Full text : Weltporto-Reform

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auf  auch  gar  keinen  Wert,  da  sie  ,,nach  einem  Verfassungsgrundsatz ­
  der  Vereinigten  Staaten  nicht  als
Finanzinstitut  angesehen  werden,  vielmehr  im  allgemeinen ­
  nur  ihre  Ausgaben  decken  soll“ 2 ).
Deshalb  arbeitet  sie  schon  etwa  ein  Jahrhundert  lang  fast
immer  mit  grossen  Fehlbeträgen 3 ),  und  sobald  einmal  Überschüsse ­
  eintreten,  werden  sogleich  Portoherabsetzungen
vorgenommen  oder  kostspielige  neue  Üostanlagen  und
Verbesserungen  geschaffen.  Das  Verwaltungsjahr  1906/07
weist  einen  Fehlbetrag  von  10,1  Millionen  Dollar  (42.4
Millionen  Mark)  auf.  Diese  hohen  Unterbilanzen  sind  die  Pegel,
namentlich  in  der  letzten  Zeit,  wo  der  unrentable  Landbestelldienst ­
  unter  Aufwendung  von  80  Millionen  Dollar  immer  weiter
ausgebaut  wurde.  Im  letzten  Jahrhundert  belaufen  sie  sich  vielleicht ­
  auf  eine  Milliarde  Mark.
Ob  ein  Postbetrieb  mit  dauerndem  Defizit  gerade  nachahmenswert ­
  sei,  darüber  lässt  sich  streiten;  aber  hier  ist  doch
der  Grundsatz,  dass  die  staatliche  Post  keine  Finanz-  und  Erwerbsanstalt, ­
  sondern  ein  gemeinnütziges  —  und  zugleich  indirekt ­
  viel  mehr  nützendes  —  Institut  sein  müsse,  aufs  schärfste
durchgeführt.
Auch  Stephan  („Gosch,  d.  preuss.  Post“,  S.  729),  der  die
fiskalischen  Interessen  nie  zu  kurz  kommen  liess,  hat  sich
zwar  nicht  gegen  Überschüsse,  aber  doch  gegen  zu  hohe  Überschüsse ­
  ausgesprochen,  wie  sie  z.  B.  unter  dem  preussischen
Generalpostmoister  von  Nagler  (im  Jahio  1825  etwa  33%  der
3 )  So  drückt  sich  Stephan  in  seiner  „Geschichte  der  preussischen
Post“  (S.  651)  über  das  amerikanische  Postwesen  aus.  In  der  Verfassung
selbst  habe  ich  freilich  eine  solche  Bestimmung  nicht  entdecken  können;
doch  der  erwähnte  Grundsatz  wird  von  jeher  dnrehgeführt  oder  noch  nicht
einmal  durchgeführt,  soweit  er  die  Deckung  betrifft.
3 )  Die  Post  der  Vereinigten  Staaten  hatte  in  dem  Jahrzehnt  von
1896—1905  ein  Betriebsdefizit  von  363,78  Millionen  Pranken,  wie
man  aus  der  Berner  Weltpoststatistik  feststellen  kann,  also  durchschnittlich ­
  im  Jahre  36,37  Millionen  Franken  oder  29  Millionen  Mark,
im  Jahre  1897  sogar  das  imposante  Defizit  von  57,62  Millionen  Franken,
auch  1904  und  1905  noch  je  53  Millionen  Franken  (=  42,4  Millionen  Mark).
Im  Laufe  des  19.  Jahrhunderts  hat  sie  jedoch  durchschnittlich  alle  10  Jahre
ihre  Einnahmen  vordoppelt.
            
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