Full text: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

— 16 — 
Auch aus dem Revier Recklinghausen wird be 
richtet, daß die Lohnkürzungen darauf zurückzuführen sind, weil 
nichts mehr zugeschrieben wird, wie das bisher immer der Fall 
war. Jugendliche, die jetzt unter Tage beschäftigt werden, er 
halten auch dort nur 1,50 Mk, pro Schicht, es ist ihnen aber 
Zulage versprochen worden. 
Vom Revier Herne wird namentlich auf der Zeche 
Friedrich der Große I/lI über unerhört viele und hohe 
Strafen geklagt. So wird uns berichtet, daß auf letzterer Zeche 
am 22. September bei den 'Kohlennummern 269, 277 und 288 
je 6 und 12 Wagen „genullt" worden sind. Wenn zwei bis vier 
Wagen „genullt" würden, so rege sich schon niemand mehr auf. 
Die Kohlennummer 366 sei elfmal, die Numer 368 neunmal 
und die Nummer 606 siebzehnmal bestraft. 
Wegen nicht genügend geladener Wagen wurden am 22. Sep 
tember 121 Mann mit je 1,60 Mk. bestraft, am 26. September 
waren es 71 und am 29. September wieder 121 Mann. Weil 
sie Befehle nicht befolgt hätten, seien am 22., September 13 
Mann mit 3 Mk. und 8 Mann mit 2 Mk. bestraft, ferner seien 
mit 23. September 88 Mann, am 24. September 48 Mann und 
am 26. September sogar 101 Mann mit 2 und 3 Mk. aus dem 
selben Grunde bestraft. So wird uns berichtet. Eine gründliche 
Untersuchung wäre dort am Platze. Denn ist es so, wie die Berg 
leute uni schreiben, so ist das unerträglich und gründliche Ab 
hilfe nötig. 
Im Revier B o ch n m Nord auf Zeche Präsident ist 
die Schichtzett für Tagesarbeiter und Jugendliche auch von 8 
auf 11 Stunden erhöht worden, deren Lohn wurde aber um 
60 bis 80 Pf. erhöht. 
Auf Zeche Lothringen IV hat man sogar kürzlich Leute 
wegen ihren religiösen Ansichten gekündigt, trotzdem der Kaiser 
in seiner bekannten Rede wünschte, daß politische und religiöse 
Unterschiede jetzt keine Rolle spielen sollen. Aber gerade zur 
Kriegszeit tut Zeche Lothringen das Gegenteil. 
Auch in den Revieren Dortmund I, II und III ist 
auf den Zechen G l ü ck a u f - T i e f b a u, W i e n d a h I s b a n k, 
Freie Vogel und Tremonia die Schichtzeit für Tages 
arbeiter auf 12 Stunden verlängert worden, ohne den Lohn zu 
erhöhen. Auf Wiendahlsbank wurde deshalb der Arbeiteraus 
schuß vorstellig, es ist dann zugesagt worden, diese Tagesarbeiter 
sollen mehr haben. 
Jugendliche unter 16 Jahren sind auch in diesen Revieren 
unterirdisch beschäftigt für 1,20 bis 1,50 Mk. Lohn pro Schicht. 
Auf Wiendahlsbank haben diese Jungens nach dem Lohntag
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.