210
noch, weitergehende Ausnahmebefagnisse erhalten (über 15 Centimes
hinaus). Doch wäre es gar kein Unglück, wenn der Auslandstarif
dort zeitweilig billiger wäre als der innere. Denn
damit würde die notwendige Reform des Inlandstarifs nur beschleunigt
werden.
3. Eine weitere Möglichkeit bliebe die, dass der Kongress
etwa beschlösse, zunächst auf 20 Centimes herunterzugehen,
dann 2 Jahre später auf 15 Centimes und noch
2 Jahre später auf 10 Centimes.
Allein diese Massregel würde für einige Zeit eine gewisse
Unbeständigkeit festlegen und vielleicht auch unbequeme neue
Briefmarkenherstellungen veranlassen. Zugleich fragt sich, ob
sie finanziell vorteilhafter wäre als eine radikale Portoherabsetzung
auf 10 Centimes.
4. Eine naheliegende Möglichkeit wäre es ferner, einstweilen
die allgemeine Portoherabsetzung auf die angrenzenden
oder nahen Nachbarländer zu beschränken,
also Kreis- oder Ring-Postvereine zu bilden, wie ich das
nennen möchte.
Schon der Umstand, dass in diesen Fällen kein Transitporto
zu zahlen ist, spräche dafür.
Allein die finanziellen Vorteile, die man von diesem Vorgehen
vielleicht erwarten möchte, würden in der Regel nicht
gross sein, wie man aus meinen Berechnungen (S. 167, 172, 194)
ersehen kann. Das gilt besonders für die Länder Europas.
Denn die Hauptausfälle, die entstehen könnten, kommen
gerade vom Verkehr mit den Nachbarländern, weil dieser bei
weitem der grösste Verkehr zu sein pflegt.
Aus Deutschland (mit Bayern und Württemberg) gingen
1907 188,4 Millionen frankierte Briefe nach dem Ausland, die
Postvereinsländer mit einbegriffen. 110,4 Millionen oder 58,4%
gingen aber nach dem postalischen Ausland und waren noch
dem Weltporto von 25 Centimes unterworfen.
Von diesen kamen 103,4 Millionen oder 55 % auf Europa
und nur 7,3 Millionen oder 3,8 % auf die aussereuropäischen
Weltteile (die Vereinigten Staaten nicht mitgerechnet). 66,5 Millionen
oder 35 % gingen allein nach den an Deutschland angrenzenden
Ländern (ohne die jetzigen Postvereinsländer).