Full text : Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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Ein  allgemeiner  Rückgang  der  Durchschnittslöhne,  ist  auch  dort
zu  beobachten.
Tie  Kohlenpreise  sind  teilweise  noch  gesteigert.  Die  Löhne
fallen  gewaltig,  die  Lebensmittel  werden  bedeutend  teurer  und
fast  in  jeder  Familie  gibt  es  Angehörige  zu  unterstützen,  weil
der  Ernährer  ini  Felde  steht.  Die  meisten  Zechen  haben  mit
den  Arbeitern  vereinbart,  allmonatlich  Opfer  für  die  Familien
der  Kriegsteilnehmer  zu  bringen.  Wenn  aber  die  Löhne  bei
der  Teuerung  so  gewaltig  zurückgeschraubt  werden,  können  viele
Arbeiter  nicht  mehr  auskommen.  Opfer  für  die  Familien  der
Krieger  zu  bringen,  sind  sie  dann  nicht  mehr  tu  der  Lage.  Das
alles  trägt  dazu  bei,  Unzufriedenheit  und  Mißstimmung  zu  erzeugen, ­
  die  bereits  so  weit  gesteigert  waren,  daß  man  uns  mit
Streik  drohte,  wenn  nicht  Abhilfe  geschaffen  wird.
Wir  bitten  deshalb  Ew.  Erzellenz,  bei  den  Arbeitgebern
durchzusetzen,  daß  nicht  mehr  die  Unzufriedenheit  durch  Lohnkürzungen, ­
  Schichtverlängerungen  usw.  gesteigert  wird.  Die
Zechen  haben  in  letzter  Zeit  fast  durchweg  sehr  reiche  Gewinne
abgeworfen,  so  daß  die  Unternehmer  jetzt  ,  meist  ganz  gut  ein
Opfer  bringen  können.  Die  Kohlen  gehen  noch  gut  ab.  Der
Staat,  das  Reich  sind  gut  zahlende  Abnehmer,  weshalb  auch
die  Arbeiter  über  die  jetzige  Verschlechterung  ihrer  Lage  ganz
besonders  unzufrieden  sind.  Es  gibt  ja  auch  eine  ganze  Anzahl
Zechen,  die  keine  Lohnkürzungen  vornahmen.  Es  geht  demnach,
wenn  nur  der  gute  Wille  da  ist.  Wir  wären  Ew.  Erzellenz  sehr
dankbar,  wenn  es  durch  energisches  Eingreifen  gelänge,  diejenigen ­
  Werke,  die  Verschlechterungen  vorgenommen  haben,  davon ­
  abzubringen.
Aber  nicht  nur  im  Ruhrrevier  geht  man  mit  Lohnreduzierungen
  und  Schichtverlängerungen  vor,  sondern  auch  in  anderen
preußischen  und  deutschen  Revieren  ist  das  der  Fall.  So  in
N  i  e  d  e  r  s  ch  leiten,  wie  ich  am  25.  September  schon  mündlich
mit  berichtete.  Durch  einen  Schlepperstreik  ist  eine  Lohnkürzung
in  Hermsdorf  bereits  beigelegt.  Die  Unterbeamten  sollten  sie
selbständig  und  irrtümlich  angekündigt  haben.  Darüber,  ob  das
glaubhaft  ist,  wollen  wir  kein  Wort  weiter  verlieren.  Die  Sache
ist  beigelegt  und  das  genügt.  Ebenso  ist  der  Streit  im  Nenloder
  Revier,  wo  Ueberschichtenzwang  zu  Differenzen  führte,  beigelegt. ­
  Aber  im  allgemeinen  wird  noch  in  beiden  Revieren  über
Lohnherabsetzungen  geklagt.  Namentlich  darüber,  daß  man  die
Abschlagszahlung  herabsetzt  und  die  bisher  wöchentliche  Abschlagszahlung ­
  in  eine  monatliche  umgewandelt  hat.  Wir  bitten
dringend,  den  so  schon  am  schlechtbezahltesten  Kohlenbergleuten
Niederschlesiens  beizustehen.
            
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