Das neue Porto gilt auch für Briefe, die auf direkt verkehren
den deutschen Postdampfern zwischen Deutschland und Amerika auf
hoher See nach einem der beiden Länder aufgegehen werden.
Von Hawaii, das den einverleibten amerikanischen Territorien der
Union zugehört, konnte man eigentlich annehmeu, dass es auch diesem
Postverein mit Deutschland angehöre. Doch ist das erst vom 1. August 1909
ab der Pall („Dtsch. Verk.-Ztg.“, 1909, Nr. 30, S. 406.).
Die „Deutsche Verkehrs - Zeitung“ wies nun zur Begründung der
Beschränkung auf die Briefe des direkten Seeverkehrs zwischen Deutsch-
and und Amerika auf die Transitgebühren hin. Beim direkten
Verkehr zahle man bloss die Seetransitgebühren oder Vergütungen an die
Schiffahrtsgesellschaften, beim Verkehr über Holland und England oder über
Belgien und Frankreich aber noch die Landtransitgebühr für zwei
Länder, also 3 Franken (2,40 M) für jedes Kilogramm Briefe, so dass auf
jeden durchschnittlich 13,6 g schweren Brief 4,08 Centimes oder
3,26 Pf. kämen. Die Seetransitgebühr aber mache durchschnitt
lich 4,89 Pf. für den Brief (teils 4, teils 5 Fr. für 1 kg). So kommen
also beim direkten Seeverkehr 4,89 Pf., beim Weg über Belgien und Frank
reich (Cherbourg etc.) aber noch 3,26 Pf. mehr, zusammen also 8,15 Pf.
Transitgebühr arrf jeden Brief nach Amerika. Bei einem Porto
von insgesamt 10 Pf. behalte die Post im ersteren Falle doch noch 5,11 Pf.
Leitvermerk des Absenders massgebend. Es empfiehlt sich, dass die
Briefe von den Absendern mit einem Leitvermerk, z. B. „über Frankreich
oder England“, „schnellster W T eg“, „über Bremen oder Hamburg“,
„direkter Weg“ versehen werden . . . Briefe nach den Vereinigten
Staaten ohne Leitvermerk des Absenders sind, wenn der in Frei
marken verrechn ete Betrag über den Betrag des Frankos für den direkten
Weg hinausgeht, auf dem schnellsten W 7 ege, bei geringerer Frankierung
oder im Falle der Nichtfrankierung auf dem direkten Wege abzusenden.“
Die „Deutsche Verkehrs-Zeitung“ (1909, Nr. 3 vom 15. Januar, S. 25)
berichtete: „Dem am 5. d. M. (Januar) von Bremerhaven abgegangenen
Dampfer „Prinz Friedrich Wilhelm“, dem ersten, mit dem die' nach dem
ermässigten Satze von 10 Pf. für je 20 g frankierten Briefe nach den Ver
einigten Staaten von Amerika befördert werden konnten, sind 2'6 Post
säcke nach den Vereinigten Staaten, die etwa 35 000 Briefe enthielten,
zugeführt worden. Unter den früheren Verhältnissen wären mit diesem
Dampfer, der von einem später von Southampton abgehenden Dampfer der
American Line überholt wird, überhaupt keine Briefe zu befördern gewesen.“
Im Publikum glaubte man übrigens vielfach irrtümlich, dass auch für
andere Sendungen, als Briefe, eine Portoermässigung Platz gegriffen habe,
denn es waren in den ersten Januartagen aus allen Teilen Deutschlands
4000 Postkarten beim Bremer Postamt 1 (für Amerika) eingegangen, die
statt mit 10 Pf. nur mit 5 Pf. frankiert waren. So weit sind wir jedoch
noch nicht