Full text : Weltporto-Reform

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geschlossen,  dass  die  gegenwärtigen  Yerkehrsverhältnisse  eine
sprunghafte  Entwickelung  des  Briefportos,  wie  sie  von  interessierten ­
  Kreisen  befürwortet  wird,  Anlassen.  Ebenso  wie  der
Gedanke  des  alle  Völker  der  Erde  umfassenden  Weltpostvereins  lange  Jahre
zu  seiner  Durchführung  gebraucht  und  sich  nur  ganz  allmählich  Geltung
verschafft  hat,  darf  auch  im  Tarifwesen  nur  auf  eine  schrittweise  fortschreitende ­
  Ermässigung  der  Taxen  gerechnet  werden  ....  Dieser
Weg  ist  klar  vorgezeichnet:  allmähliche  Herabsetzung  und  Beseitigung ­
  oder  Ablösung  der  Transitgebühren  und  Hand  in  Hand
damit  Einführung  ermässigter  Taxen  zwischen  einzelnen
Ländern  und  deren  Zusammenschluss  zu  grösseren  Verbänden,
die  schliesslich  zu  einem  Ganzen  verschmolzen  werden.  Nur  auf
diesem  Wege  ist  das  Problem  der  Einführung  eines  10  Pf.-Weltbriefportos
  zu  lösen.“
Diese  Ausführungen  eines  im  Reichspostamt  tätigen
tüchtigen  deutschen  Fachmannes  wollen  berücksichtigt  werden,
wenn  man  sich  mit  dem  Weltpennyporto  auseinandersetzt  und
dabei  eine  andere,  weit  weniger  schwarzseherische  Auffassung
vertritt.  Ich  will  deshalb  auf  die  einzelnen  Punkte  kurz  eingehen.

1.  Es  ist  zuzugeben,  dass  die  Verkehrssteigerung  in  manchen
Ländern  geringer  sein  wird;  aber  andererseits  ist  anzunehmen,  dass  sie
gerade  im  mächtigen  täglichen  Verkehr  mit  den  wichtigen  Nachbarländern
grösser  und  schneller  sein  wird,  als  mit  den  fernen  überseeischen  Ländern
oder  Kolonialgebieten,  wobei  die  Sprache  und  die  Grösse  der  Handelsbeziehungen ­
  natürlich  mitspielen.
a)  Englands  Briefverkehr  (Briefe  und  Postkarten)  nach  Kanada
wuchs  von  1895  bis  1907  von  2,45  auf  14,28  Millionen  oder  um  492  %:  der
noch  viel  regere  Verkehr  nach  den  Vereinigten  Staaten  in  derselben  Zeit
aber  nur  von  10,18  auf  20,81  Millionen  Stück  d.  h.  bloss  um  105%.
Im  Verkehr  nach  Kanada  wurde  Ende  1898  das  Pennyporto  für
Briefe  eingeftthrt,  nach  den  Vereinigten  Staaten  aber  galt  unverändert  das
höhere  Porto  von  2%  d.  Man  sieht  also  den  gewaltigen  Unterschied!
Leider  gibt  die  englische  Statistik  nicht  für  alle  Jahre  die  Stückzahl  an.
Aber  sie  teilt  wenigstens  das  Gewicht  der  Briefe  und  Postkarten
für  die  andern  Jahre  mit.  Von  1898  (wo  das  Pennyporto  erst  am  25.  Dezember ­
  in  Kraft  trat)  bis  1906  wuchs  das  Quantum  nach  Kanada  um
321%  (von  69500  auf  291  000  engl.  Pfund),  nach  der  Union  aber  bloss
um  45,8  %  (von  296,100  auf  429  000  Lb).  (Vgl.  S.  147).  Das  gibt  doch  zu
denken!  Beachtenswert  war  nur,  dass  der  Verkehr  nach  so  fernen  Ländern
in  den  ersten  paar  Jahren  nicht  so  schnell  stieg,  vielleicht  weil  die  Bevölkerung ­
  sich  erst  an  die  Vorteile  der  Verbilligung  gewöhnen  muss  und
sie  im  Anfang  nicht  gleich  ausnützt.
            
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