Full text : Weltporto-Reform

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2  Cents  für  jede  Unze  sind,  wie  erwähnt,  zugleich  das  innere  Porto
der  Union,  in  Deutschland  dagegen  10  Pf.  für  20  g  und  20  Pf.  für  250  g.
Die  Schnellpostdampfer  des  Norddeutschen  Lloyd  fahren  in  etwa
7  Tagen  von  Bremerhaven  nach  New  York  (über  Southampton  und  Cherbourg),
die  Schnelldampfer  der  Hamburg-Amerika-Linie  von  Cuxhaven  ebenso  in
7—9  Tagen,  während  die  langsameren  Dampfer  beider  Gesellschaften
10—12  Tage  brauchen.  Diese  Seestrecke  Bremerhaven—New  York  ist
3611  Seemeilen  (=  6687  kml,  die  Eoute  Cuxhaven—New  York  3609  Seemeilen ­
  lang,  der  südliche  Kurs  sogar  noch  um  etwa  00  Seemeilen  länger,
dagegen  die  direkte  Fahrt  Bremerhaven—New  York  3470—3590  Seemeilen.
Die  Bremer  Schnelldampfer  fahren  nach  dem  Sommerfahrplan  alle  Woche,
ebenso  die  Hamburger.  Gewöhnlich  fährt  ein  Hamburger  Schnelldampfer
immer  zwei  Tage  nach  einem  Bremer  Dampfer,  dann  nach  fünf  Tagen
wieder  ein  Bremer  und  zwei  Tage  später  wieder  ein  Hamburger.  Wenn
dieser  eben  abgegangen  ist  und  dann  ein  Brief  mit  einem  langsameren
Dampfer  (10—-12  Tage  Fahrt)  mitgeht,  so  kommt  er  in  der  Regel  wohl
besser  weg,  als  wenn  er  fünf  Tage  liegen  bleibt.  Die  deutsche  Reichspost
wird  auch  für  Briefe  im  direkten  Seeverkehr  nach  New  York  stets  die
schnellste  Verbindung  wählen,  doch  nötigenfalls  mit  Bummeldampfern,
wenn  diese  früher  ankommen.  Im  Winter  fahren  die  Postdampfer  allerdings ­
  seltener.  Die  „Leitübersicht“  der  Reichspost  für  den  üeberseeverkehr
gab  für  Januar  nnd  Februar  1909  (S.  28)  folgende  Abfahrtstermine  für  den
direkten  Seeverkehr  mit  ermässigtemBriefporto  von  Cuxhaven  (C.)  und  Bremerhaven ­
  (B.)  nach  New  York  an;  den  5.  Januar  (von  B.),  9.  (von  0.),  16.  (O.),
19.  (B.),  26.  (C.),  2.  Februar  (B.),  6.  (C.),  9.  (B.),  16.  (B.),  20.  (B.),  27.  (C.),
9.  März  (B.).  Mit  Ausnahme  des  9.  Februar  boten  die  übrigen  Dampfer  (seit
dem  2.  Februar)  zugleich  die  schnellste  Beförderungsgelegenheit.  Das  macht
etwa  6  Fahrten  im  Monat.  Im  Sommer  sind  es  9  Fahrten  monatlich.
Die  halbamtliche  „Deutsche  Verkehrs-Zeitung“  (1908,  Nr.  50  [vom
11.  Dezember],  S.  623—625)  teilte  übrigens  in  einem  längeren  Artikel  über
diese  Portoherabsetzung  mit,  dass  es  die  deutsche  Regierung  war,  die  die
Initiative  zu  diesem  Abkommen  mit  Amerika,  das  ja  seine  Geneigtheit
schon  früher  einmal  bekundet  hatte  (vergl.  S.  8  n.  9),  ergriffen  hätte,  schon
im  Sommer,  gleich  nachdem  das  englisch-amerikanische  Abkommen  bekannt
wurde  (am  3.  Juni).  Das  ist  sicherlich  dankbar  anzuerkennen,  schon  im
Hinblick  auf  die  Tragweite  der  Massregel.
Es  kann  auch  nicht  weiter  verwunderlich  sein,  wenn  England  diesen
bemerkenswerten  Schritt  zuerst  machte,  da  in  der  Union  ein  meist  gleichsprachiges
  grosses  Volk  lebt,  von  dem  doch  nur  ein  kleiner  Teil  deutsch
ist  (2,6  Millionen  reichsgebürtige  Deutsche  und  7—8  Millionen  überhaupt
deutscher  Herkunft).
Auch  dagegen,  dass  zunächst  nur  die  Briefe  des  direkten  Seeverkehrs
das  wohlfeile  Porto  gemessen,  hätte  ein  Durchschnittsbriefschreiber  nicht
viel  einzuwenden.  Diese  Einschränkung  ist  übrigens  von  der  amerikanischen
Verwaltung  vorgeschlagen  worden,  und  zwar  um  an  Transitgebühren
zu  sparen.
            
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