Object: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

198 
England keine Sorge. Die Mittel derselben würden in den 
Händen der Privatinhaber und in natürlicher Gruppirung mehr 
leisten und besser verwaltet werden als unter dem dcrmaligoii 
Centralinstitut. Hier haben wir also beide Seiten einmal ver 
einigt. Auf der einen Seite will Ricardo im Interesse der 
Gesammthcit ein Zettelmonopol des Staats errichtet wissen; 
auf der andern Seite hält er für alle übrigen Bankgeschäfte es 
für sehr gleichgültig, ob eine grosse Centralbank für das Land 
durch Staatsprivilegien existiré, oder ob sich die Capitalion der 
Privattheilhaber dieser Bank in anderer Weise den Bank 
geschäften zuwenden. Er veranschlagt hiebei das ausserordent 
liche Eebergewicht, welches die Privilegien im Lauf der Zeit 
gcschaflbn haben, so gut wie gar nicht und schätzt die ganze 
Wirkungsfähigkeit scheinbar nach den Capitalien, falls nicht 
etwa der verschwiegene Hintergedanke zu berücksichtigen ist, 
dass die durch die Privilegien erwachsene und zur Zeit so zu 
sagen Natur und Sitte gewordene Macht in anderer Form in 
der Breite der bankgeschäftlichen Welt wieder auf leben und 
nur ihre Inhaber wechseln werde. Hiezu kommt noch, dass 
in diesem Plan nur von einlösbaren Zetteln die Rede ist, 
während Ricardo sonst das Princip aufgestellt hatte, es liesse sich 
bei gehöriger Beschränkung der Menge ein unoinlösbares, also 
recht billiges Umlaufsmittel in gleicher Geltung mit dem Metall 
schaffen und erhalten, Ueberhaupt wird mau Ricardos theo- 
retisirendes Verhalten in den verschiedensten Richtungen am 
besten begreifen, wenn man die sich überall bestätigende 
Voraussetzung fcsthält, dass er vornehmlich durch die Betrach 
tung von dem geleitet wurde, was ihm in seiner Geschäfts 
erfahrung unmittelbar eingeleuchtct, und wofür er eine Ait 
Instinct oder Tact mit Glück geltend gemacht hatte. Indem 
er die von dieser Seite her zu Gebote stehenden Vorstellungen 
mit den Anregungen des Smithschen Werks combinirte und 
dem Zuge seiner eignen abstracten Ideenfassung folgte, gelangte 
er zu jenen Erörterungen und Darstellungen, in denen der 
Mangel einer weiter tragenden und wirklich vollständigen 
Consequenz das zunächst am meisten Auffallende ist. Dieser 
Contrast der verhältnissmässig scharfen Zuspitzung des Ein 
zelnen und Naheliegenden mit dem Verzicht auf die Berück 
sichtigung des umfassenderen Zusammenhangs erklärt sich aus 
dem angedeuteten Standpunkt und aus dem unwillkürlichen
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.