlichen Extrazulage auf 150 M. verbunden;
c) für 25jährige Dienstzeit; damit ist eine einmalige Zuwendung von 500 M.
und Erhöhung der jährlichen Extrazulage auf 250 M. verbunden.
Diese Sätze gelten für das kaufmännische Personal und betragen für Diener, Arbeiter
und Arbeiterinnen die Hälfte.
Spare in der Zeit,
So hast du in der Not.
Geschäftssparkasse der Firma E. Breuninger.
Die Sparkasse soll den Sinn aller Angestellten für
das Sparen wecken, das Sparen zu einer freudigen
Pflicht gestalten und die Grundlage bilden zu einer
zeitigen Fürsorge für spätere Tage.
Alle von der Firma gemachten Stiftungen und freien
Zuwendungen als Tantiemen, Prämien, Extrazulagen
usw. verfolgen ausschließlich die Erreichung dieses
Zwecks; sie werden aus diesem Grunde nicht ausbezahlt,
sondern gegen Verzinsung für die Empfänger in der
Sparkasse angelegt.
Freiwillige Einlagen der Angestellten, einschließlich
des Arbeitspersonals, in beliebigen Beträgen nicht unter
M. 10können jederzeit gemacht werden.
Andere Kapitalien als Ersparnisse dürfen nur mit
besonderer Genehmigung der Geschäftsleitung in die
Geschäftssparkasse eingelegt werden.
Die Verzinsung geschieht vom Tage der Einlage
an; deren Höhe wird regelmäßig bekannt gemacht, und sie
beträgt gewöhnlich zwischen 5 und 6%. Die Zinsen werden
jährlich zur Zeit des Inventurabschlusses gutgeschrieben.
Bei entsprechenden Geschäftserträgnissen kann außer
den festgesetzten Zinsen noch eine Extradividende aus
dem Betrag des Guthabens an dem vorhergegangenen
Inventurabschlusse, soweit solches nicht zurückgezogen
worden ist, bestimmt werden.
Auszahlungen gutgeschriebener Zinsen und Rück
zahlungen selbst eingelegter Gelder erfolgen ohne Kün
digung jederzeit sofort an der Hauptkasse.
Anträge auf Ausbezahlung der freiwilligen Zuwen
dungen des Prinzipals sind unter eingehender Begrün
dung schriftlich an den Personalchef einzureichen.
Abänderungen und Zusätze zu diesen Bestimmungen
werden an den Aushängetafeln im Geschäftshause be
kannt gemacht und den Einlegern schriftlich mitgeteilt.
Stuttgart, im Januar 1905. £ Breuninger.