Full text: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

102 
Für unser Volk und unsere Volkswirtschaft hat eine solche 
Entwicklung die ungünstigsten Folgen. Der Mensch bedarf zu 
seiner Ernährung einer gewissen Menge Fett. Insbesondere 
mutz den körperlich schwer arbeitenden Volkskreisen das zur Er 
setzung der verbrauchten Körperkraft Notwendige unbedingt zu 
geführt werden. Einerseits um ihre Gesundheit nicht zu ge 
fährden, andererseits um sie fähig zu erhalten, dauernd ihre 
Arbeit verrichten zu können. Die Arbeiter werden jetzt während 
des Krieges durchweg in einer Weise angespannt, daß sie einer 
kräftigen Nahrung dringend bedürfen. Ganz besonders ist das 
im Bergbau der Fall. Hier soll mit möglichst wenigen Kräften 
viel gefördert werden. Wird nicht für eine ausreichende Er 
nährung der Bergarbeiter gesorgt, so wird die Produktion 
leiden. Die Bergarbeiter müssen unter ihrer Arbeit zusammen 
brechen und ist eine dauernde Schädigung ihrer Gesundheit 
sowie auch der Gesundheit ihrer Angehörigen zu befürchten. 
Diese Schäden müssen unbedingt verhindert werden. 
Wir bitten deshalb um geeignete Matznahmen, damit die 
vorhandenen Fleisch- und Fettvorräte nicht von den besitzenden 
und vielfach weniger arbeitenden Klassen in übermätziger Weise 
und allein verbraucht werden, sondern auch der ärmeren, schwer 
arbeitenden Bevölkerung das zu ihrer Ernährung und zur Er 
haltung ihrer Arbeitskraft notwendige Quantum zugeführt 
wird. 
Die von der Reichsrcgierung angekündigten Maßnahmen 
betr. Herbeischaffung billigerer Kartoffeln entheben uns der 
Notwendigkeit, auf diese Angelegenheit heute näher einzugehen. 
Wir möchten indessen nochmals den dringenden Wunsch aus- 
svrechen. daß die angekündigte Kartoffelversorgung möglichst 
schnell zu billigen Preisen erfolgt. 
Mit vorzüglicher Hochachtung! 
(Unterschriften.) 
* * 
Am 13. Oktober wurde diese Eingabe von einer Deputation 
der vier Verbände dem Reichsamt des Innern in Berlin über 
reicht und noch näher begründet. Der Lebensmittelwucher er 
fuhr hierbei eine scharfe Kritik, auch wurden andere Beschwerden 
der Bergarbeiter vorgetragen. 
Der Regierungsvertreter gab das Versprechen ab, daß die 
Regierung die Beschwerden und die überreichte Eingabe sehr 
ernstlich beachten würde.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.