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Verzasca- und
Maggiagebiet
Sopra- und
Sottoceneri
überragt von drei Hügeln, auf denen die Burgen „Uri",
„Schwyz" und „Unterwalden", nach der ehemaligen
Herrschaft der drei Orte benannt, einst den Zugang zum
Gotthard bewachten. Die vom Tessin früher oft ver
heerte, gestrüppbewachsene Ebene unterhalb Bellinzona
kann jetzt nach den Korreklionsarbeiten allmählich zu
Kulturland umgewandelt werden. Aus den Tessiner
Alpen treten die reich verästelten, steilen Täler der
Verzasca und Maggia durch Schluchten zum Langensee
hinaus. Als reißende Wildwasser schleppen sie bei Föhn
regen gewaltige Schuttmassen talauswärts; die Maggia
hat ein halbkreisförmiges, strauchbedecktes Kiesdelta in
den See vorgeschoben und wird einst den obersten Teil
des Sees abtrennen, wie es durch die Adda aus dem
Veltlin am obern Comersee bereits geschehen ist. Haupt
orte des landschaftlich reizvollen Maggiatales sind Cevio
und Bignasco. In einem engen, felsigen Seitental
liegt der deutsche Ort Bosco, der allmählich der
Berwelschung entgegengeht. Durch das Tal von Cento-
valli führt die Straße nach Domodossola hinüber. In
milder, nebelfreier Lage und durch die größte Zahl
sonniger Tage ausgezeichnet, lehnt sich das alle Städt
chen Locarno an das Seeufer, immer mehr als Kurort
für den Winter- oder Frühlingsaufenthalt bevorzugt. In
mitten einer üppigen, südlichen Vegetation liegen weiter
seeabwärts Ascona und Brissago, dessen Bewohner
im Tabakbau und in der Zigarrenfabrikalion den Haupt
erwerb finden.
Südlich der Mündungsebene des Tessins trennt
der niedrige Zug des Monte Ceneri nach Größe, Boden-
gestalt, Volksdichte und Volksart ungleiche Gebiete des
Kantons, das Sopra- und Sottoceneri (ober- und
unterhalb des Ceneri). Im Sottoceneri erreichen die
Berggipfel eine geringere Höhe und machen in ihrem
Kleid aus Buschwald einen freundlicheren Eindruck als
das Gebirgsland am Tessin; immerhin steigen sie mit
steilen Halden aus den breiten, gut bebauten Tälern