Full text : Weltporto-Reform

Im  Spätsommer  1908  wandte  sicli  das  Sekretariat  des  Handelsvertragsvereins'an ­
  mich  mit  der  Aufforderung,  ihm  eine  Flugschrift
über  das  Weltpennyporto  zu  schreiben,  die  dazu  bestimmt  sein  sollte,
diesem  Gedanken  in  weitern  Kreisen  neue  Freunde  zuzuführen.  Allein  bei
nochmaliger  Durcharbeitung  des  inzwischen  weitvermehrten  Materials  fand
ich  so  viele  neue  Gesichtspunkte  und  Tatsachen,  dass  es  mir  nicht  möglich
war.  -die  Arbeit  rechtzeitig  und  in  der  gewünschten  Kürze  herzustellen,
zumal  da  ich  sie  auf  zu  breiter  Basis  begonnen  hatte  und  nach  und  nach
auch  zu  der  ernstlichen  Überzeugung  kam,  dass  den  herrschenden  Bedenken
der  Postverwaltungen  kaum  erfolgreich  oder  zwingend  begegnet  werden
könnte,  wenn  man  nicht  das  gesamte  Tatsachenmaterial  vorführte  und  in
all  die  strittigen  Einzelheiten  genau  einginge.  So  ist  statt  einer  Broschüre
ein  ganzes  Buch  entstanden.  Da  dem  Sekretariat  des  Handelsvertragsvereins ­
  aber  daran  lag,  eine  kurze  Broschüre  zu  haben,  so  stellte  ich  es
ihm  auf  seinen  Wunsch  frei,  nachdem  die  erste  Vereinbarung  auf  mein
Anerbieten  gelöst  worden  war  und  ich  den  Druck  selbst  übernommen  hatte,
aus  den  damals  bereits  gesetzten  sieben  Kapiteln  des  Buches  einen  Auszug ­
  zu  machen  und  in  begrenzter  Ausführlichkeit  andeutungsweise  oder
zum  Teil  auch  wörtlich  die  Hauptgesichtspunkte  meiner  grösseren  Arbeit
darin  wiederzugeben.  Ende  April  1909  ist  dieser  Auszug  unter  dem
Titel  „Welt-Pennyporto“  als  handelspolitische  Flugschrift  des
Handelsvertragsvereins  zu  Berlin  erschienen  (24  Seiten),  mit  einem
Hinweise  auf  die  Quelle.
Wie  der  Leser  sehr  bald  sehen  wird,  geht  der  Inhalt  des  vorliegenden ­
  Buches  weit  hinaus  über  den  engen  Kähmen  des
Titels.  Ich  hatte  zu  vielerlei  zu  sagen  und  hatte  auch  keine  Zeit,  um  —
kürzer  zu  sein.  Denn  die  Fülle  des  spröden  Stoffes,  der  die  ganze  Welt
umfasst,  war  nicht  leicht  zu  bewältigen.  Manche  wichtige  Dinge  werden
öfter  wiederholt,  wenn  der  Zusammenhang  es  erfordert.  Und  ich  meine,
das  kann  nichts  schaden,  auch  wenn  mir  das  vorgehalten  werden  sollte.
Ich  habe  die  Weltportofrage  unter  viele  neue  Gesichtspunkte
gerückt  und  sie  durch  neue  Tatsachen  und  neue  statistische  Ergebnisse ­
  in  einem  andern  Lichte  zeigen  wollen.  Dabei  hatte  ich  freilich
eine  schwere  Arbeit  zu  leisten,  um  zu  diesen  Ergebnissen  zu  gelangen.
Ich  habe  mich  dabei  aber  besonderer  Sorgfalt  befleissigt  und  mich
an  zuverlässige  amtliche,  womöglich  ursprüngliche  Quellen  gehalten,  soweit
das  anging.  Um  anderen  Forschern  die  Nachprüfung  zu  erleichtern,  habe
ich  diese  meine  Quellen,  vorzugsweise  bekanntere  und  leichter  zugängliche
amtliche  und  halbamtliche  deutsche  Quellen,  stets  angegeben.  Die  statistischen ­
  Zahlen,  die  ich  gewonnen  habe,  werfen,  wie  gesagt,  viele  wichtige
neue  Schlaglichter  auf  die  ganze  Frage,  die  dadurch  eigentlich  zum  erstenmal ­
  hier  wissenschaftlich  geklärt  vorgeführt  wird.
In  vielen  Punkten  weiche  ich  ab  von  der  oft  sehr  grossen  finanziellen
Bedenklichkeit  mancher  Postverwaltungen.  Ich  habe  mich  bemüht,  alle
Argumente  unbefangen  und  selbständig  neu  zu  prüfen  und  mich  nicht  auf
            
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