Full text : Kaufmanns Herrschgewalt

IX.  Englisch-amerikanische  Handelsbeziehungen.  117

wohl  an,  seine  Ansichten  zu  ändern,  wenn  er  findet,  daß  er  im
Irrtum  war.  Die  britischen  Kolonien  wissen,  daß  sie  einen  großen
Teil  ihres  öffentlichen  Einkommens  aus  den  Eingangssteuern,  ziehen;
ein  britischer  Zollverein  ist  deshalb  nicht  durchführbar,  ganz  abgesehen ­
  von  anderweitigen  Bedenken.  Beispielsweise  zahlten  die
Vereinigten  Staaten  neben  den  Abgaben  auf  Zucker  eine  ebenso
große  Summe  wie  die  von  anderen  Völkern  gezahlte  Prämie
für  Zuckerbau,  und  das  ist  nur  ein  Akt  der  Gerechtigkeit  gegenüber ­
  unsern  eigenen  Zuckererzeugern.
Es  ist  deshalb  durchaus  wahrscheinlich,  daß  vorläufig,  und
zwar  sehr  bald  die  britischen  Kolonien  durch  die  Notwendigkeit
ivon  Einnahmen,  verbunden  mit  der  Unbequemlichkeit  bei  der
Einsammlung  von  anderen  Steuern,  dahin  geführt  werden,  hohe
Abgaben  auf  jede  Art  von  Einfuhr  zu  legen;  besonders  auf  die
Einfuhr  von  Luxusgegenständen,  d.  h.  auf  die  feinsten  Erzeugnisse ­
  jeder  Art;  also  auf  all  solche  Dinge,  welche  nicht  von  den
Massen  der  Armen  des  Volkes,  sondern  von  den  wenigen  Reichen
gebraucht  werden.  Eine  solche  Politik  wäre  volkstümlich,  und
es  ist  hinlänglich  bekannt,  wie  wichtig  die  Unterstützung  der
Massen  für  den  Politiker  ist.  Dieselben  Einflüsse  werden,  wie
ich  glaube,  in  den  Vereinigten  Staaten  sich  geltend  machen.  Ich
kenne  keine  andere  Art  der  Steuererhebung,  die  gleich  leicht  und
für  die  .Wähler  gleich  angenehm  wäre.  Es  erscheint  vielleicht
überraschend  und  ist  dennoch  wahr,  daß  bei  der  gegenwärtigen
Steuerpolitik  die  große  Masse  des  amerikanischen  Volkes  tatsächlich ­
  jeder  Besteuerung  entgeht.  Sie  gebrauchen  hauptsächlich
—  ja,  ich  möchte  sagen  ganz  und  gar  —  nur  einheimische  Erzeugnisse: ­
  einheimischen  Tabak,  einheimischen  Wein,  einheimische
Spirituosen  und  einheimisches  Bier,  einheimische  Baumwollen-  und
Wollenstoffe  und  einheimische  Seidenstoffe,  alles  vollkommen
seinen  Zweck  erfüllend,  wenn  auch  nicht  so  fein  wie  ausländische

zwungen  einem  großbritischen  Verein  beitreten  würden,  dann  würde  er
die  Sache  nicht  einmal  mit  Zangen  anfassen.  Tatsächlich  hat  Chamberlain
  die  Idee  eines  großbritischen  Zollvereins  in  der  einen  oder  anderen
Form  keineswegs  aufgegeben,  wie  die  während  des  vergangenen  Jahres
(1902)  stattgehabten  Konferenzen  mit  den  Ministern  der  verschiedenen
Kolonien  am  besten  beweisen.
            
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