Full text : Weltporto-Reform

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Von  der  Stockung  der  Briefposteinnahmen  ausgehend,  während  die
Einnahmen  der  Postkutsche  sich  in  derselben  Zeit  reichlich  verdoppelten,
schliesst  Hill  auf  die  hohe  Portotaxe  als  Ursache.  Aber  die  Einnahmeverluste
seien  hei  Weitem  nicht  ihr  schlimmster  Nachteil.  „Wenn  man  bedenkt“,
so  schreibt  er,  „wie  sehr  der  religiöse  (!),  moralische  und  intellektuelle
Fortschritt  der  Nation  beschleunigt  würde  durch  einen  unbehinderten  Verkehr ­
  von  Briefen  und  vieler  wohlfeiler  und  trefflicher  unpolitischer  Schriften
der  Gegenwart,  so  gewinnt  die  Post  den  neuen  und  wichtigen  Charakter
eines  mächtigen  Werkzeugs  der  Zivilisation  (a  powerful  engine  of  civilization),
das  geeignet  wäre,  einen  hervorragenden  Teil  des  grossen  Werkes  der  Volks-Erziehung
  zu  vollenden,  aber  jetzt  schwach  und  unwirksam  gemacht  wird
durch  verkehrte  fiskalische  Anordnungen“  (erroneous  financial  arrangements)-Er
  versuchte  nun  weiter  die  Selbstkosten  der  englischen  Post  für  die
Briefbeförderung  zu  berechnen.  Für  alle  Sendungen  ergaben  sich  durchschnittlich ­
  84/,oo  Penny  (etwa  7  Pf.),  wovon  aber  nur  1 / 8  auf  die  eigentliche
Beförderung  und  2 / 3  auf  Schalterdienst,  Austragung  und  Portoeinziehung
kamen.  Für  die  Beförderung  eines  Briefes  im  besonderen  ergaben  sich  nur
°/ 100  Penny  ( 3 / 4  Pf.)  Selbstkosten.  Auf  der  400  engl.  Meilen  (640  km)  langen
Strecke  London—Edinburg  waren  die  Selbstkosten  für  die  Beförderung
eines  Briefes  nur  Vao  Penny  (knapp  */ 4  Pf.)
Er  schloss  daraus,  dass  im  Massenverkehr  der  Briefe  die.  Länge  der
Beförderungsstrecke  für  den  einzelnen  Brief  ganz  belanglos  (absolutely
insignificant)  sei  und  eine  Verkehrszunahme  die  Kosten  verhältnismässig
noch  verbilligen  würde.
Die  Festsetzung  des  Portos  nach.  Entfernungsstrecken  erschien  ihm
daher  grundsätzlich  unbegründet  und  verfehlt,  obwohl  scheinbar  ganz
vernünftig,  und  so  kam  er  dazu,  einen  von  der  Entfernrrng  ganz  unabhängigen ­
  einheitlichen  Portotarif  (a  single  uniform  rate)  vorzuschlagen, ­
  ohne  die  kostspielige,  zeitraubende  und  umständliche  Portobereohnung
  bei  der  Auflieferung  am  Schalter  und  ohne  die  nachträgliche
Portoerhebung  vom  Empfänger,  also  mittels  Vorausbezahlung  oder
Frankierung,  die  bei  einem  gesteigerten  Massenverkehr  zur  Notwendigkeit
würde.  Er  empfahl  dazu  Stempelbogen  (a  tell-tale  stamp)  oder  Stempelkuverts, ­
  die  schon  der  Buchhändler  Knight  für  Zeitungen  vorgeschlagen ­
  hatte.
Als  Briefporto  setzte  er  einheitlich  einen  Penny  (S'/s  Pf-)
für  die  Unze  (28,34  g)  im  Verkehr  des  ganzen  Landes  von  Postptt
  zu  Postort  fest  und  1 j 3  Penny  (4,25  Pf.)  für  jede  weitere  halbe
Unze.  Später  begnügte  er  sich  aber  auch  für  die  erste  Gewichtsstufe  mit
einer  halben  Unze  (1  Penny).
Er  hielt  eine  Verkehrssteigerung  um  das  fache,  wie  ihm
zur  Deckung  des  Ausfalles  nötig  erschien,  für  mindestens  wahrscheinlich,
da  zugleich  die  arg  missbrauchte  Portofreiheit  abgeschafft  werden  und
dem  gewaltigen  Brief  Schmuggel  durch  ein  billiges  Pennyporto  der  Boden
entzogen  werden  sollte.  Dieser  Schmuggel  blühte.  Bei  Eröffnung  der
Dampferverbindung  nach  New-York  fanden  sich  z.  B.  im  amtlichen  Brief-
            
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