Full text : Weltporto-Reform

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noch,  weitergehende  Ausnahmebefagnisse  erhalten  (über  15  Centimes ­
  hinaus).  Doch  wäre  es  gar  kein  Unglück,  wenn  der  Auslandstarif ­
  dort  zeitweilig  billiger  wäre  als  der  innere.  Denn
damit  würde  die  notwendige  Reform  des  Inlandstarifs  nur  beschleunigt ­
  werden.
3.  Eine  weitere  Möglichkeit  bliebe  die,  dass  der  Kongress
etwa  beschlösse,  zunächst  auf  20  Centimes  herunterzugehen, ­
  dann  2  Jahre  später  auf  15  Centimes  und  noch
2  Jahre  später  auf  10  Centimes.
Allein  diese  Massregel  würde  für  einige  Zeit  eine  gewisse
Unbeständigkeit  festlegen  und  vielleicht  auch  unbequeme  neue
Briefmarkenherstellungen  veranlassen.  Zugleich  fragt  sich,  ob
sie  finanziell  vorteilhafter  wäre  als  eine  radikale  Portoherabsetzung ­
  auf  10  Centimes.
4.  Eine  naheliegende  Möglichkeit  wäre  es  ferner,  einstweilen ­
  die  allgemeine  Portoherabsetzung  auf  die  angrenzenden ­
  oder  nahen  Nachbarländer  zu  beschränken,
also  Kreis-  oder  Ring-Postvereine  zu  bilden,  wie  ich  das
nennen  möchte.
Schon  der  Umstand,  dass  in  diesen  Fällen  kein  Transitporto ­
  zu  zahlen  ist,  spräche  dafür.
Allein  die  finanziellen  Vorteile,  die  man  von  diesem  Vorgehen ­
  vielleicht  erwarten  möchte,  würden  in  der  Regel  nicht
gross  sein,  wie  man  aus  meinen  Berechnungen  (S.  167,  172,  194)
ersehen  kann.  Das  gilt  besonders  für  die  Länder  Europas.
Denn  die  Hauptausfälle,  die  entstehen  könnten,  kommen
gerade  vom  Verkehr  mit  den  Nachbarländern,  weil  dieser  bei
weitem  der  grösste  Verkehr  zu  sein  pflegt.
Aus  Deutschland  (mit  Bayern  und  Württemberg)  gingen
1907  188,4  Millionen  frankierte  Briefe  nach  dem  Ausland,  die
Postvereinsländer  mit  einbegriffen.  110,4  Millionen  oder  58,4%
gingen  aber  nach  dem  postalischen  Ausland  und  waren  noch
dem  Weltporto  von  25  Centimes  unterworfen.
Von  diesen  kamen  103,4  Millionen  oder  55  %  auf  Europa
und  nur  7,3  Millionen  oder  3,8  %  auf  die  aussereuropäischen
Weltteile  (die  Vereinigten  Staaten  nicht  mitgerechnet).  66,5  Millionen ­
  oder  35  %  gingen  allein  nach  den  an  Deutschland  angrenzenden ­
  Ländern  (ohne  die  jetzigen  Postvereinsländer).
            
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