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Auch aus dem Revier Recklinghausen wird be
richtet, daß die Lohnkürzungen darauf zurückzuführen sind, weil
nichts mehr zugeschrieben wird, wie das bisher immer der Fall
war. Jugendliche, die jetzt unter Tage beschäftigt werden, er
halten auch dort nur 1,50 Mk, pro Schicht, es ist ihnen aber
Zulage versprochen worden.
Vom Revier Herne wird namentlich auf der Zeche
Friedrich der Große I/lI über unerhört viele und hohe
Strafen geklagt. So wird uns berichtet, daß auf letzterer Zeche
am 22. September bei den 'Kohlennummern 269, 277 und 288
je 6 und 12 Wagen „genullt" worden sind. Wenn zwei bis vier
Wagen „genullt" würden, so rege sich schon niemand mehr auf.
Die Kohlennummer 366 sei elfmal, die Numer 368 neunmal
und die Nummer 606 siebzehnmal bestraft.
Wegen nicht genügend geladener Wagen wurden am 22. Sep
tember 121 Mann mit je 1,60 Mk. bestraft, am 26. September
waren es 71 und am 29. September wieder 121 Mann. Weil
sie Befehle nicht befolgt hätten, seien am 22., September 13
Mann mit 3 Mk. und 8 Mann mit 2 Mk. bestraft, ferner seien
mit 23. September 88 Mann, am 24. September 48 Mann und
am 26. September sogar 101 Mann mit 2 und 3 Mk. aus dem
selben Grunde bestraft. So wird uns berichtet. Eine gründliche
Untersuchung wäre dort am Platze. Denn ist es so, wie die Berg
leute uni schreiben, so ist das unerträglich und gründliche Ab
hilfe nötig.
Im Revier B o ch n m Nord auf Zeche Präsident ist
die Schichtzett für Tagesarbeiter und Jugendliche auch von 8
auf 11 Stunden erhöht worden, deren Lohn wurde aber um
60 bis 80 Pf. erhöht.
Auf Zeche Lothringen IV hat man sogar kürzlich Leute
wegen ihren religiösen Ansichten gekündigt, trotzdem der Kaiser
in seiner bekannten Rede wünschte, daß politische und religiöse
Unterschiede jetzt keine Rolle spielen sollen. Aber gerade zur
Kriegszeit tut Zeche Lothringen das Gegenteil.
Auch in den Revieren Dortmund I, II und III ist
auf den Zechen G l ü ck a u f - T i e f b a u, W i e n d a h I s b a n k,
Freie Vogel und Tremonia die Schichtzeit für Tages
arbeiter auf 12 Stunden verlängert worden, ohne den Lohn zu
erhöhen. Auf Wiendahlsbank wurde deshalb der Arbeiteraus
schuß vorstellig, es ist dann zugesagt worden, diese Tagesarbeiter
sollen mehr haben.
Jugendliche unter 16 Jahren sind auch in diesen Revieren
unterirdisch beschäftigt für 1,20 bis 1,50 Mk. Lohn pro Schicht.
Auf Wiendahlsbank haben diese Jungens nach dem Lohntag