Full text : Die Schweiz

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Verbreitung  der
Hausindustrie

Zweigen  kehrt  sich  das  Verhältnis  geradezu  um:  die
Landwirtschaft  ist  Hauptberuf,  die  Weberei  nur  Nebenverdienst, ­
  und  liegt  der  Frau  und  den  Töchtern  des
Hauses  ob.  Der  Bauer  sieht  diese  Hausindustrie  nicht
ungern;  die  Töchter  bleiben  in  der  Familie  und  sind
der  Notwendigkeit  enthoben,  ihren  Unterhalt  in  der
Stadt  zu  suchen.  In  den  Zeiten  der  dringenden  Landarbeit ­
  helfen  sie  als  billige  und  zuverlässige  Arbeitskräfte
aus  und  kehren  nachher  wieder  zum  Webstuhl  zurück.
Flauer  Geschäftsgang  macht  meist  zuerst  den  Hausindustrieüen
  arbeitslos.  Treibt  er  daneben  Landwirtschaft,
so  trifft  ihn  die  Not  nicht  so  hart,  wie  den  Arbeiter,
der  nur  auf  den  Fabriklohn  angewiesen  ist.  Von  einem
Weberelend,  wie  es  iin  schlesischen  Gebirge  in  der  Leinenweberei ­
  vorkommt,  ist  in  der  Schweiz  kaum  die  Rede.
Wenn  ein  Arbeiter  in  zwei  Berufsarten  tätig  ist,  so  liegt
allerdings  die  Gefahr  nahe,  daß  eine  oder  gar  beide  darunter ­
  leiden.  Die  bäuerlichen  Sticker  im  St.  Galler
Rheintal  und  im  Appenzell  vertauschen  häufig  den  feinen
Plattstich,  für  den  die  rauhen  Hände  nicht  recht  stanzen,-mit
  der  Kettenstich-  oder  Grobstickerei.  In  der  L-eiden-Hausweberei
  ist  die  Klage  fast  allgemein,  daß  kein  Fortschritt ­
  erzielt  wird;  die  Arbeiterinnen  betrachten  das
Weben  nur  als  Nebenverdienst  und  legen  keinen  großen
Lerneifer  an  den  Tag.
Die  Hausindustrie  ist  vorab  in  solchen  bäuerlichen
Gegenden  heimisch,  wo  Wiesenbau  und  Viehzucht  vorherrschen. ­
  Dagegen  fehlt  sie  meist  in  Landstrichen  mit
starkem  Ackerbau;  hier  sind  alle  Hände  und  mit  nur
geringer  Unterbrechung  in  der  Feldarbeit  beschäftigt.  So
besteht  folgendes  Verhältnis  zwischen  Industrie  und  Landbau: ­
  die  Flucht  der  Arbeitskräfte  nach  den  Industrieorten
  drängte  die  Landwirtschaft  zum  Futterbau  und  zur
Viehzucht;  diese  bewahrten  wiederum  einzelne  Hausindustrien ­
  vor  dem  Ruin.
            
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