Full text : Kaufmanns Herrschgewalt

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XU.  Lebensunterhalt  in  Großbritannien

digen  vermag,  desto  mehr  muß  sein  ausländischer  Handel  relativ ­
  abnehmen;  beispielsweise  wird  ein  größerer  Teil  der  im  Lande
geernteten  Baumwolle  auch  im  Lande  selbst  verarbeitet,  infolgedessen ­
  geht  dann  weniger  davon  ins  Ausland;  und  so  verhält
es  sich  mit  allen  Naturerzeugnissen  und  auch  mit  einigen  Artikeln,
die  bis  jetzt  importiert  wurden,  bald  aber  in  Amerika  selbst
gemacht  werden  dürften.
Angesichts  der  hier  mitgeteilten  Verhältnisse  und  der  augenscheinlichen ­
  Tatsache,  daß  der  Lebensunterhalt  in  Amerika  zweifellos ­
  viel  billiger  ist  als  in  England,  und  daß  damit  dreiviertel  der  Gesamtkosten ­
  für  die  notwendigen  Lebensbedürfnisse  einer  Arbeiterfamilie ­
  gedeckt  sind,  muß  man  sich  die  Frage  vorlegen,  wie  die
noch  heute  in  England  weit  verbreitete  Anschauung,  das  Leben
in  den  Vereinigten  Staaten  sei  teurer,  entstehen  konnte?  Der
Grund  dafür  ist  einfach  folgender:  Obgleich  es  wahr  ist,  daß  man
in  den  Vereinigten  Staaten  jetzt  mit  20  M.  mehr  notwendige  Lebensbedürfnisse ­
  als  in  England  einzukaufen  vermag,  und  daß  daher
der  amerikanische  Arbeiter  sich  großer  Vorteile  über  den  britischen
Arbeiter  erfreut,  so  folgt  bei  Leibe  noch 1  nicht  daraus,  daß  der
amerikanische  Arbeiter  ebenso  billig  lebt  wie  der  britische  Arbeiter ­
  —  weit  davon  entfernt!  Er  erhält  höhere  Löhne.  Der
vom  Ausschuß  des  amerikanischen  Senats  unlängst  erstattete  Bericht ­
  zeigt,  wie  der  englische  Arbeiter  durchschnittlich  nur  65,
1—2  Prozent  —  also  nicht  viel  mehr  als  die  Hälfte  —  des  ameri
kanisch'en  Arbeitslohnes  erntet;  dabei  wurden  die  hauptsächlichsten
Handwerke  zur  Grundlage  genommen.  Bei  seinen  höheren  Einnahmen ­
  hat  der  amerikanische  Arbeiter  Bedürfnisse,  die  überall  in
der  alten  Welt  als  Luxus  bezeichnet  werden  würden.  Er  nimmt
mehr  ein,  gibt  aber  auch  mehr  aus.  Deshalb  bleibt  es  in  gewissem
Sinne  wahr:  dem  amerikanischen  Arbeiter  kostet  sein  Lebensunterhalt ­
  mehr  als  dem  englischen.  Doch  nicht  weniger  wahr  bleibt
es,  daß  der  Unterschied  im  Lebensstil  liegt.  Für  die  unumgänglich ­
  notwendigen  Bedürfnisse  sind  die  Preise  in  der  neuen  Welt
viel  geringer.
In  Amerika  vermag  der  Arbeiter,  wenn  er  dazu  willens  ist,
mit  seiner  Familie  in  der  Tat  außerordentlich  billig  zu  leben;
unordentliche  Leute  aber  können  in  Amerika  gerade  so  leicht
            
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