IX. Englisch-amerikanische Handelsbeziehungen. 115
Handel unternommen werden sollten. Die folgenden beiden Bei
spiele werden den Unterschied zwischen dem Schutzzoll in England
und Amerika am besten veranschaulichen. Während des Union
krieges wurde das amerikanische Volk aufgeregt und verletzt durch
die Feindschaft, nicht des englischen Volkes, wohl aber der engli
schen Regierung. Wir Amerikaner waren entschlossen, den Ge
brauch britischer Erzeugnisse so viel wie möglich' einzuschränken
und ganz besonders, uns von der britischen Stahl- und Eiseneinfuhr,
diesem vorzüglichsten Material für Kriegszwecke, unabhängig zu
machen; zumal bei Englands kriegerischer Haltung in der Alabama
angelegenheit Krieg zwischen den beiden Ländern seinerzeit keines
wegs so unmöglich war, wie es heute — den Götten sei Dank — ist.
Solches sind die Folgen von allem den Völkern angetanen
Unrecht; dieses bringt Wiedervergeltung; und jeder auf solche
Art erworbene Feind bildet eine dauernde Explosionsgefahr. Die
Alabamafrage gab uns einen dreißig Jahre lang ununterbrochenen
Schutz; sie setzte uns instand, nunmehr Großbritannien erfolgreich
mit unserem Stahl innerhalb seiner eigenen Grenzen zu bekämpfen.
Bis dahin war unsere Stahlfabrikation erfolglos. 30 Prozent Ab
gaben wurden dafür gefordert und gezahlt. Alle kennen das
Resultat: wir Amerikaner können jetzt nicht nur billigeren Stahl
machen als irgendein anderes Volk der Welt, Großbritannien mit
eingeschlossen; es ist auch gewiß, daß heutzutage ein großer Teil
der ganzen Welt von Amerika aus mit Stahl versorgt wird. In
Amerika wird gegenwärtig zweifellos der beste Stahl auf der ganzen
Erde erzeugt. Nun, wir denken, daß in diesem Falle der gewährte
Schutzzoll, welcher übrigens bereits auf ein viertel des ursprüng
lichen Zolles reduziert ist, durchaus gerechtfertigt war. Nehmen wir
einen anderen Fall: Immer werden die Fähigsten ihre Anstrengun
gen darauf richten, den materiellen Fortschritt ihres Volkes durch
Einführung neuer Industriezweige zu fördern. Beispielsweise lebte
man bei uns in der Hoffnung, daß bei zeitweisem, ausreichendem
Schutzzoll eine einheimische Zuckerindustie billigere Erzeugnisse
liefern würde als die ausländische. Der damit gemachte Versuch
ergab jedoch ein schlechtes Resultat. Wir waren im Irrtum. Der
auf Zucker gelegte Zoll wurde deshalb wieder aufgehoben, und der
Zucker durfte wieder frei eingeführt werden. In dem einen Falle